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Cannabis hat Konjunktur

…Modedrogen wie Crystal Meth sind in Lünen und Umgebung wenig verbreitet

Lünen: Vor einigen Wochen haben die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler und der Präsident des Bundeskriminalamts, Jörg Ziercke, ihren aktuellen Drogenbericht vorgestellt. Danach sind  synthetische Drogen wie Crystal Meth und Ecstasy deutschlandweit auf dem Vormarsch. Wir haben die Experten der Lüner Drogenberatungsstelle nach der Lage vor Ort gefragt.Olaf Weißenborn, Gabriele Schmidt und Matthias Hundt von der Drogenberatungsstelle sind für Lünen, Werne, Selm und Bergkamen zuständig und geben Auskunft.

Werden Crystal Meth und Ecstasy in der Umgebung auch so häufig konsumiert?
Der Konsum von Cannabis hat in Lünen und im nördlichen Kreis Unna derzeit Konjunktur, sagen die Experten der Lüner Drogenberatugnsstelle Crystal Meth ist nach den Erfahrungen der Drogenberatungsstelle sowohl in Lünen, als auch im Kreis Unna und in ganz NRW kaum verbreitet. Im vergangenen Jahr gab es in Lünen nicht einen  Konsumenten in der Beratung.

Gilt das auch für Ecstasy?
Die Beratungsstelle Lünen hat keine Klienten, die hauptsächlich von Ecstasy abhängig sind. Insgesamt ist in Lünen und im gesamten Nordkreis der Konsum von Cannabis weitaus häufiger.

Hat die Zahl der Konsumenten in den vergangenen Jahren zugenommen?
Die Anzahl der behandlungsbedürftigen Cannabiskonsumenten hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Für die Statistik ist zu unterscheiden zwischen denjenigen, die regelmäßig betreut werden und denjenigen, die nur einmal oder wenige Male zur Beratung kommen und etwas zu Cannabis wissen wollen. Diese so genannten Einmalkontakte stiegen von 95 in 2011 auf 124
im Jahr 2013. Wegen Cannabis-Konsums wurden 2011 im gesamten Nordkreis noch 61 Klienten betreut, 2013 waren es 72.

Sind bei dieser Personengruppe auch andere Drogen im Spiel?
Hier ist immer häufiger ein Mischkonsum mit Amphetaminen zu beobachten. Früher war diese Kombination nicht so verbreitet, weil das unterschiedliche Konsumentengruppen sind. Heute, so  beobachten es die Experten der Drogenberatungsstelle, „pushen“ sich viele Konsumenten erst mit Amphetaminen hoch, um sich dann wieder mit Cannabis zu entspannen.

Die gemeinnützige Gesellschaft für Suchthilfe arbeitet auch präventiv an Schulen. Ist Cannabis unter Jugendlichen angesagt?
Die Jugendlichen fangen schon sehr früh – teils mit 14 Jahren – an, Cannabis zu konsumieren. Sie informieren sich über das Internet und glauben, alles über Drogen zu wissen, sind aber zum  großteil völlig falsch informiert. Sie denken zum Beispiel, eine geringe Menge Cannabis zu besitzen, sei legal. Da ist dann auch Aufklärungsarbeit nötig.

Erlaubt scheinen auch die so genannten „Legal Highs“ zu sein, synthetische Drogen, die als Räuchermischungen deklariert werden. Ist das ein neuer Trend?
Die Legal Highs sind leicht im Internet zu bestellen. Oft kann der Konsument aber gar nicht einschätzen, wie gefährlich die Droge tatsächlich ist. Es werden so schnell neue Drogen kreiert, dass der Gesetzgeber mit den Verboten kaum nachkommt. In der Beratungsstelle sind Fälle von Krampfanfällen und anderen Komplikationen nach dem Konsum bekannt.

Wie alt sind die Klienten der Beratungsstelle?
Zwischen 18 und 25, viele aber auch über 40 und älter.

Kommen mehr Menschen in die Beratungsstelle?
Insgesamt haben wir seit 2011 einen leichten Anstieg zu verzeichnen.

Bernadette Winter

Quelle: Westfälische Rundschau Lünen, Ausgabe vom 28.05.2014