Schlagwort-Archiv: Drogentote

Cannabis, die Nachwuchsdroge

Kreis Unna. Die Sucht reißt jedes Jahr Hunderte, vielleicht sogar Tausende Menschen im Kreis in den Drogensumpf. Doch immer seltener versinken sie auch darin: 2011 gab es im Kreisgebiet 16 Drogentote.

Der Leiter der Suchtberatungsstelle in Unna, Gerhard Klöpper, sieht den Bundestrend bestätigt. Zwar endet die Drogenkarriere seltener im Tod als in den Vorjahren. Doch die Zahl der Abhängigen bewegt sich nach wie vor auf einem sehr hohen Niveau. Gerade auch die Zahl der Cannabiskonsumenten ist rapide gestiegen. Deshalb könne keineswegs Entwarnung gegeben werden, so Klöpper. Das Konsumverhalten habe sich schlichtweg verändert.

Konkret spiegelt sich das beispielsweise in der Altersstruktur wieder. Jeder zweite Klient der Suchthilfe ist älter als 30 – für Klöpper ein Erfolg von Substitutionsprogrammen für Opiatabhängige. War der Drogentod einst sehr häufig das traurige und frühe Ende eines Leidensweges, ist die Lebenserwartung Süchtiger heute weitaus größer. Zum Beispiel dank des Methadonprogrammes.  Konsumenten werden älter, und letztendlich sinkt auch der Konsum. „Diese Programme wirken“, bilanziert Klöpper.

Sorgen bereitet indes aber das andere Ende des Altersspektrums. Experten geCannabis, die Nachwuchsdrogehen davon aus, dass bundesweit 1,1 Prozent der Jugendlichen im Alter von zwölf bis 17 Jahren regelmäßig Cannabis konsumieren. Erweitert auf die Altersspanne bis 25 steigt der Anteil regelmäßiger Cannabiskonsumenten auf 2,3 Prozent. Das spiegelt sich auch im Kreis wieder: „Fanden bis vor fünf Jahren nur verhältnismäßig wenige Cannabiskonsumenten den Weg in die Beratungsstellen, so ist in den letzten Jahren ein stetiger Anstieg von immer jüngeren Konsumenten illegaler Drogen zu verzeichnen“, heißt es dazu in einem Bericht der Suchthilfe.

In der Statistik für 2011 sieht das konkret so aus: vier Klienten im Alter bis 13 Jahre, 93 zwischen 14 und 17 sowie 267 zwischen 18 und 25: Jeder dritte Klient der Suchthilfe war demnach jünger als 26. „Die jüngere Generation wächst nach“, ist Gerhard Klöpper besorgt, zumal seiner Einschätzung nach 28 Prozent dieser Klienten als Problemfälle einzustufen sind. Hauptsächlich Cannabiskonsumenten, die schon sehr früh angefangen haben. „Es gibt natürlich sehr viele, die probieren mal, hören wieder auf und entwickeln keine Probleme.“ Doch es gibt eben auch jene, die in die berüchtigte Abwärtsspirale geraten – und dann wird es problematisch. „Das sind Leute, die sehr früh angefangen haben, wo sich gesundheitliche Folgen bemerkbar machen.“

Am Anfang stehen oftmals Auffälligkeiten in der Schule, dann kommt irgendwann der Jugendrichter ins Spiel. Und wenn Maßnahmen wie etwa Frühinterventionskurse (nebenstehender Artikel) nicht greifen, droht das Leben aus den Fugen zu geraten. Es folgt der Mischkonsum von Cannabis, Alkohol und härteren Drogen. Eine typische Drogenkarriere.

Insgesamt 1057 Klienten zählte die Suchtberatung im Kreis Unna im vergangenen Jahr. Drogensüch-tige dürfte es im Kreisgebiet allerdings weit mehr geben. „Ich gehe davon aus, dass wir vielleicht 50 Prozent erreichen“, schätzt Klöpper. „Im illegalen Drogenbereich kommen die Leute ja nicht freiwillig – sondern erst, wenn sie mit der Polizei zu tun haben.“

Übrigens: Mit 16 Drogentoten innerhalb 2011 liegt der Kreis über dem Landesdurchschnitt. Allerdings fließen auch Auswärtige in die Statistik mit ein: In der Einrichtung „Lüsa“ in der Stadt Unna leben schließlich über 30 schwer drogenabhängige Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet.

Ausweg führt über „FreD“

Früh eingreifen, wo sich bereits früh Probleme abzeichnen: „FreD“ ebnet für viele junge Drogenkonsumenten den Ausweg aus der Sucht. Auch die Suchthilfe im Kreis Unna hat dieses speziell auf junge Erstkonsumenten zugeschnittene Beratungsangebot im Repertoire. „FreD“ – das heißt Frühintervention bei erstauffälligen Drogenkonsumenten. Der Name ist Programm. Das Angebot richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 14 bis 21 Jahren, die als Konsumenten mit illegalen Drogen experimentieren oder Drogen missbrauchen und auffällig geworden sind. In den „FreD-Kursen“ wird ihnen im Rahmen von sozialer Gruppenarbeit die Möglichkeit geboten, sich mit ihrem eigenen Konsum und den sich daraus ergebenden Konsequenzen kritisch-konstruktiv auseinanderzusetzen. Hauptschwerpunkte sind etwa rechtliche Aspekte des Konsums, Informationen über die Substanzen, Sucht- und Suchtentstehungsprozesse und – gerade bei Heranwachsenden besonders wichtig -, die Selbstwahrnehmung, der Umgang mit Konflikten und Problemen sowie Lebensperspektiven.

Die Kurse sind kostenlos.

Informationen zur Teilnahme bei: David Hofmann, Tel. 02303/ 26 02 oder Matthias Hundt und Gabriele Schmidt, Tel. 02306/ 57 05 0.

Quelle: Alexander Heine, Hellweger Anzeiger, 07.04.12

Zahl der Drogentoten 2011 stark gesunken

Mechthild Dyckmans, Drogenbeauftragte der Bundesregierung
Mechthild Dyckmans, Drogenbeauftragte der Bundesregierung

Die Zahl der Drogentoten ist im Jahr 2011 auf 986 um 20 Prozent im Vergleich zumVorjahr (1.237) stark gesunken – damit hat die Zahl der Drogentoten den niedrigsten Stand seit 1988 erreicht. Das Durchschnittsalter der Drogentoten ist weiter angestiegen und liegt bei 37 Jahren.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Mechthild Dyckmans erklärt dazu:„Dieser starke Rückgang ist ein erfreulicher Trend und zeigt, dass die bestehenden Hilfs- und Behandlungsangebote erfolgreich sind und daher fortgesetzt werden müssen. Angebote wie die qualitätsgestützte Substitutionsbehandlung mit Methadon oder Buprenorphin, die diamorphingestützte Behandlung, Drogenkonsumräume, Spritzentauschangebote, Beratung sowie medizinische und soziale Hilfsangebote tragen maßgeblich dazu bei, dass Drogenabhängige überleben können und gesundheitlich stabilisiert werden.”

Die Zahl der polizeilich erstauffälligen Konsumenten harter Drogen ist im Jahr 2011 um 14 Prozent auf insgesamt 21.315 angestiegen. Die erfolgreichen Anstrengungen in der Drogen- und Suchtpolitik schlagen sich auch bei der Sicherstellung illegaler Substanzen nieder. Die Gesamtsicherstellungsmenge von Amphetamin und Methamphetamin ist auf ein Rekordniveau von rund 1,4 Tonnen angestiegen. Insbesondere bei kristallinem Methamphetamin (so genanntes„Crystal“) konnten die Strafverfolgungsbehörden 2011 deutlich größere Mengen sicherstellen als im Jahr zuvor. Darüber hinaus wurden in Deutschland 717 Cannabis-Anbauplantagen sichergestellt, davon 34 so genannte „Profiplantagen“ mit Anbaukapazitäten von über 1.000 Pflanzen.

BKA-Präsident Jörg Ziercke: „Wir müssen der Betäubungsmittelkriminalität weiterhin mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln – präventiv wie repressiv – entgegentreten. Dies zeigen etwa die hohen Sicherstellungsmengen von Amphetamin und Methamphetamin, die überwiegend aus unseren Nachbarländern eingeschmuggelt und für den deutschen Konsummarkt bestimmt waren. Aber auch die Entwicklungen im Bereich der neuen psychoaktiven Substanzen müssen wir weiterhin im Auge behalten. So genannte „Legal High“ – Produkte, die beispielsweise als Kräutermischungen oder Badesalze verkauft werden, enthalten Betäubungsmittel oder ähnlich wirkende chemische Inhaltsstoffe, deren Wirkung nicht abschätzbar ist und von schwersten Vergiftungen bis hin zum Tod führen kann.Von Cannabis, das durch die zunehmende Züchtung in Indoor-Plantagen häufig eine deutlich höhere Wirkstoffkonzentration aufweist, geht ebenfalls ein nicht zu unterschätzendes Gesundheitsrisiko aus.

Quelle: Pressemittleilung der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, 26.03.2012.

Weitere Zahlen und Fakten zur Rauschgiftlage 2011 können über die Homepage des BKA unter www.bka.de und unter www.drogenbeauftragte.de abgerufen werden.