Süchtige sollen sich auch vor dem Kontaktladen wohlfühlen

Süchtige sollen sich auch vor dem Kontaktladen wohlfühlen

UNNA. Die Klienten, die mehr oder weniger regelmäßig den Kontaktladen an der Hammer Straße in Unna
aufsuchen, leben am Rande der Gesellschaft. Bei der Suchthilfe finden sie einen Rückzugsraum.

Wir sind noch im Corona-Modus.“

Walter Köpp-Farke, Geschäftsführer der Suchthilfe im Kreis Unna gGmbH, macht deutlich, dass so etwas wie Normalität für die Menschen, die dem Alkohol, Drogen oder Medikamenten verfallen sind, noch weit weg ist. Das Leben dieser Menschen spielt sich auch in Unna zum großen Teil draußen ab. „80 Prozent unserer Klienten sind obdachlos“, weiß Sozialarbeiterin Monika Valero. Die Corona-Krise hat Menschen mit Suchtproblematiken besonders hart getroffen. Dass auch der Kontaktladen an der Hammer Straße zeitweise nicht wie gewohnt öffnen und warmes Essen anbieten konnte, war für manche von ihnen hart. Der Betrieb des Kontaktladens läuft längst wieder – allerdings noch nicht so wie vor Corona.

Neue Tische, Stühle und Bänke – und ein Pavillon

Das Bild vor dem Kontaktladen hat sich jetzt deutlich verändert. Es gibt neue Stühle, Bänke und Tische.

Auch ein Grill wartet noch auf seine erste Benutzung. Und die Fläche ist jetzt dank eines neuen Pavillons fast komplett überdacht. Die Menschen, die in Unna am Rande der Gesellschaft leben, sollen sich auch vor dem Kontaktaden wohlfühlen und das Gefühl haben, willkommen zu sein. Das haben sie sonst fast nie. Sie werden weggeschickt, Ordnungsamt und Polizei gerufen. Das Leben mit der Sucht – es stößt in großen Teilen der Bevölkerung auf wenig Verständnis. Umso wichtiger ist, dass es den Kontaktladen gibt. Der Umzug von der Rembrandtstraße zur Hammer Straße hat sich laut Köpp-Farke gelohnt. „Die Menschen sind gerne hier“, sagt er. Sie kommen für ein warmes Essen, zum Waschen ihrer Kleidung, zum Duschen oder um am PC wichtige Dinge etwa mit dem Jobcenter zu klären. Vor allem aber suchen sie das Gespräch – untereinander und mit den Kräften der Suchthilfe. Stiftungsgelder bleiben in der Region. Jetzt, mit dem neuen Ambiente, lässt es sich noch besser plaudern. Die Dr.-Jürgen-Gesling-Stiftung hat 2500 Euro zur Verfügung gestellt, um den Pavillon, die Möbel und den Grill anzuschaffen. Die Vorstandsmitglieder Helge Rosenstengel und Thomas Meyer besuchten jetzt selbst den Kontaktladen, um sich ein Bild von den Veränderungen zu machen. Die Stiftung unterstützt zahlreiche gemeinnützige Initiativen und Vereine – auch in der Dortmunder Nordstadt. „Wir möchten, dass das Geld hier in der Region bleibt, denn die Bedarfe sind groß“, erklärt Rosenstengel. Wie sehr sie dem Kontaktladen geholfen haben, haben er und Meyer jetzt erfahren. Nur die ersten Würstchen lagen noch nicht auf dem Grill.

Artikel und Bild von Dirk Becker, Hellweger Anzeiger. Erschienen 06.07.2021

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