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Cannabis hat Konjunktur

…Modedrogen wie Crystal Meth sind in Lünen und Umgebung wenig verbreitet

Lünen: Vor einigen Wochen haben die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler und der Präsident des Bundeskriminalamts, Jörg Ziercke, ihren aktuellen Drogenbericht vorgestellt. Danach sind  synthetische Drogen wie Crystal Meth und Ecstasy deutschlandweit auf dem Vormarsch. Wir haben die Experten der Lüner Drogenberatungsstelle nach der Lage vor Ort gefragt.Olaf Weißenborn, Gabriele Schmidt und Matthias Hundt von der Drogenberatungsstelle sind für Lünen, Werne, Selm und Bergkamen zuständig und geben Auskunft.

Werden Crystal Meth und Ecstasy in der Umgebung auch so häufig konsumiert?
Der Konsum von Cannabis hat in Lünen und im nördlichen Kreis Unna derzeit Konjunktur, sagen die Experten der Lüner Drogenberatugnsstelle Crystal Meth ist nach den Erfahrungen der Drogenberatungsstelle sowohl in Lünen, als auch im Kreis Unna und in ganz NRW kaum verbreitet. Im vergangenen Jahr gab es in Lünen nicht einen  Konsumenten in der Beratung.

Gilt das auch für Ecstasy?
Die Beratungsstelle Lünen hat keine Klienten, die hauptsächlich von Ecstasy abhängig sind. Insgesamt ist in Lünen und im gesamten Nordkreis der Konsum von Cannabis weitaus häufiger.

Hat die Zahl der Konsumenten in den vergangenen Jahren zugenommen?
Die Anzahl der behandlungsbedürftigen Cannabiskonsumenten hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Für die Statistik ist zu unterscheiden zwischen denjenigen, die regelmäßig betreut werden und denjenigen, die nur einmal oder wenige Male zur Beratung kommen und etwas zu Cannabis wissen wollen. Diese so genannten Einmalkontakte stiegen von 95 in 2011 auf 124
im Jahr 2013. Wegen Cannabis-Konsums wurden 2011 im gesamten Nordkreis noch 61 Klienten betreut, 2013 waren es 72.

Sind bei dieser Personengruppe auch andere Drogen im Spiel?
Hier ist immer häufiger ein Mischkonsum mit Amphetaminen zu beobachten. Früher war diese Kombination nicht so verbreitet, weil das unterschiedliche Konsumentengruppen sind. Heute, so  beobachten es die Experten der Drogenberatungsstelle, „pushen“ sich viele Konsumenten erst mit Amphetaminen hoch, um sich dann wieder mit Cannabis zu entspannen.

Die gemeinnützige Gesellschaft für Suchthilfe arbeitet auch präventiv an Schulen. Ist Cannabis unter Jugendlichen angesagt?
Die Jugendlichen fangen schon sehr früh – teils mit 14 Jahren – an, Cannabis zu konsumieren. Sie informieren sich über das Internet und glauben, alles über Drogen zu wissen, sind aber zum  großteil völlig falsch informiert. Sie denken zum Beispiel, eine geringe Menge Cannabis zu besitzen, sei legal. Da ist dann auch Aufklärungsarbeit nötig.

Erlaubt scheinen auch die so genannten „Legal Highs“ zu sein, synthetische Drogen, die als Räuchermischungen deklariert werden. Ist das ein neuer Trend?
Die Legal Highs sind leicht im Internet zu bestellen. Oft kann der Konsument aber gar nicht einschätzen, wie gefährlich die Droge tatsächlich ist. Es werden so schnell neue Drogen kreiert, dass der Gesetzgeber mit den Verboten kaum nachkommt. In der Beratungsstelle sind Fälle von Krampfanfällen und anderen Komplikationen nach dem Konsum bekannt.

Wie alt sind die Klienten der Beratungsstelle?
Zwischen 18 und 25, viele aber auch über 40 und älter.

Kommen mehr Menschen in die Beratungsstelle?
Insgesamt haben wir seit 2011 einen leichten Anstieg zu verzeichnen.

Bernadette Winter

Quelle: Westfälische Rundschau Lünen, Ausgabe vom 28.05.2014

Die Drogenhilfe im Kreis Unna feiert in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen.

(Kreis Unna, 26.02.13) Am 10.03.1983 wurde die Anonyme Drogenberatung Unna e.V., (heute: Gemeinnützige Gesellschaft für Suchthilfe im Kreis Unna mbH), in Kamen in der Schäferstraße 38 offiziell eröffnet.

Aus diesem Anlass veranstaltet die Gemeinnützige Gesellschaft im Kreis Unna mbH in diesem Jahr eine Reihe von Veranstaltungen. Den Auftakt bildet die Fachtagung „Auch Suchtkranke wollen gute Eltern sein – Kindeswohl im Spannungsfeld der Jugend – und Suchthilfe.“ am 07.03.13 im Kreishaus Unna, die die Gem. Ges. für Suchthilfe im Kreis Unna mbH zusammen mit dem Fachbereich Familie und Jugend des Kreises Unna und dem DKSB Kreis Unna ausrichtet.

Ein 30jähriges Jubiläum ist gleichzeitig auch ein ganz besonderes Datum und ein guter Grund auf die zurückliegenden 30 Jahre Drogenhilfe im Kreis Unna zurück zu blicken.

Am 10.03.1983 wurde die Anonyme Drogenberatung Unna e.V., wie eingangs erwähnt, in Kamen in der Schäferstraße 38 offiziell eröffnet, nachdem der Bedarf an Hilfen für drogenabhängige Menschen im Kreis erkannt wurde. Von Anfang an ging es um die Implementierung von bedarfs-gerechten Hilfen für suchtkranke Menschen im Kreis Unna, die sich dabei auch an den finanziellen Gegebenheiten orientieren.

Diese Leitlinien, einerseits die Umsetzung eines an dem Menschen und seinen Bedürfnissen ausgerichteten Hilfesystems, andererseits die Berücksichtigung finanzieller Rahmenbedingungen prägen die Arbeit der Drogenhilfe bis heute.

Ziel unserer Arbeit ist es, die Bürgerinnen und Bürger im Kreis Unna für Sucht und Drogen zu interessieren und aufzuklären um mögliche Suchtgefahren zu mindern bzw. abzubauen. Wir wollen Drogenkonsumenten Rat, Information und Auseinandersetzung mit ihrem Drogenkonsum anbieten und ihnen das Angebot unterbreiten, Handlungsalternativen zu ihrem Konsum zu entwickeln. Wir wollen drogenabhängigen Menschen helfen das Überleben zu sichern und sie so umfassend fördern und unterstützen, dass sie in unserer Gesellschaft ein auf Selbstachtung basierendes Leben aufbauen können.

Mit unseren Hilfsangeboten wollen wir soziale Ausgrenzung verhindern und zum Abbau sozialer Spannungen beitragen. Wir wollen drogenabhängigen Menschen dazu verhelfen, einen anerkannten Platz in der Gesellschaft zu finden und ihre Lebensführung selbstbestimmt und selbstverantwortlich in die Hand zu nehmen.

Im Jahr 1988 erfolgte der Umzug der Drogenberatung von Kamen nach Unna. Gleichzeitig eröffnete die zweite Beratungsstelle in Lünen. Mit dieser zweiten Eröffnung war die Aufteilung des Kreisgebietes in zwei Zuständigkeitsregionen, dem nördlichen und dem mittleren Kreis Unna, verbunden. Diese Aufteilung ermöglichte nicht nur eine unterschiedliche inhaltliche Schwerpunktsetzung der Arbeit, sondern verbesserte gleichzeitig die Erreichbarkeit der Beratungsstellen für die Bürger und Bürgerinnen.

In den Jahren 1991 bis 2000 gelang, im Rahmen der Methadonvergabe, die Aufnahme der damaligen Anonyme Drogenberatung Unna e.V. in das Landesmethadonprogramm. Dies ermöglichte die Implementierung von 1,5 Personalstellen zur sozialtherapeutischen Betreuung Drogenabhängiger.

Seit dem Jahre 2000 ist die Substitutionsbehandlung drogenabhängiger Menschen im Kreis Unna ein fester Bestandteil der medizinischen Regelversorgung.

Im Jahre 1992 konnte der Kontaktladen in der Rembrandtstraße in Unna eröffnet werden und bildet seitdem einen wichtigen Baustein in der gesundheitlichen Versorgung suchtkranker Menschen hier bei uns in Unna.

Und zu guter Letzt wurde im Januar 2002 die Drogenberatung Schwerte eröffnet, und so die Versorgung Suchtkranker im südlichen Kreis Unna sichergestellt, und somit eine, auch geographische, Lücke geschlossen.

Im Jahr 2003 begann der mitunter nicht immer einfache Diskussionsprozess zur Neustrukturierung der Suchthilfeplanung im Kreis Unna, der mit dem Austritt der Stadt Schwerte aus dem Verein ADU eine besondere Qualität erreicht hatte. Weitere Kommunen folgten dem Schwerter Beispiel. Lediglich die Städte Unna und Fröndenberg, sowie die Gemeinden Bönen und Holzwickede blieben aus vereinsrechtlichen Gründen Mitglieder in der ADU.

Es folgten schwierige politische Diskussionen über die zukünftige Ausrichtung und Struktur der Sucht – und Drogenhilfe im Kreis Unna. Bei allen Diskussionen ist die Sicherung einer bedarfsgerechten Versorgung suchtkranker Menschen stets Hauptziel im Kreis Unna geblieben.

Die Diskussion mündet schließlich am 23.10.2010 mit der Gründung der Gemeinnützigen Gesellschaft für Suchthilfe im Kreis Unna mbH, mit dem Kreis Unna als alleiniger Gesellschafter.

Wir möchten uns an dieser Stelle bei allen engagierten Menschen bedanken, die uns in den letzten 30 Jahren mit Rat und Unterstützung tatkräftig begleitet haben. Ohne Ihre Hilfe wäre die Arbeit wie wir sie für die Menschen bei uns im Kreis Unna täglich leisten nicht möglich. Ihnen allen gilt Dank und Anerkennung.

Wir möchten uns auch bei den Menschen bedanken, die sich in den letzten 30 Jahren ratsuchend an uns gewandt haben und uns ihr Vertrauen geschenkt haben. Wir werden auch zukünftig jeden Menschen in seiner Einzigartigkeit und in seinem individuellen “Gewordensein” achten, und jeden Menschen mit Respekt und Wertschätzung entgegentreten.

Cannabis, die Nachwuchsdroge

Kreis Unna. Die Sucht reißt jedes Jahr Hunderte, vielleicht sogar Tausende Menschen im Kreis in den Drogensumpf. Doch immer seltener versinken sie auch darin: 2011 gab es im Kreisgebiet 16 Drogentote.

Der Leiter der Suchtberatungsstelle in Unna, Gerhard Klöpper, sieht den Bundestrend bestätigt. Zwar endet die Drogenkarriere seltener im Tod als in den Vorjahren. Doch die Zahl der Abhängigen bewegt sich nach wie vor auf einem sehr hohen Niveau. Gerade auch die Zahl der Cannabiskonsumenten ist rapide gestiegen. Deshalb könne keineswegs Entwarnung gegeben werden, so Klöpper. Das Konsumverhalten habe sich schlichtweg verändert.

Konkret spiegelt sich das beispielsweise in der Altersstruktur wieder. Jeder zweite Klient der Suchthilfe ist älter als 30 – für Klöpper ein Erfolg von Substitutionsprogrammen für Opiatabhängige. War der Drogentod einst sehr häufig das traurige und frühe Ende eines Leidensweges, ist die Lebenserwartung Süchtiger heute weitaus größer. Zum Beispiel dank des Methadonprogrammes.  Konsumenten werden älter, und letztendlich sinkt auch der Konsum. „Diese Programme wirken“, bilanziert Klöpper.

Sorgen bereitet indes aber das andere Ende des Altersspektrums. Experten geCannabis, die Nachwuchsdrogehen davon aus, dass bundesweit 1,1 Prozent der Jugendlichen im Alter von zwölf bis 17 Jahren regelmäßig Cannabis konsumieren. Erweitert auf die Altersspanne bis 25 steigt der Anteil regelmäßiger Cannabiskonsumenten auf 2,3 Prozent. Das spiegelt sich auch im Kreis wieder: „Fanden bis vor fünf Jahren nur verhältnismäßig wenige Cannabiskonsumenten den Weg in die Beratungsstellen, so ist in den letzten Jahren ein stetiger Anstieg von immer jüngeren Konsumenten illegaler Drogen zu verzeichnen“, heißt es dazu in einem Bericht der Suchthilfe.

In der Statistik für 2011 sieht das konkret so aus: vier Klienten im Alter bis 13 Jahre, 93 zwischen 14 und 17 sowie 267 zwischen 18 und 25: Jeder dritte Klient der Suchthilfe war demnach jünger als 26. „Die jüngere Generation wächst nach“, ist Gerhard Klöpper besorgt, zumal seiner Einschätzung nach 28 Prozent dieser Klienten als Problemfälle einzustufen sind. Hauptsächlich Cannabiskonsumenten, die schon sehr früh angefangen haben. „Es gibt natürlich sehr viele, die probieren mal, hören wieder auf und entwickeln keine Probleme.“ Doch es gibt eben auch jene, die in die berüchtigte Abwärtsspirale geraten – und dann wird es problematisch. „Das sind Leute, die sehr früh angefangen haben, wo sich gesundheitliche Folgen bemerkbar machen.“

Am Anfang stehen oftmals Auffälligkeiten in der Schule, dann kommt irgendwann der Jugendrichter ins Spiel. Und wenn Maßnahmen wie etwa Frühinterventionskurse (nebenstehender Artikel) nicht greifen, droht das Leben aus den Fugen zu geraten. Es folgt der Mischkonsum von Cannabis, Alkohol und härteren Drogen. Eine typische Drogenkarriere.

Insgesamt 1057 Klienten zählte die Suchtberatung im Kreis Unna im vergangenen Jahr. Drogensüch-tige dürfte es im Kreisgebiet allerdings weit mehr geben. „Ich gehe davon aus, dass wir vielleicht 50 Prozent erreichen“, schätzt Klöpper. „Im illegalen Drogenbereich kommen die Leute ja nicht freiwillig – sondern erst, wenn sie mit der Polizei zu tun haben.“

Übrigens: Mit 16 Drogentoten innerhalb 2011 liegt der Kreis über dem Landesdurchschnitt. Allerdings fließen auch Auswärtige in die Statistik mit ein: In der Einrichtung „Lüsa“ in der Stadt Unna leben schließlich über 30 schwer drogenabhängige Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet.

Ausweg führt über „FreD“

Früh eingreifen, wo sich bereits früh Probleme abzeichnen: „FreD“ ebnet für viele junge Drogenkonsumenten den Ausweg aus der Sucht. Auch die Suchthilfe im Kreis Unna hat dieses speziell auf junge Erstkonsumenten zugeschnittene Beratungsangebot im Repertoire. „FreD“ – das heißt Frühintervention bei erstauffälligen Drogenkonsumenten. Der Name ist Programm. Das Angebot richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 14 bis 21 Jahren, die als Konsumenten mit illegalen Drogen experimentieren oder Drogen missbrauchen und auffällig geworden sind. In den „FreD-Kursen“ wird ihnen im Rahmen von sozialer Gruppenarbeit die Möglichkeit geboten, sich mit ihrem eigenen Konsum und den sich daraus ergebenden Konsequenzen kritisch-konstruktiv auseinanderzusetzen. Hauptschwerpunkte sind etwa rechtliche Aspekte des Konsums, Informationen über die Substanzen, Sucht- und Suchtentstehungsprozesse und – gerade bei Heranwachsenden besonders wichtig -, die Selbstwahrnehmung, der Umgang mit Konflikten und Problemen sowie Lebensperspektiven.

Die Kurse sind kostenlos.

Informationen zur Teilnahme bei: David Hofmann, Tel. 02303/ 26 02 oder Matthias Hundt und Gabriele Schmidt, Tel. 02306/ 57 05 0.

Quelle: Alexander Heine, Hellweger Anzeiger, 07.04.12

Gute Aufklärung über Konsequenzen des Qualmens

Lünen. Der Erfolgsfall liegt sanft schlummernd in einem kleinen Bettchen des St.-Marien-Hospitals und trägt den Namen Aaliyah. Aaliyah ist zwei Tage alt, sie ist das neugeborene Kind von Bianca Gehrke. Einer Mutter, die sich vor der Schwangerschaft das Rauchen abgewöhnt hat:“ Man macht sich ja doch Gedanken über die Gefahren für das Kind“, sagt sie.

Damit ist sie zwar keine Ausnahme, doch noch sorgen sich zu wenige Mütter und werdende Mütter um Folgeschäden durch Alkohol-, Nikotin-, und Drogenkonsum für ihren Nachwuchs. Dem wollte die Kampagne „Ich hab Dich lieb…deshalb rauche und trinke ich nicht!“ entgegenwirken. Gestern wurde nun ein gemeinsames Resümee der Beteiligten von elf sozialen Einrichtungen gezogen, die im Zeitraum von März bis November 2011 in Lünen informiert und sensibilisiert hatten

Persönliche Ansprache

Laut Auskunft von Ellen Pilzecker vom Familienbüro der Stadt, ging es einerseits darum, die breite Öffentlichkeit auf die Gefahren hinzuweisen und andererseits konkret, durch persönliche Ansprache, (werdende) Mütter aufzuklären.“ Hier haben wir insgesamt etwa 1800 Personen erreicht“, so Pilzecker. Auch deshalb wurde die Aufklärungskampagne als Erfolg eingestuft. Anja Wolsza von der Schwangerenberatungsstelle Hamm-Werne konnte von „mindestens drei Fällen“ berichten, bei denen es gelungen sei, werdenden Müttern durch Akupunktur das Rauchen zu entwöhnen.

Mütter mit Schamgefühl

Die Unterstützer der Kampagne waren sich darin einig, dass zahlreichen  Raucher-Müttern zwar bewusst ist, dass sie etwas falsch machen. Allerdings:“ Viele haben Hemmungen oder Schamgefühle, auch darüber zu sprechen“, erklärte Christine Windfuhr-Koch von der Beratungsstelle für Schwangerschaftsprobleme und Familienplanung der AWO. Gerade deshalb sei es wichtig, dass sie mit der Kampagne „wertfreie Unterstützung“ erhalten haben, so Wolsza. Dr. Donat Romann, Chefarzt der Gynäkologischen und Geburtshilflichen Abteilung schätzt, dass aktuell etwa 60 Prozent der von ihm behandelten Frauen Raucherinnen seien. Ein Blick in friedliche Gesichter von Neugeborenen wie das der gesunden  Aaliyah sollte Grund genug sein, um diese Quote künftig zu reduzieren. Eigentlich.

Quelle: Ruhrnachrichten,mm,18.11.2011

Eltern zerstören den Lebensplan ihrer Kinder

Lünen. Wenn Schwangere Alkohol trinken, illegale Drogen nehmen, rauchen und Eltern ihre Kinder zuqualmen, sind die gesundheitlichen Risiken riesengroß. Eine breit angelegte Präventionskampagne  mit elf beteiligten Einrichtungen hat neun Monate lang viele Eltern erreicht und sie für die Probleme sensibilisiert.

„Ich habe Dich lieb, deshalb rauche und trinke ich nicht“ hieß es auf Flyern, in Vorträgen, auf Informationsabenden, bei vielen Begegnungen und es wurden rund 1800 Personen in persönlichen Gesprächen und 170 Mitarbeiter/-innen aus Einrichtungen erreicht, bilanzierte gestern Ellen Pilzecker vom Lüner Familienbüro im Rückblick. Heute wird ab 16 Uhr im Pfarrheim von St. Marien eine Abschlussfeier geben.

Wir haben werdende Eltern angesprochen und Raucherentwöhnungs-Akupunktur angeboten“, berichtete Anja Wolsza von der katholischen Schwangerenberatung. Dreimal sprach das Familienbüro im Rathaus Passantinnen an und verteilte Info-Material. Das Elternbegleitbuch sei um das Kampagne-Thema erweitert worden, teilte Ellen Pilzecker mit. Die Ärztin Susanne Hann vom Gesundheitsamt hielt Vorträge über das hohe Risiko für Kinder, auch die AWO-Beratungsstelle habe das in vielen Gesprächen thematisiert, betonte Christine Windfuhr-Koch.

Besonders problematisch sind Schwangerschaften und der Konsum illegaler Drogen. Die Drogenberatungsstelle erreichte werdende Eltern in Kooperation mit dem Jugendamt. Manche würden befürchten, dass ihnen die Kinder weggenommen werden, weiß Olaf Weißenborn aus der Arbeit mit Abhängigen.

Über die Elternschule war auch das Marienhospital beteiligt. Geburtsklinik – Chefarzt Dr. Donat Romann:“ Wir wissen, wie dramatisch gefährlich die Drogen Nikotin und Alkohol sind und haben zusammen mit der Kinderklinik ein Alkohol-Beispiel durchgespielt, das sehr beeindruckt hat.“Eltern würden eine regelrechte Lebensplanungszerstörung betreiben. 60 Prozent der Schwangeren, die in die Geburtsklinik kommen, sind oder waren Raucherinnen.

Jede Zigarette verringere die Durchblutung der Gebärmutter, die Zahl der Fehlgeburten steige. Hinzu kämen die Atemwegserkrankungen der kleinen Passivraucher, sagt der Mediziner. Und nicht zuletzt sinke die Fruchtbarkeit.

Quelle: Westfälische Rundschau, Gerd Kestermann, 18.11.2011

Der Stoff aus dem Chemielabor. Speed, Spice und Co.

Mechthild Dyckmans, Drogenbeauftragte der Bundesregierung
Mechthild Dyckmans, Drogenbeauftragte der Bundesregierung

Synthetische Drogen sind nach Cannabis die am häufigsten konsumierten illegalen Substanzen in Deutschland. Etwa 2 Mio. Erwachsene im Alter von 18 bis 64 Jahren haben bereits irgendwann einmal in ihrem Leben Amphetamine (Speed) konsumiert. Etwa 150.000 Erwachsene dieser Altersgruppe nehmen regelmäßig Amphetamine. Etwa 400.000 Erwachsene haben schon einmal neue synthetische Substanzen, d.h. Spice-ähnliche Produkte, wie Räuchermischungen oder auch Badesalze probiert.

Dazu erklärt die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans: „Vor besondere Herausforderungen stellen uns derzeit synthetische Substanzen, von denen immer wieder neue auf den Markt kommen. Diese Substanzen bergen unkalkulierbare gesundheitliche Risiken für die Konsumenten. Wir müssen uns deshalb sowohl in unseren Präventionsbemühungen als auch bei der strafrechtlichen Bekämpfung dieser Stoffe auf die neuen Herausforderungen einstellen.“

Ein Verbot neuer synthetischer Drogen kann derzeit erst nach einem aufwändigen Verfahren durch Unterstellung unter das Betäubungsmittelgesetz erreicht werden. Händler bewerben diese Substanzen bis zu ihrer Unterstellung gezielt als angeblich legale Alternative. Deshalb hat das Bundesministerium für Gesundheit ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben, um Wege aufzuzeigen, wie effektiver auf diese Entwicklungen reagiert werden kann. Das Gutachten der Professoren Dr. Dieter Rössner und Dr. Wolfgang Voit von der Philipps-Universität Marburg zeigt auf, welche rechtlichen Möglichkeiten für ein schnelleres und wirkungsvolleres strafrechtliches Verbot bestehen. „Ich werde mich dafür einsetzen,“ so die Drogenbeauftragte, „dass wir auf Grundlage dieses Gutachtens das Betäubungsmittelrecht an die Herausforderungen des sich schnell verändernden Marktes synthetischer Drogen anpassen.“

Hinsichtlich der notwendigen Präventionsangebote stellt die Drogenbeauftragte fest: „Wir brauchen zielgruppenspezifische Präventionsangebote, um die Konsumenten über die Gefahren der neuen synthetischen Drogen aufzuklären. Bislang sind die Kenntnisse über die Konsumenten der neuen synthetischen Drogen noch gering.“ Deshalb hat das Bundesministerium für Gesundheit beim Centre for Drug Research, Frankfurt a.M. eine Konsumentenbefragung in Auftrag gegeben. Die nicht repräsentative Online-Befragung unter der Leitung von Dr. Bernd Werse, schafft eine erste Grundlage für eine gezielte Ausrichtung der Präventionsangebote in diesem Bereich. Die Umfrage ergab, dass 89% der Konsumenten männlich und im Schnitt 24 Jahre alt sind. Nahezu alle Befragten hatten Erfahrungen mit Cannabis, 80% auch mit anderen illegalen Drogen. Das deutet darauf hin, dass durch die neuen Substanzen in der Regel keine neue Konsumentengruppe für psychoaktive Substanzen angesprochen wird. Auffällig ist auch, dass die Konsumenten über eine deutlich überdurchschnittliche Schulbildung verfügen.