Elternkreis Lünen

Schuld, Angst und Scham sind schlechte Verbündete der Sucht

»Warum wir? Warum gerade unser Kind? Was mögen wir bloß falsch gemacht haben?« Das  sind Fragen, die sich wohl jedes Elternpaar eines drogenabhängigen Kindes schon gestellt hat. Auch Familie Köster (Name geändert) ging es nicht anders. Sie wissen aus Erfahrung, wie belastend das Leben mit einem suchtkranken Kind ist. Schwer zu akzeptieren war es für sie auch lange, dass die Familie eigentlich nichts bewirken konnte, den Sohn vom Drogenkonsum abzuhalten. Hilfe hat das Paar im Elternkreis drogengefährdeter und drogenabhängiger Kinder Lünen gesucht und gefunden. Und das ist schon über zehn Jahre her. Ihr Sohn ist mittlerweile über 30 Jahre alt und längst aus dem Haus. Die Sucht-Problematik ist aber geblieben und aus diesem Grunde sind die Kösters dem Elternkreis nach wie vor treu verbunden.
In der Selbsthilfegruppe helfen sich Eltern gegenseitig, in dem sie aus ihren eigenen Erfahrungen erzählen und dem anderen zuhören. »Hier kann man seine Sorgen offen aussprechen und Verständnis finden. Ein schnell wirkendes Rezept gibt es auch nicht im Elternkreis, aber es werden gangbare Wege aufgezeigt. Wir erkennen, dass wir uns auf uns selber besinnen müssen, und dass wir nicht unsere Kinder ändern können, wohl aber uns selber. Das ist ein steiniger Weg und er gelingt nur mit dauernder gegenseitiger Stützung«, sagt Ulla, die Mutter.
Ein großes Problem für die Eltern sei auch immer die Frage nach der Schuld, die sich die Eltern oft selbst geben, so Ulla. Man grübele über die Vergangenheit nach und suche hier nach der Ursache für die Drogensucht des Kindes. Doch das sei falsch und helfe auch weder den Eltern noch dem Kind. Mittlerweile wissen die Kösters, dass Sucht eine Krankheit ist und in jeder Familie vorkommen kann. So grausam und so schwierig das manchmal sei: Nur das Kind allein kann beschließen, von den Drogen wegzukommen und dann selbstverständlich auch Hilfe erhalten. Die Angst und die Scham vor Nachbarn und Freunden ist ebenfalls ein gefährlicher Verbündeter der Sucht. »Da wird dann schon gern mal hinter vorgehaltener Hand getuschelt. Und eigentlich weiß man, dass alle es wissen, aber niemand spricht die Familie direkt an.« Neben der Angst um das Kind spielen handfeste Probleme im Alltag eine große Rolle: Beispielsweise wird Geld entwendet oder Schmuck landet im Pfandhaus, damit der Drogenkonsum finanziert werden kann.
Wichtig sei, nichts zu tun, was die Sucht unterstützt oder die unbequemen Folgen des Suchtverhaltens aus dem Weg räumt. Verantwortungsübernahme für das Handeln des Jugendlichen sei ein Verstärker der Abhängigkeit. Besser sei es, dem Kind vorzuleben, dass ein Leben ohne die Krücke Droge lebenswert ist und dass auch er/sie es schaffen kann. Doch auch dies ist nicht immer ein wirksames Rezept, denn selbst, wenn ein Abhängiger clean ist, droht immer wieder ein Rückfall. »Im letzten Jahr hatten wir einen Todesfall. Ein junger Mann ist an seiner Sucht verstorben. Das war nicht nur für die Eltern, sondern auch für unsere Gruppenmitglieder schrecklich«, sagt Ulla. Zwischen 15 und 20 Mitglieder hat der Elternkreis, der sich 14-tägig, dienstags von 18.30 Uhr bis 21.30 Uhr in den Räumlichkeiten der Drogenberatungsstelle Lünen trifft. Da sich die Termine aber auch verschieben können, sollten neue interessierte Eltern, die sehr willkommen sind, vorher bei einer der Ansprechpartnerinnen oder in der Beratungsstelle nachfragen. Die drogensüchtigen Kinder bzw. jungen Erwachsenen sind zwischen 18 und 35 Jahre alt. Sie sind Konsumenten illegaler Drogen, die Bandbreite reicht von Cannabis, Kokain über so genannte Modedrogen wie Ecstasy und Amphetamine bis Heroin. Als fachlich kompetenter
Experte und Koordinator steht Olaf Weißenborn, Diplom-Sozialarbeiter und Mitarbeiter der Drogenberatungsstelle Lünen, der Gruppe bei Bedarf mit Rat und Tat zur Seite.

Kontakt
über die beiden Ansprechpartnerinnen der Gruppe:
Ulla 0157 57058903
Ulla 0152 2663826

oder die

Drogenberatungsstelle Lünen
Suchthilfe im Kreis Unna GmbH
Münsterstraße 1 L
44534 Lünen (im Lippezentrum)
Fon 02306 57050
E-Mail brsl@suchthilfe-unna.de

Quelle: SELBST UND VERSTÄNDLICH-DAS SELBSTHILFEMAGAZIN IM KREIS UNNA –   Ausgabe August 2014

Hier können Sie die gesamte Ausgabe der „Selbst und Verständlich“ lesen

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