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„Wenn du drauf bist, fühlst du dich total erhaben – und später hundeelend“

LÜNEN. Methadon und andere Ersatzstoffe haben dazu beigetragen, die Zahl der Drogentoten in den vergangenen 30 Jahren zu reduzieren. Lünen galt lange als
heißes Pflaster. Dean war Teil der Szene. Heute ist der „Drogenopa“ clean.

Von Felix Püschner

Dean krempelt die Ärmel seines Pullovers hoch. „Schauen Sie mal“, sagt er, „keine  Einstiche“. Die Zeiten, in denen sich der 63-jährige Lüner täglich Spritzen gesetzt hat, sind vorbei. Der „Drogenopa“ – so nennen ihn die Menschen in seinem engeren Umfeld – hängt nicht mehr an der Nadel. Und er sitzt auch nicht mehr hinter Gittern. Er sitzt mit einer Tasse Kaffee in der Hand auf einem Stuhl in der Drogenberatungsstelle und plaudert mit  Suchtberater Olaf Weißenborn. Das tun die beiden seit fast 30 Jahren einmal in der Woche.  Weißenborn hat eine ganze Mappe voller Dokumente über Dean. Er kennt die Vita  des 63-Jährigen fast so gut wie Dean selbst. „Was glaubst du“, fragt der Suchtberater, „wäre mit dir passiert, wenn das Methadonprogramm damals nicht eingeführt worden wäre?“ Dean überlegt kurz: „Keine Ahnung. Dann wäre ich vielleicht immer noch im Knast  – oder sogar schon im Grab.“

In dem Automaten in einer kleine Gasse an der Münsterstraße gibt es unter anderem steriles Spritzbesteck und Kondome. Der Automat wurde Ende der 1980er Jahre aufgestellt. Auch heute noch füllen die Mitarbeiter der Drogenberatungsstelle ihn regelmäßig auf. So groß wie vor 30 Jahren ist der Bedarf allerdings nicht mehr.

Frankfurt, Anfang der 1970er Jahre. Dean ist gerade einmal 18 und lebt in einer WG mit drei  Mitbewohnern, getrennt von seinen Eltern, zu denen das Verhältnis nicht mehr allzu rosig ist. Er finanziert die Wohnung praktisch alleine. Aber nicht auf legalem Weg. Die  Arbeit in einer Generatorenfabrik hat Dean nach ein paar Monaten schon aufgegeben. „Ich  habe schnell gemerkt, dass es auch anders geht, dass man auch auf andere Weise zu Geld  kommt“, sagt er. Das Geld verdient er mit dem, was ihm Spaß macht: Er konsumiert nicht  nur, sondern verkauft auch Drogen, zunächst vorwiegend Haschisch und Kokain. Das  Geschäft läuft gut. Aber wirklich glücklich ist Dean nicht. Vor allem nicht an diesem einen  Abend, als die WG Damenbesuch bekommt. Der 18-Jährige ist allein in seinem Zimmer. Im  Nebenraum wird laut gelacht. Die Leute haben Spaß. Den jungen Mann aus Lünen wollen sie nicht dabei haben. Er fühlt sich ausgegrenzt. „Da war dieses Mädchen aus Schweden.  Die hat mir die erste Spritze gesetzt. Ich wollte ja dazugehören, also hab ich sie gelassen“,  sagt Dean. Für Sozialarbeiter Matthias Hundt ist das ein geradezu klassisches Beispiel dafür, wie Menschen in die Sucht geraten. Und man könne das sogar nachvollziehen, sagt  der Mitarbeiter der Drogenberatungsstelle: „Was macht denn eine idealtypische  zwischenmenschliche Beziehung aus? Liebe, Wärme und Geborgenheit gehören dazu.  Wenn man in die Biografien von Opiatabhängigen schaut, sieht man, dass vielen genau das in ihrer Kindheit und Jugend gefehlt hat. Das sind Menschen, die ein enormes  Bedürfnis nach diesen Gefühlen haben“, sagt Hundt. Schwere Belastungen und Verluste,  aber auch Misshandlung und Missbrauch tauchen in den Akten der „Klienten“ – so nennt  man die Betroffenen in der Drogenberatungsstelle – ebenfalls häufig auf. Ein Opiat wie  Heroin, das nehme man nicht, wenn man feiern will. Das braune Pulver, das wahlweise geraucht, geschnupft oder in geschmolzenem Zustand intravenös injiziert wird, diene nicht dem Lustgewinn, sondern vielmehr der „Unlustvermeidung“. Das ist in den 1970er Jahren auch Deans Motiv. „Wenn du drauf bist, fühlst du dich total erhaben. Die Probleme sind weg. Man fühlt sich warm, weich und in Watte gehüllt“, sagt er. Ein Problem bleibt aber:  Dieser Zustand hält nicht lange an. Und umso häufiger man den Stoff konsumiert,
desto mehr braucht der Körper. Mehrmals am Tag spritzt sich Dean damals das  Glücksgefühl in die Venen „Aber du musst dir nach ein paar Stunden erneut was spritzen,  sonst bekommst du ‘nen Affen“, sagt er. „Affe“, so nennt man in der Szene die typischen  Entzugserscheinungen – Schüttelfrost, Schlaflosigkeit, Erbrechen, Schmerzen im ganzen  Körper. „Du fühlst dich einfach hundeelend“, erklärt Dean. Das führe so weit, dass Abhängige vor ihrem Dealer auf die Knie fallen und regelrecht darum betteln, ihren Stoff zu bekommen – auch wenn sie kein Geld dafür haben. „Opiate nehmen einen schon sehr gefangen. Das kostet nicht nur viel Geld, es kommt darüber hinaus oft zu Verelendung und  Kriminalisierung, Wohnungsverlust – das ist so eine klassische Spirale. Auch wenn das nicht auf jeden Abhängigen zutrifft“, sagt  Hundt.

An Geld fehlt es Dean in Frankfurt lange Zeit nicht. Der Drogenkonsum lässt sich nicht nur  durchs Dealen, sondern auch durch Ladendiebstahl ganz gut finanzieren. Lederjacken, Handtaschen, Jeans – das wird man in der „Gurke“, dem Rotlichtviertel, schnell und zu  einem guten Preis los. Es läuft prima – bis Dean verpfiffen wird. Mit 21 Jahren muss er zum  ersten Mal ins Gefängnis. Und das bedeutet zugleich den ersten kalten Entzug. Hinter Gittern – so macht man das zu dieser Zeit. Die Therapiemöglichkeiten sind begrenzt. Mit  Ausnahme von zwei oder drei Einrichtungen gibt es in Deutschland kein echtes Angebot für  Heroinabhängige. Sie seien stattdessen in forensische Abteilungen gesperrt worden, sagt Weißenborn: „Es gab dann einen strengen kalten Entzug, teilweise wurden den  Abhängigen die Haare abgeschoren. Das war schon brutal.“ Was tut jemand, der über Jahre hinweg drogenabhängig war und dann nach einem Entzug aus der Haft kommt?  „Das Erste, was ich gemacht habe: Ich habe mir sofort Heroin besorgt. Ich weiß gar nicht so genau, warum. Das war irgendwie einfach in mir“, sagt Dean. Und die Versuchung sei zu groß gewesen. Die alten Probleme, die sindnoch da, als er aus der Haft entlassen wird. Die  Szene ist auch noch da. Die Kontakte zu Leuten, die ihr Geld mit Heroin und Co. verdienen, lassen sich schnell wieder auffrischen. Man kennt sich noch. Der Szene entfliehen, das gelingt Dean noch nicht einmal, als er zurück nach Lünen zieht. Den Stoff, Konsumenten  und Dealer gibt es schließlich auch hier zu genüge. Lünen sei in den 1980er Jahren ein  richtig „heißes Pflaster“ gewesen, sagt Dean. Der Kundenkreis habe weit über die Stadtgrenzen hinaus  gereicht.

Die Zahl der Konsumenten, die an einer Überdosis sterben, lässt erahnen, dass Dean damit  nicht ganz unrecht haben kann. „Als ich hier 1989 als Suchtberater angefangen  habe, gab es in Lünen 22 Drogentote. Dortmund galt als Hochburg. Aber Lünen war in der  Statistik an zweiter oder dritter Stelle in NRW“, erklärt Olaf Weißenborn. Dann zieht der Suchtberater mehrere Schreiben aus der Akte über Dean. Eines ist datiert auf Mai 1990.  Darin wendet sich Dean an das Gesundheitsamt und bittet um Aufnahme ins  Substitutionsprogramm. Heroinabhängige sollen dabei mit einem Drogenersatzstoff  versorgt werden. Aber nicht nur, um von der Droge wegzukommen. Es geht auch darum, die Beschaffungskriminalität einzudämmen. „Und zu der Zeit gab es noch eine ganz andere Problematik. Es war die Zeit, in der Aids aufkam. Die Infektionszahlen waren enorm hoch und steigerten sich immer mehr. Eine besonders betroffene Gruppe waren intravenös konsumierende Drogenabhängige“, sagt Matthias Hundt. Bei Menschen, die sich ihr Spritzbesteck teilen, ist die Infektionsgefahr groß. Trotzdem stößt das vom Land NRW initiierte Pionierprogramm, das im März 1988 zunächst testweise in Bochum, Essen und  Düsseldorf an den Start geht, nicht überall auf Zustimmung. Methadon und das verwandte Polamidon sind die ersten Substitutionsmittel – also Ersatzstoffe –, die angeboten werden. Sie verhindern die mit dem Heroinverzicht einhergehenden Entzugserscheinungen, sollen das Verlangen nach Opiaten dämpfen und wirken sedierend, man fühlt sich leicht betäubt  oder auch „abgeschirmt“. Die Kritiker entgegnen, es würde dadurch nur eine Abhängigkeit gegen eine andere getauscht. Viele Menschen, die auf Substitutionsmittel umgestellt werden, konsumieren diese anschließend nämlich über mehrere Jahre, wenn nicht sogar für den Rest ihres Lebens. Doch auch für die „umgestiegenen“ Opiatabhängigen gibt es ein Problem: Die Ersatzstoffe geben keinen „Kick“. Das plötzliche Gefühl, das man beim Konsum bekommt, der Rausch – das fehlt. „Damit haben viele Opiatabhängige große Schwierigkeiten. Das führt nicht selten zu verstärktem Beikonsum anderer berauschender Substanzen“, sagt Hundt. Während das Substitutionsprogramm heute zum Regelangebot gehört, ist der Zugang gerade in der Anfangsphase des Projekts nicht einfach. Dean muss nicht nur einen einzigen Brief schreiben, um aufgenommen zu werden. Er schreibt unter anderem auch einen an den damaligen NRW-Gesundheitsminister Hermann Heinemann persönlich. Und er schreibt an die Drogenberatungsstelle in Lünen. Zu diesem Zeitpunkt ist er 26 Jahre alt. Lünen ist 1990 als weiterer Erprobungsstandort des Substitutionsprogramms hinzugekommen. „Ich bin seit 1974 heroinabhängig. Alle Therapieversuche waren erfolglos. Ich bin immer wieder straffällig geworden“, schreibt Dean. Bestimmt 20 Entzüge habe er hinter sich. Insgesamt habe er sechseinhalb Jahre in Haft verbracht. Deans Bemühungen sind erfolgreich. Er wird ins Programm aufgenommen, bekommt seitdem Polamidon. „Ich habe mich gefreut wie ein Schneekönig, Ich wusste,  dass ich so wie bisher nicht weitermachen wollte. Das war nicht das Leben, das ich mir gewünscht habe“, erklärt er. Täglich holt sich Dean anschließend sein Polamidon in der Vergabestelle ab. Damals wird die noch vom Deutschen Roten Kreuz betreut. Inzwischen ist sie in der Tagesklinik des Landschaftsverband Westfalen- Lippe (LWL) hinter dem St.-Marien-Hospital angesiedelt. Zwischen 70 und 85 Patienten kommen laut Michaela van de Kamp täglich hierher. Van de Kamp ist leitende Oberärztin der Abteilung Suchtmedizin der LWL-Klinik in Dortmund-Aplerbeck. Sie ist zudem täglich für ein paar Stunden in Lünen, um die Patienten zu betreuen. Auf dem Flur sitzen am frühen Morgen drei dieser Patienten und warten vor dem Vergaberaum. Der erste wird hereingebeten. Nach ein paar Minuten ist er auch schon wieder draußen. Die Abläufe sind optimiert: Im Vergaberaum steht ein Gerät, das einem Kaffeeautomaten ähnlich sieht. Wer seinen Becher hier hinstellt, bekommt allerdings kein Heißgetränk, sondern flüssiges Methadon abgefüllt. Jeder Patient ist im Computer registriert, inklusive seiner Dosierung. Dadurch läuft die Vergabe zügig. „Wenn ein neuer Patient zu uns kommt, untersuchen wir ihn und überlegen, ob eine Substitution Sinn macht. Wir testen alle Patienten auf Alkohol und andere Drogen. Das wird von den Krankenkassen zwar nicht alles bezahlt, aber wir machen das trotzdem, weil wir uns eben  sicher sein wollen, was er konsumiert“, sagt van de Kamp. Erst dann taste man sich gemeinsam mit dem Patienten an die richtige Dosierung heran. Die Drogentests werden nicht nur am Tag der Aufnahme, sondern auch im Zuge der weiteren Behandlung durchgeführt. Ist ein Patient vertrauenswürdig, dann kann er sich seinen Drogenersatzstoff auch „auf Vorrat“ mit nach Hause nehmen, maximal für eine Woche. Etwa ein Drittel der Patienten der LWL-Tagesklinik darf das. Für viele ist es eine Entlastung, da sie zum Teil weite Wege auf sich nehmen müssen. Der Grund: Weder in Lünen noch in denN achbarstädten Werne und Selm gibt es noch niedergelassene substituierende Ärzte. Niemanden, der einen Substitutionspatienten in seiner Praxis aufnehmen und ihn täglich mit einem Drogenersatzstoff versorgen würde. Die Behandlung eines Suchtpatienten ist einerseits mit viel bürokratischem Aufwand verbunden. Andererseits, so sagt es van de Kamp, wollten die meisten niedergelassenen Ärzte ein solches Klientel wohl einfach nicht in ihrer Praxis haben. Es gebe die Sorge, andere Patienten könnten sich gestört fühlen, wenn neben ihnen ein Substitutionspatient sitzt. Ein Image-Problem: Das Bild des Junkies, der auf der Straße sitzt und sich in einer Pfütze seine Spritze setzt, das scheint in den Köpfen vieler Menschen immer noch verankert. Und Gegner der Therapieform, die gab es nicht nur damals, es gibt sie auch heute noch. Der Tausch einer Abhängigkeit gegen eine vermeintlich andere – daran gibt es immer noch Kritik, wie Matthias Hundt sagt: „Man muss sich aber klar machen: Sucht ist eine chronische psychische Erkrankung. Da stolpert man nicht einfach so rein und man wird sie auch nicht einfach so wieder los.“ Chronische Erkrankungen seien nun mal nach deutschem Gesundheitsgesetz behandlungsbedürftig: „Und wenn jemand viele Jahre auf ein Substitutionsmittel angewiesen ist, dann ist das auch völlig okay. Man würde ja einem Diabetiker auch nicht nach drei Jahren plötzlich sein Insulin wegnehmen.“

Dass zumindest Substitutionspatienten überhaupt nicht dem klassischen Bild der Heroinabhängigen entsprechen, zeigt sich beim Blick in die LWL-Ausgabestelle. Hier kriecht niemand auf dem Boden und bettelt um Drogen. Hier läuft auch niemand in Lumpen herum oder ist aggressiv. „Das sind Menschen wie du und ich. Unsere Patienten sind freundlich und umgänglich. Und man sieht ihnen ihre Erkrankung gar nicht an. Genauso, wie es bei vielen anderen Krankheiten der Fall ist“, sagt van de Kamp. Dass Therapien nicht immer ideal verlaufen, darüber ist sich die Dortmunder Ärztin durchaus im Klaren. Es gebe zwar nur wenige Patienten, die wirklich rückfällig werden und viele würden es schaffen, das Medikament mit der Zeit abzudosieren, sodass sie es irgendwann gar nicht mehr benötigen – aber dennoch hätten viele Probleme beim Umstieg auf Methadon  und Co. Gerade in der Anfangszeit der Therapie testen einige Patienten den Parallel-konsum von Drogenersatzstoff und Heroin. Letzteres entfaltet dann zwar nicht seine gewohnte Wirkung, aber allein die Handlung, sich eine Spritze aufzuziehen und sich die Nadel in den Arm zu stechen – das bewirkt laut van de Kamp schon etwas. Das sei eine Kopfsache. Das richtige Mittel für den Patienten zu finden, ist ebenfalls nicht immer leicht, denn die Wirkung variiert, wenngleich alle Mittel Entzugserscheinungen vermeiden. „Manche Stoffe machen nicht müde, sondern einen klaren Kopf. Das versuchen viele Patienten, aber sie kommen damit nicht immer zurecht“, sagt die Dortmunder Ärztin. Die Wirkung, die die Patienten vom Heroin kennen, der Grund also, warum sie es konsumiert haben, das fehlt eben. Ausprobiert hat Dean den Parallelkonsum anfangs ebenfalls. Das sei genau so eine Kopfsache gewesen, sagt er: „Aber da passierte nichts. Als ich mir das Heroin gespritzt hab, war es so, als hätte ich mir Wasser gespritzt. Das wollte ich im ersten Moment gar nicht wahrhaben.“ Wer einen Drogenersatzstoff nimmt, für den lohnt es sich schlichtweg nicht, weiterhin Heroin zu konsumieren. Davon ist Dean inzwischen überzeugt. Er hat den Weg aus der Sucht – wenn auch mit einigen Stolpersteinen – freiwillig angetreten. Aber ist das bei jedem Abhängigen so? Was treibt andere eigentlich in die Therapie? „Abhängigkeiten sind Abhängigkeiten, da ist das mit der Freiwilligkeit so eine Sache“, sagt van de Kamp. Niemand werde von außen gezwungen, eine Therapie anzutreten. Der Schritt erfolge gewissermaßen aus eigenem Zwang: „Die Menschen kommen zu uns, weil es ihnen sonst schlecht geht. Wir können ihnen durch die Therapie ein gutes Leben ermöglichen – ohne Heroin, ohne Entzug, und ohne Gefängnis.“ Der Zugang zur Therapie ist heute wesentlich leichter als früher – nicht nur, weil es mehr Plätze für Patienten gibt. Grundlegende Voraussetzung ist heute, dass ein Patient mindestens seit zwei Jahren opiatabhängig ist. Durch die im vergangenen Jahr geänderte Betäubungs-mittel-Verschreibungsverordnung sind zudem laut van de Kamp einige Hürden niedriger geworden. So können nun unter anderem Patienten in Heimen oder von Sozial-psychiatrischen Diensten substituiert werden. In der Drogenberatungsstelle gibt es keine  Medikamente.

„Manche Medikamente machen einen klaren Kopf. Damit kommen viel nicht zurecht.“ Michaela van de Kamp, Ärztin

Die Mitarbeiter stehen ihren Klienten auf andere Weise bei. Hier geht es um  Gespräche, um Unterstützung, die über einen reinen Plausch und gutes Zureden hinausgeht. Es geht nicht nur um die Bewältigung psychischer Probleme, sondern auch um Dinge wie die Sicherstellung der Lebensgrundlage – um Wohnverhältnisse, Schulden und berufliche Aussichten. Denn nicht jeder substituierende Klient steht aufgrund seiner Drogenvergangenheit plötzlich mit leeren Händen da. Handwerker gebe es viele, sagt Weißenborn. Und sogar Akademiker seien schon im Klientenkreis gewesen. „Wir haben Klienten, bei denen Sie heute nicht einmal erahnen würden, dass sie sich überhaupt mal nur im Dunstkreis der Drogenszene bewegt haben“, erklärt der Suchtberater. Wenn er die Lage in Lünen heute mit der Situation von damals vergleichen soll, dann klingt er durchaus ein wenig erleichtert: „Dass jemand an einer Überdosis gestorben ist, ist schon ein paar Jahre her. Heute gibt es bei uns keine Drogentoten mehr.“ Methadon und andere Ersatzstoffe hätten definitiv dazu beigetragen, dass die Menschen überleben. Heute  sterben Opiatabhängige laut Weißenborn eher an den Folgeerkrankungen ihrer Sucht als am Konsum selbst. Hepatits C komme häufig vor. Mittlerweile gebe es auch immer mehr ältere Patienten, die schon seit etlichen Jahren parallel zu ihrer Medikation in die Beratungsstelle kommen. So wie Dean. Beim Lüner „Drogenopa“ sieht man nichts mehr von der Suchtvergangenheit. Weder der Ende der 1980er Jahre vor der Beratungsstelle montierte Spritzenautomat noch das Bild, das hinter Dean an der Wand hängt, wecken in ihm die Lust auf Heroin. Das Bild zeigt die Grachten von Amsterdam. Dort war Dean früher
häufig, um sich seinen Stoff zum Dealen zu besorgen. Und heute? „Kein Bedarf“, sagt
Dean und grinst Weißenborn zu. „Ich habe hier meinen Kaffee. Und ich bekomme  weiterhin mein Polamidon. Mehr brauche ich nicht.“

 

  • Opiate bzw. Opioide sind schmerzstillende Substanzen, die unter anderem in der Krebstherapie Anwendung finden.
  • Heroin wurde Ende des 19. Jahrhunderts von der Firma Bayer entwickelt. Aufgrund der  steigenden Zahl von Abhängigen und des damit verbundenen politischen Drucks stellte das Unternehmen die Produktion Anfang der 1930-er Jahre ein. Bis 1958 wurde Heroin in  Deutschland allerdings noch legal verkauft.
  • Unter den insgesamt 489 Klienten der Drogenberatungsstelle der Suchthilfe Unna in Lünen  sind 106 Substitutionspatienten.
  • Die Drogenberatungsstelle ist Montag, Dienstag und Freitag von 9 bis 12 Uhr sowie Donnerstag von 9 bis 12 und 14 bis 16 Uhr geöffnet. Termine sollten vereinbart werden unter Tel. (02306) 57050 oder per Mail an brsl@suchthilfe-unna.de

Quelle: Ruhr-Nachrichten 20.03.2018

Fotos: Püschner

Gesellschaftlich akzeptierte Gefahr

Je früher Kinder mit dem Alkoholkonsum anfangen, desto größer ist die Suchtgefahr. Seit Jahren leisten Kinder- und Jugendbüro, Suchthilfe und Polizei an den Schulen Aufklärungsarbeit, versuchen einen verantwortungsvollen Umgang mit der Alltagsdroge zu vermitteln. Doch das Interesse sinkt.

UNNA Es hätten vier Aufführungen werden sollen, doch mangels Anmeldungen wird das präventive Theaterstück „Alkohölle“ in der Lindenbrauerei nur dreimal gezeigt. Im Interview mit unserer
Zeitung sprechen Volker Timmerhoff vom Kommissariat Kriminalprävention und Opferschutz, Beate Frommeyer vom städtischen Kinder- und Jugendbüro sowie Matthias Hundt von der Suchthilfe im Kreis Unna über die Gründe, über Eltern als Vorbilder und Wodka in Eisteekartons.

Die Alkohol-Prävention in den Schulen richtet sich gezielt an die Schüler der siebten und achten Jahrgangsstufe, also an Jugendliche zwischen zwölf und 14 Jahren. Wie viele von denen haben schon Erfahrungen mit Alkohol?
Matthias Hundt: Das ist schwer zu sagen. Es ist das Alter der Pubertät, sicherlich auch des ersten Glases Sekt bei der Konfirmation. Grundsätzlich werden Kinder und Jugendliche in unserer  Gesellschaft früh mit Alkohol konfrontiert – anders, als das zum Beispiel in einem islamisch geprägten Land der Fall wäre.

Wieso wählen Suchthilfe, Kinder- und Jugendbüro sowie die Polizei gerade ein Theaterstück, um die Zielgruppe zu erreichen?
Hundt: Die Zielgruppe in unserem Projekt sind nicht nur die Jugendlichen, sondern auch die Eltern und Lehrer. Vor einigen Jahren haben wir uns gemeinsam die Frage gestellt, wie wir alle zusammen erreichen können. So sind wir auf die Schulen gekommen. Für das Theaterstück haben wir uns entschieden, weil es die Schüler emotional berührt.

Worum geht es in dem Theaterstück „Alkohölle“ genau?
Hundt: Der Vater der Hauptdarstellerin Lena war alkoholkrank und ist daran gestorben. Nun ist sie selbst aufgrund dieser Lebenserfahrung kurz davor, auch dem Alkohol zu verfallen. Der ich verpflichten, die Eltern zu einem Elternabend einzuladen, und mindestens einen Lehrer für eine Weiterbildung zu benennen. Erstmals sind in diesem Jahr nicht alle Aufführungen des Stücks  ausgebucht, eine musste sogar abgesagt werden.

Worauf führen Sie das sinkende Interesse zurück?
Hundt: Wir kennen den Grund nicht, sondern können nur unsere Enttäuschung darüber zum Ausdruck bringen. Wir machen das jetzt zum fünften Mal, und in den letzten Jahren war das Stück
immer schnell ausgebucht. Diesmal lief es total schleppend. Von neun weiterführenden Schulen in Unna, die Förderschulen mitgezählt, beteiligen sich leider nur drei. Das ist sehr schade.
Frommeyer: Im Grunde bekommen die Schulen von uns ein vorbereitetes Gesamtpaket, müssen nur zugreifen. Es wird bezuschusst durch die Stadt und durch Spenden, sodass von den Kosten von 2500 Euro für drei Aufführungen nur ein Minimalbeitrag von drei Euro pro Schüler bleibt.

Die geringe Resonanz liegt also nicht an den Schülern, sondern an den Lehrern, die die Anmeldung versäumen?
Frommeyer: Vielleicht ist deren Stundenplan mittlerweile auch so voll, dass sie keine Zeit dafür haben, eine Klasse anzumelden.
Timmerhoff: Eine Schule hat uns zurückgemeldet, dass ihr die Alkoholprävention dieses Jahr nicht ins Konzept passt. Verärgert bin ich darüber, dass zwei Schulen sich trotz mehrfacher Nachfrage  überhaupt nicht zurückgemeldet haben. Vielleicht liegt es wirklich an der Belastung, die ja auch für die Lehrer stark gestiegen ist.

Schule kann bekanntlich nicht all das abfangen, was zuhause womöglich versäumt wird. Welche Rolle kommt den Eltern bei der Prävention zu?
Hundt: Eltern sind Vorbilder, im Guten wie im Schlechten. In der Suchtberatung erleben wir Familien, bei denen die Suchterkrankung von Generation zu Generation weitergegeben wurde.
Frommeyer: Gerade im schwierigen Alter der Pubertät entfernen sich viele Kinder von ihren Eltern. Wenn sie ihr Kind in der Zeit aus den Augen verlieren, ist es ganz schnell in den Brunnen gefallen, im wahrsten Sinne des Wortes. Im Jahr 2009 haben wir vom Kinder- und Jugendbüro an den weiterführenden Schulen eine Umfrage zum Thema Freizeitverhalten und Alkoholkonsum durchgeführt. Auf die Frage „Wissen Deine Eltern, dass Du Alkohol trinkst“, haben damals viele Schüler mit zwölf Jahren schon „Ja“ angekreuzt. Manche Eltern erlauben das viel zu schnell, damit sie nicht darüber diskutieren müssen.
Timmerhoff: Und in der Alkoholprävention haben wir heute noch ein anderes Problem.Früher konnte man sagen: Der erste Schluck Alkohol hat nicht geschmeckt. Es gab Bier, es gab Wein, es hat
bitter geschmeckt. Heute dagegen gibt es die Mischgetränke. Die sind so süß, da merken die Jugendlichen gar nicht, dass sie schon drei Schnäpse getrunken haben, die zum Beispiel in den Alcopops stecken. Die Alcopops haben Jugendschützern vor Jahren große Sorge bereitet. Der Gesetzgeber hat dann mit einer höheren Besteuerung und einer Anhebung des Mindestalters von 16 auf 18 Jahre reagiert.

Hat sich das Problemdamit nicht erledigt?
Timmerhoff: Nein, es gibt ja weiterhin viele süße Getränke mit Alkoholgehalt. Darauf stehen die jungen Leute. Eine Studie der Uni Köln veranschaulicht dies. Auf die Frage, warum sie Alkohol trinken, haben die meisten geantwortet: Weil‘s gut schmeckt. Das war früher nicht so und ist für uns in der Prävention eine neue Herausforderung.Hundt: Die Mischung von Alkohol mit Süßgetränken hat noch einen anderen Aspekt: Wenn ein junger Mensch zum ersten Mal Alkohol trinkt, dann macht der Organismus dicht. Der Körper reagiert automatisch mit Abwehr, der Kehlkopf macht zu, es kommt zu einem Würgereiz. Diesen Schutzmechanismus kann ich außer Kraft setzen, wenn ich den Schnaps mit etwas Süßem mische…
Frommeyer: … zum Beispiel Wodka mit Eistee. Achten Sie mal am Wochenende darauf, wenn Jugendliche in Gruppen durch Unna ziehen. Das sieht immer ganz unverfänglich aus, die haben alle schön ihre Kartons dabei. Das ist eine ganz beliebte Mischung, weil man den Wodka auch nicht riecht.

Muss man angesichts dieser Tatsachen „nüchtern“ konstatieren, dass die Wirkung der Präventionsarbeit nur eine sehr begrenzte ist?
Timmerhoff: Nein, ich würde sogar sagen, dass die Präventionsarbeit in den letzten Jahren viele Früchte getragen hat. Der Alkoholkonsum geht insgesamt zurück. Das Problem, das wir haben, ist, dass diejenigen, die Alkohol trinken, es umso exzessiver tun.
Frommeyer: Aber die Zahl der Jugendlichen zwischen 13 und 20 Jahren, die mit einer Alkoholvergiftung in eines unserer beiden Krankenhäuser eingeliefert wurden, hat sich seit 2008 fast halbiert.
Das führe ich unter anderem auf unsere gute Vernetzung und Aufklärung zurück. Während die Zahl der 13- bis 14-Jährigen mittlerweile bei Null liegt, sind es vor allem die 17-, 18-Jährigen, die über die Stränge schlagen.

Wie ist das bei den „Komasäufern“,die im Krankenhaus  wach werden? Hat das eine abschreckende Wirkung?
Frommeyer: Allerdings. Die Rückmeldungen, die wir bekommen, zeigen: Wer einmal mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus war, der kommt meist nicht wieder. Wenn die sehen, dass sie  intubiert werden, eventuell an ein Bett angeschnallt, ausgezogen werden und eine Windel umgelegt bekommen, ist das in dem Alter schon ein einschneidendes Erlebnis.

Neben Alkohol gelten  Zigaretten als zweite große legale Alltags- und Einstiegsdroge. Während Rauchen bei den Schülern vielleicht auch durch die starke Verteuerung zunehmend „uncool“ geworden ist, zieht das  „Vertragen“ von Alkohol in rauen Mengen nach wie vor große Anerkennung auf sich. Muss Alkohol vielleicht auch teurer werden?
Hundt: Die Preissteigerungen sind sicher auch eine Form der Prävention, sie haben beim Nikotin schon eine große Rolle gespielt. Und bei den Alcopops hatte die Preiserhöhung auch einen Rückgang
zur Folge.
Frommeyer: Vielleicht sollte bei Alkohol auch generell das Alter heraufgesetzt werden, also auch Bier, Sekt und Wein erst ab 18 Jahren und nicht schon ab 16 verkauft werden. Das Rauchen ist ja seit 2009 auch erst ab 18 erlaubt. Auch das hat sicher etwas gebracht.
Timmerhoff: Ich wäre auch dafür, aber es ist wohl illusorisch. Die Industrie würde sich mit Händen und Füßen wehren, die Wirte auch.

Wie steht es mit Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit, der ja in manchen Ländern auch verboten ist?
Hundt: Da hat das beliebte Public Viewing seit der Fußball-WM 2006 nach meinem Empfinden einiges bewirkt, aber nicht zum Guten. Schauen Sie sich mal an Spieltagen in Dortmund um: Die  Jugendlichen, die zum Stadion ziehen, haben alle eine Flasche Bier in der Hand. Das war früher nicht so.
Frommeyer: Bei einem Verbot würde sich aber sofort die Frage stellen, wer das kontrollieren soll. Das würde vielGeld kosten.
Timmerhoff: Und es würden viele dagegen verstoßen. Es geht uns ja nicht darum, Alkohol generell zu verbieten. Unser Ziel ist vielmehr, den richtigen Umgang mit Alkohol zu vermitteln.

Also nicht mit dem erhobenen Zeigefinger wedeln, sondern vor allem Verantwortungsbewusstsein lehren?
Frommeyer: Nur mit dem erhobenen Zeigefinger kann man niemanden erreichen.
Hundt: Bei einer Party mit 16 ein Bier zu trinken, soll ja bestenfalls Spaß machen. Da ist nichts dabei, solange es in Maßen geschieht und in nicht Schlägereien oder ungewollten Schwangerschaften endet. Bei Körperverletzungen ist fast immer Alkohol im Spiel, bei sexuellem Missbrauch häufig auch.
Frommeyer: Alkohol ist eine gesellschaftlich akzeptierte Droge, mit der wir seit Jahrzehnten leben. Deshalb geht es uns darum, den Jugendlichen zu sagen: Es ist ok, wenn ihr trinkt, aber es kommt darauf an, wie ihr damit umgeht.

Freie Plätze beim Theaterstück

Nur 460 von 1700 Schülern der siebten und achten Jahrgänge an den weiterführenden Schulen sind bislang für das Präventionstheater „Alkohölle“ angemeldet. Lehrer, die ihre Klasse noch anmelden
wollen, wenden sich an Volker Timmerhoff, Kommissariat Kriminalprävention, Am Bahnhof 12, 59174 Kamen, Tel. 0 23 07/9 21 44 16, E-Mail volker.timmerhoff@ polizei.nrw.de. Die Theatergruppe „Theaterspiel Beate Albrecht“ aus Witten wird das Stück am 27. und 28. Mai in der Lindenbrauerei aufführen. Es thematisiert die Gefahren des Alkoholkonsums und soll zum Nachdenken anregen.

Von Kevin Kohues

erschienen am 20.04.2013 im Hellweger Anzeiger

Männlich, jung, süchtig

Die Drogenhilfe im Kreis Unna wird 30 Jahre alt. Eine große Feier gibt es nicht. Stattdessen soll das Netzwerk ausgebaut werden. Der Bedarf steigt.

KREIS UNNA –   Die gesellschaftlichen Veränderungen wirken sich auf den Drogen-konsum aus. Er wächst auch im Kreis Unna. Mehr Armut und mehr psychische Erkrankungen gelten als Ursachen dafür. Im 30. Jahr ihres Bestehens hat die Suchthilfe im Kreis Unna so viel zu tun  wie nie zuvor. Als es 1983 mit der Anonymen Drogenberatung in Kamen los ging, zählte sie im ersten Jahr 106 Klienten. Im Jahr 2011 waren es 1057 Hilfesuchende, für 2012 liegt die Auswertung noch nicht vor. Freilich liegt die Steigerung der Fallzahlen zu einem gewissen Grad auch an einer Ausweitung und wachsenden Bekanntheit des Angebots.

Aus fünf Mitarbeitern wurden 21, Beratungsstellen gibt es heute in Unna, Lünen und Schwerte, dazu noch einen Kontaktladen, ebenfalls in Unna. Die Suchthilfe leistet kostenlose Beratung für Suchtkranke im sogenannten illegalen Bereich. Das heißt, für Konsumenten von Cannabis, Heroin, Kokain oder Ecstasy. Um krankhaften Konsum legaler Drogen wie Alkohol, frei verkäuflicher Medikamente oder Spielsüchtige kümmern sich die Gesundheitsämter sowie freie Träger wie die Diakonie. Vor allem der Konsum von Cannabis als Alltagsdroge nehme zu, sagt Gerhard Klöpper, Leiter der Sucht-beratungsstelle in Unna.

80 Prozent der Klienten der Drogenhilfe sind Männer, sie gelten als anfälliger für Suchtkrankheiten und als aktiver bei der Beschaffung illegaler Drogen. Und: Jeder dritte Klient war 2011 jüngerMännlich,jung,süchtig als 26 Jahre.

Es gibt aber auch Fälle wie den einer Familie aus dem Kreisgebiet, in der sowohl Vater als auch Mutter drogenabhängig sind. Die Mutter starb vor Jahren an einer Überdosis Kokain, die beiden kleinen Töchter kamen bei den Großeltern unter.Der Vater habe das seinerzeit als Signal zur Umkehr verstanden, sagt Suchthilfe-Geschäftsführer Josef Merfels. Er begann eine Langzeit-Therapie und schaffte es, „clean“ zu werden. Heute hat er eine neue Lebenspartnerin, und die beiden Mädchen wohnen wieder bei ihm.

Damit solche positiven Entwicklungen in Zukunft noch häufiger gelingen, will die Drogenhilfe ihr Netzwerk mit Jugendämtern, Schulen und weiteren Vereinen und Institutionen wie dem Kinderschutzbund weiter ausbauen. Eine Fachtagung im Kreishaus markierte dazu gestern den Auftakt. Eine Feier zum Jubiläum ist indes nicht geplant.

Quelle: Kevin Kohues, Hellweger – Anzeiger, 08.03.2013

Dank an die Säulen des Zusammenlebens

Foto: Sarad / Hellweger-Anzeiger
Foto: Sarad / Hellweger-Anzeiger

Ohne das Engagement aktiver Vereine wäre die Stadt ärmer. Deswegen hat die Sparkasse eine Reihe von Vereinen in diesem Jahr mit 30 000 Euro unterstützt. Primär kamen die Spenden Kindern und Jugendlichen zugute. Die Vereine konnten unter anderem eine Kletteranlage für Kindergartenkinder anschaffen, den Instrumentalunterricht fördern oder die Suchthilfe unterstützen. Gestern übergaben Sparkassen – Vorstandsvorsitzender Klaus Moßmeier und der Verwaltungsratsvorsitzende Michael Hoffmann die Spenden symbolisch an Vertreter dieser Vereine und Institutionen: Förderverein der Peter-Weiss-Gesamtschule, Suchthilfe im Kreis Unna, Kleingärtnerverein Königsborn, Mensa und Bistroverein in Königsborn, Motor-Sport-Club Heeren-Werve, Musikverein Unna, jüdischer kulturell-integrativer Verein Stern, THW-Helfervereinigung Unna, Vereinigung Akustikus Neurinom, Verein Kurparkwichtel.

Quelle: Hellweger-Anzeiger, 30.11.11

Gute Aufklärung über Konsequenzen des Qualmens

Lünen. Der Erfolgsfall liegt sanft schlummernd in einem kleinen Bettchen des St.-Marien-Hospitals und trägt den Namen Aaliyah. Aaliyah ist zwei Tage alt, sie ist das neugeborene Kind von Bianca Gehrke. Einer Mutter, die sich vor der Schwangerschaft das Rauchen abgewöhnt hat:“ Man macht sich ja doch Gedanken über die Gefahren für das Kind“, sagt sie.

Damit ist sie zwar keine Ausnahme, doch noch sorgen sich zu wenige Mütter und werdende Mütter um Folgeschäden durch Alkohol-, Nikotin-, und Drogenkonsum für ihren Nachwuchs. Dem wollte die Kampagne „Ich hab Dich lieb…deshalb rauche und trinke ich nicht!“ entgegenwirken. Gestern wurde nun ein gemeinsames Resümee der Beteiligten von elf sozialen Einrichtungen gezogen, die im Zeitraum von März bis November 2011 in Lünen informiert und sensibilisiert hatten

Persönliche Ansprache

Laut Auskunft von Ellen Pilzecker vom Familienbüro der Stadt, ging es einerseits darum, die breite Öffentlichkeit auf die Gefahren hinzuweisen und andererseits konkret, durch persönliche Ansprache, (werdende) Mütter aufzuklären.“ Hier haben wir insgesamt etwa 1800 Personen erreicht“, so Pilzecker. Auch deshalb wurde die Aufklärungskampagne als Erfolg eingestuft. Anja Wolsza von der Schwangerenberatungsstelle Hamm-Werne konnte von „mindestens drei Fällen“ berichten, bei denen es gelungen sei, werdenden Müttern durch Akupunktur das Rauchen zu entwöhnen.

Mütter mit Schamgefühl

Die Unterstützer der Kampagne waren sich darin einig, dass zahlreichen  Raucher-Müttern zwar bewusst ist, dass sie etwas falsch machen. Allerdings:“ Viele haben Hemmungen oder Schamgefühle, auch darüber zu sprechen“, erklärte Christine Windfuhr-Koch von der Beratungsstelle für Schwangerschaftsprobleme und Familienplanung der AWO. Gerade deshalb sei es wichtig, dass sie mit der Kampagne „wertfreie Unterstützung“ erhalten haben, so Wolsza. Dr. Donat Romann, Chefarzt der Gynäkologischen und Geburtshilflichen Abteilung schätzt, dass aktuell etwa 60 Prozent der von ihm behandelten Frauen Raucherinnen seien. Ein Blick in friedliche Gesichter von Neugeborenen wie das der gesunden  Aaliyah sollte Grund genug sein, um diese Quote künftig zu reduzieren. Eigentlich.

Quelle: Ruhrnachrichten,mm,18.11.2011

Suchthilfe warnt vor neuer Droge „Krokodil“

Am zurückliegenden Wochenende wurden in Bochum die ersten Fälle von Desomorphinkonsum bekannt. Die aus Russland stammende Droge, die zunächst im Raum Frankfurt angeboten wurde, wird von Insidern auch „Krokodil“ oder „Krok“ genannt. Sie gilt als Heroinersatz, ist allerdings wesentlich gefährlicher. Die körperliche Abhängigkeit kann bereits nach einer sehr kurzen Konsumzeit beginnen. Außerdem muss das Desomorphin häufiger gespritzt werden, da der Rausch nur ca. zwei Stunden anhält.

Innerhalb weniger Stunden verfärbt sich die Haut an den Einspritzstellen grün-grau (daher „Krokodil“) und stirbt ab. Nicht selten kommt es danach zu großflächigen Haut- und Gewebeschäden, evt. sogar zu Amputation von Körperteilen, zum Leberversagen und zu platzenden Blutgefäßen.

Eine in Bochum betroffene Person ging davon aus, dass sie ausschließlich Heroin erworben und anschließend gespritzt habe. Es ist daher davonauszugehen, dass im Raum Bochum zurzeit Heroin verkauft wird, dem das lebensgefährliche Desomorphin beigemischt wurde. Mittlerweile haben sich vier Personen gemeldet, bei denen die Hautverfärbungen aufgetreten sind.

Alle glaubten, Heroin erworben zu haben. Die Bochumer Krisenhilfe und die Bochumer Polizei warnen ausdrücklich vor dem Konsum dieser Droge! Das Kennzeichen des Konsums vom „Krokodil“ sind ungewöhnliche/außerordentliche Gewebeschäden bzw. Abszesse im Zusammenhang mit einem Opiatkonsum.

Quelle: Polizeipräsidium Bochum, Uhlandstr. 35, 44791 Bochum, Tel.: +49 234 909 – 1023

„Start mit Stolpern“

…Ein Präventionskonzept zur vor- und nachgeburtlichen Betreuung suchtkranker Frauen und Familien

Im Rahmen der Lüner Kampagne „Ich hab dich lieb… deshalb rauche und trinke ich nicht“, befassen sich über einen Zeitraum von 9 Monaten verschiedene soziale Einrichtungen mit dem Problem des Alkohol- und Drogenkonsums in der Schwangerschaft.

Die Gemeinsame Suchtberatungsstelle des Kreises Unna und des DRK, sowie die Gemeinnützige Gesellschaft für Suchthilfe im Kreis Unna mbH möchten alle Fachleute, die in ihrer beruflichen Praxis mit suchtkranken Eltern arbeiten, einladen, an einem Vortrag der Diplom-Sozialarbeiterin und Kinder- und  Jugendpsychotherapeutin Petra Ape der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin in Dortmund teilzunehmen.

Frau Ape wird am Mittwoch, den 28. September 2011 ab 18.00 Uhr in den Räumen der Gem. Suchtberatungsstelle im Gesundheitshaus Lünen, Roggenmarkt 18-20, 44532 Lünen das Konzept „Start mit Stolpern“ des Westfälischen Kinderzentrums Dortmund vorstellen.

„Start mit Stolpern“ nimmt die Gruppe suchtkranker Eltern in den Fokus. Das Konzept setzt präventiv bereits in der Schwangerschaft mit der Beratung der Mütter an und basiert auf einer funktionierenden interdisziplinären Zusammenarbeit aller beteiligten Institutionen (Suchthilfe, Jugendhilfe, Krankenhaus, niedergelassene Ärzte, Hebammen etc.).

Mit dem Vortrag erhoffen wir uns, allen Praktikern interessante und hilfreiche Impulse für Ihre Arbeit mit suchtkranken Eltern/Müttern geben zu können.

Bitte melden Sie uns Ihre Teilnahme kurz zurück: Tel. : 02306-57050 (Drogenberatung Lünen) oder per Mail: adu-vorbeugung@web.de

Suchthilfe warnt vor Badezusätzen

Schwerte. Vor Kräutermischungen und Badesalzen mit gefährlichen Nebenwirkungen warnt die Gemeinnützige Gesellschaft für Suchthilfe im Kreis.  „Die Berichte der zumeist jungen Konsumenten aus Schwerte über solche Kräutermischungen decken eine ganze Bandbreite möglicher Wirkungen ab“, berichtet André Palm, Drogenberater in Schwerte.“Dies reicht von gar keiner Wirkung bis hin zu Brechreiz, Ohnmacht und starkem Durchfall in Folge von Überdosierung aufgrund der nicht abzuschätzenden Wirkung.“ Die Hersteller würden diesen Mischungen Fantasienamen geben und sie zumeist in poppigen Verpackungen verkaufen. Doch viele dieser Mischungen enthielten synthetische Cannabioide, dem Cannabis Wirkstoff THC verwandte Stoffe. Die Wirkstoffkonzentration liege mitunter bei dem 20-fachen von dem, was bei klassischen Hanfprodukten gemessen würde, so Palm. Zumeist junge Konsumenten inhalierten die Düfte.

Wirkung ist nicht einzuschätzen. Wirkungen und Nebenwirkungen der Tüteninhalte könnten von den Konsumenten kaum eingeschätzt werden. Herz-, Kreislauf und Nervensystem könnten beeinträchtigt werden. Da die Mischungen in privaten Laboren unter fragwürdigen hygienischen Bedingungen zusammengestellt würden, könne niemand mit Sicherheit sagen, woraus genau sich die Inhalte zusammen setzen. „Legal an diesen Mixturen ist nur, dass sie noch nicht verboten worden sind. Das bedeutet nicht, dass sie nicht gefährlich sind“, so Palm weiter und rät dringend vom Konsum solcher Mischungen ab. Der Vertrieb erfolge vielfach über das Internet, was die Mischungen leicht verfügbar mache. Quelle: Westfälische Rundschau.