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Der Stoff aus dem Chemielabor. Speed, Spice und Co.

Mechthild Dyckmans, Drogenbeauftragte der Bundesregierung
Mechthild Dyckmans, Drogenbeauftragte der Bundesregierung

Synthetische Drogen sind nach Cannabis die am häufigsten konsumierten illegalen Substanzen in Deutschland. Etwa 2 Mio. Erwachsene im Alter von 18 bis 64 Jahren haben bereits irgendwann einmal in ihrem Leben Amphetamine (Speed) konsumiert. Etwa 150.000 Erwachsene dieser Altersgruppe nehmen regelmäßig Amphetamine. Etwa 400.000 Erwachsene haben schon einmal neue synthetische Substanzen, d.h. Spice-ähnliche Produkte, wie Räuchermischungen oder auch Badesalze probiert.

Dazu erklärt die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans: „Vor besondere Herausforderungen stellen uns derzeit synthetische Substanzen, von denen immer wieder neue auf den Markt kommen. Diese Substanzen bergen unkalkulierbare gesundheitliche Risiken für die Konsumenten. Wir müssen uns deshalb sowohl in unseren Präventionsbemühungen als auch bei der strafrechtlichen Bekämpfung dieser Stoffe auf die neuen Herausforderungen einstellen.“

Ein Verbot neuer synthetischer Drogen kann derzeit erst nach einem aufwändigen Verfahren durch Unterstellung unter das Betäubungsmittelgesetz erreicht werden. Händler bewerben diese Substanzen bis zu ihrer Unterstellung gezielt als angeblich legale Alternative. Deshalb hat das Bundesministerium für Gesundheit ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben, um Wege aufzuzeigen, wie effektiver auf diese Entwicklungen reagiert werden kann. Das Gutachten der Professoren Dr. Dieter Rössner und Dr. Wolfgang Voit von der Philipps-Universität Marburg zeigt auf, welche rechtlichen Möglichkeiten für ein schnelleres und wirkungsvolleres strafrechtliches Verbot bestehen. „Ich werde mich dafür einsetzen,“ so die Drogenbeauftragte, „dass wir auf Grundlage dieses Gutachtens das Betäubungsmittelrecht an die Herausforderungen des sich schnell verändernden Marktes synthetischer Drogen anpassen.“

Hinsichtlich der notwendigen Präventionsangebote stellt die Drogenbeauftragte fest: „Wir brauchen zielgruppenspezifische Präventionsangebote, um die Konsumenten über die Gefahren der neuen synthetischen Drogen aufzuklären. Bislang sind die Kenntnisse über die Konsumenten der neuen synthetischen Drogen noch gering.“ Deshalb hat das Bundesministerium für Gesundheit beim Centre for Drug Research, Frankfurt a.M. eine Konsumentenbefragung in Auftrag gegeben. Die nicht repräsentative Online-Befragung unter der Leitung von Dr. Bernd Werse, schafft eine erste Grundlage für eine gezielte Ausrichtung der Präventionsangebote in diesem Bereich. Die Umfrage ergab, dass 89% der Konsumenten männlich und im Schnitt 24 Jahre alt sind. Nahezu alle Befragten hatten Erfahrungen mit Cannabis, 80% auch mit anderen illegalen Drogen. Das deutet darauf hin, dass durch die neuen Substanzen in der Regel keine neue Konsumentengruppe für psychoaktive Substanzen angesprochen wird. Auffällig ist auch, dass die Konsumenten über eine deutlich überdurchschnittliche Schulbildung verfügen.

Suchthilfe warnt vor Badezusätzen

Schwerte. Vor Kräutermischungen und Badesalzen mit gefährlichen Nebenwirkungen warnt die Gemeinnützige Gesellschaft für Suchthilfe im Kreis.  „Die Berichte der zumeist jungen Konsumenten aus Schwerte über solche Kräutermischungen decken eine ganze Bandbreite möglicher Wirkungen ab“, berichtet André Palm, Drogenberater in Schwerte.“Dies reicht von gar keiner Wirkung bis hin zu Brechreiz, Ohnmacht und starkem Durchfall in Folge von Überdosierung aufgrund der nicht abzuschätzenden Wirkung.“ Die Hersteller würden diesen Mischungen Fantasienamen geben und sie zumeist in poppigen Verpackungen verkaufen. Doch viele dieser Mischungen enthielten synthetische Cannabioide, dem Cannabis Wirkstoff THC verwandte Stoffe. Die Wirkstoffkonzentration liege mitunter bei dem 20-fachen von dem, was bei klassischen Hanfprodukten gemessen würde, so Palm. Zumeist junge Konsumenten inhalierten die Düfte.

Wirkung ist nicht einzuschätzen. Wirkungen und Nebenwirkungen der Tüteninhalte könnten von den Konsumenten kaum eingeschätzt werden. Herz-, Kreislauf und Nervensystem könnten beeinträchtigt werden. Da die Mischungen in privaten Laboren unter fragwürdigen hygienischen Bedingungen zusammengestellt würden, könne niemand mit Sicherheit sagen, woraus genau sich die Inhalte zusammen setzen. „Legal an diesen Mixturen ist nur, dass sie noch nicht verboten worden sind. Das bedeutet nicht, dass sie nicht gefährlich sind“, so Palm weiter und rät dringend vom Konsum solcher Mischungen ab. Der Vertrieb erfolge vielfach über das Internet, was die Mischungen leicht verfügbar mache. Quelle: Westfälische Rundschau.