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Cannabis meistkonsumierte illegale Droge

Mechthild Dyckmans, Drogenbeauftragte der Bundesregierung
Mechthild Dyckmans, Drogenbeauftragte der Bundesregierung

…Verbreitung synthetischer Drogen nimmt zu

Berlin, 15. November 2012.

Vorstellung der Jahresberichte der deutschen und europäischen Beobacht-ungsstelle für Drogen und Drogensucht.

Anlässlich der heutigen Vorstellung der Jahresberichte der deutschen und der europäischenBeobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (DBDD und EBDD) erklärt die Drogenbeauftragteder Bundesregierung, Mechthild Dyckmans: „Die Drogen- und Suchtpolitik in Deutschland ist auf einem guten Weg – auch im europäischen Vergleich. Wir verfügen in Deutschland über gute Präventions-, Beratungs- und Behandlungsangebote für suchtgefährdete und suchtkranke Menschen. Die sich schnell verändernden Märkte und neue Substanzen stellen uns jedoch vor große Herausforderungen. Hilfs- und Beratungsangebote müssen an die neuen Entwicklungen angepasst werden, um den Betroffenen möglichst schnell effiziente Hilfe und Unterstützung anbieten zu können.“
Nach wie vor ist Cannabis die illegale Droge in Deutschland und Europa, die am häufigsten
konsumiert wird. Bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist das Konsumverhalten
im Vergleich zu den Vorjahren konstant geblieben. Etwa 5 % der 12- bis 17-Jährigen konsumierten im vergangenen Jahr Cannabis (12-Monats-Prävalenz).
Von erheblicher Bedeutung ist Cannabis auch im Suchthilfesystem. Ein Drittel der Personen, die wegen Drogenproblemen 2011 eine Suchtberatungsstelle aufsuchten, wiesen einen problematischen Cannabiskonsum auf. Viele von ihnen fangen bereits im Teenager-Alter mit dem Konsum an (Durchschnittsalter 15 Jahre).

Der Anteil der Drogenpatienten, die wegen ihres Cannabiskonsums ambulant behandelt werden, liegt seit einigen Jahren bei etwa einem Drittel (2011: 34.7 %). Bei denjenigen, die das erste Mal in Suchtbehandlung sind, liegt der Anteil der Cannabisfälle bei 56,6 %.
“Das zeigt, dass Cannabis keineswegs eine harmlose Droge ist. Besonders der Langzeitkonsum kann zu erheblichen gesundheitlichen Problemen sowie zur Abhängigkeit führen“, so die Drogenbeauftragte. „Deshalb dürfen wir mit unseren Bemühungen nicht nachlassen, über die Gefahren des Cannabiskonsums aufzuklären. Wir müssen schon Jugendlichen verdeutlichen, dass Cannabiskonsum gerade im Jugendalter mit besonderen psychischen Risiken verbunden ist.“
Der Anteil der Konsumenten von Stimulanzien (Amphetamine, Ecstasy) bei den Erstbehandlungen hat weiter zugenommen (ambulante Behandlungen: 2009: 10 %; 2011:15 %). Dabei kommt Amphetaminen und anderen Stimulanzien bundesweit eine wachsende Bedeutung zu, während eine steigende Verbreitung von Crystal bislang hauptsächlich aus den Beratungs- und Behandlungseinrichtungen der Grenzregionen zur Tschechischen Republik gemeldet wird.
Darüber hinaus nehmen neue synthetische Drogen an Bedeutung zu. „Die Schwierigkeit besteht darin, anhand sachlicher Informationen die gesundheitlichen Auswirkungen und Risiken neuer Substanzen einzuschätzen“, so Dr. Tim Pfeiffer-Gerschel, Leiter der Deutschen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht. „Wichtige Zugangswege für präventive Maßnahmen sind das Internet oder die sozialen Netzwerke, aber auch (Online-) Ausstiegshilfen und Angebote lokaler Beratungsstellen.“
Auch der heute in Lissabon vorgestellte Jahresbericht der EBDD weist auf ein ähnliches Bild des Drogenkonsums in Europa hin: Der Gesamtkonsum illegaler Drogen in Europa ist weiterhin relativ stabil. Daneben kommt es jedoch immer wieder zu Entwicklungen, die unterstreichen, dass Drogenkonsum und damit verbundene Probleme nach wie vor erhöhter Aufmerksamkeit bedürfen. Dies beinhaltet neben dem Auftauchen neuer psychoaktiver Substanzen auch regionale Anstiege von Infektionskrankheiten wie HIV oder Hepatitis.

Weitere Informationen und die Jahresberichte der DBDD und EBDD finden Sie in deutscher
Sprache unter www.drogenbeauftragte.de sowie unter www.dbdd.de.

Quelle: Pressemitteilung der Drogenbeauftragten der Bundesregierung und der DBDD.

Verbot 28 weiterer synthetischer Substanzen

…in das Betäubungsmittelgesetz aufgenommen

Sechsundzwanzigste Verordnung zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher Vorschriften am 26. Juli 2012 in Kraft getreten.

Mit der in den wesentlichen am 26. Juli in Kraft getretenen Sechsundzwanzigsten Verordnung zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher Vorschriften werden ab sofort 28 neue psychoaktive Substanzen dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG) unterstellt. Dabei handelt es sich um synthetische Derivate des Amphetamins, Cathinons, Piperazins, Kokains sowie synthetische Cannabinoide. Außerdem werden dem Betäubungsmittelgesetz mit sechsmonatiger Übergangsfrist flüssige Tilidin-Arzneimittel mit schneller Wirkstofffreisetzung (die missbrauchsfähig sind und auch missbraucht werden) unterstellt.

Bei den neu unterstellten psychoaktiven Substanzen handelt es sich um chemische Abwandlungen bekannter Stoffe, die bereits bislang dem BtMG unterfielen. Die neuen Substanzen, die gelegentlich auch als „Designerdrogen“ oder fälschlicherweise und irreführend als „Legal Highs“ bezeichnet werden, sind professionell aufgemacht und werden verharmlosend z.B. als „Kräutermischungen“, „Raumlufterfrischer“ oder „Badesalze“ verkauft. Die wirklichen Inhaltsstoffe werden dabei nicht angegeben.

Der Konsum neuer psychoaktiver Substanzen zieht teilweise schwere gesundheitliche Folgen nach sich: Die Symptome reichen von Übelkeit, heftigem Erbrechen, Herzrasen und Orientierungsverlust über Kreislaufversagen, Ohnmacht bis hin zu Lähmungserscheinungen und Wahnvorstellungen. In Deutschland mussten bereits mehrere Jugendliche, die die Gefahr unterschätzten, wiederbelebt werden.

Quelle: Pressemitteilung der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, 26.07.12

Der Stoff aus dem Chemielabor. Speed, Spice und Co.

Mechthild Dyckmans, Drogenbeauftragte der Bundesregierung
Mechthild Dyckmans, Drogenbeauftragte der Bundesregierung

Synthetische Drogen sind nach Cannabis die am häufigsten konsumierten illegalen Substanzen in Deutschland. Etwa 2 Mio. Erwachsene im Alter von 18 bis 64 Jahren haben bereits irgendwann einmal in ihrem Leben Amphetamine (Speed) konsumiert. Etwa 150.000 Erwachsene dieser Altersgruppe nehmen regelmäßig Amphetamine. Etwa 400.000 Erwachsene haben schon einmal neue synthetische Substanzen, d.h. Spice-ähnliche Produkte, wie Räuchermischungen oder auch Badesalze probiert.

Dazu erklärt die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans: „Vor besondere Herausforderungen stellen uns derzeit synthetische Substanzen, von denen immer wieder neue auf den Markt kommen. Diese Substanzen bergen unkalkulierbare gesundheitliche Risiken für die Konsumenten. Wir müssen uns deshalb sowohl in unseren Präventionsbemühungen als auch bei der strafrechtlichen Bekämpfung dieser Stoffe auf die neuen Herausforderungen einstellen.“

Ein Verbot neuer synthetischer Drogen kann derzeit erst nach einem aufwändigen Verfahren durch Unterstellung unter das Betäubungsmittelgesetz erreicht werden. Händler bewerben diese Substanzen bis zu ihrer Unterstellung gezielt als angeblich legale Alternative. Deshalb hat das Bundesministerium für Gesundheit ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben, um Wege aufzuzeigen, wie effektiver auf diese Entwicklungen reagiert werden kann. Das Gutachten der Professoren Dr. Dieter Rössner und Dr. Wolfgang Voit von der Philipps-Universität Marburg zeigt auf, welche rechtlichen Möglichkeiten für ein schnelleres und wirkungsvolleres strafrechtliches Verbot bestehen. „Ich werde mich dafür einsetzen,“ so die Drogenbeauftragte, „dass wir auf Grundlage dieses Gutachtens das Betäubungsmittelrecht an die Herausforderungen des sich schnell verändernden Marktes synthetischer Drogen anpassen.“

Hinsichtlich der notwendigen Präventionsangebote stellt die Drogenbeauftragte fest: „Wir brauchen zielgruppenspezifische Präventionsangebote, um die Konsumenten über die Gefahren der neuen synthetischen Drogen aufzuklären. Bislang sind die Kenntnisse über die Konsumenten der neuen synthetischen Drogen noch gering.“ Deshalb hat das Bundesministerium für Gesundheit beim Centre for Drug Research, Frankfurt a.M. eine Konsumentenbefragung in Auftrag gegeben. Die nicht repräsentative Online-Befragung unter der Leitung von Dr. Bernd Werse, schafft eine erste Grundlage für eine gezielte Ausrichtung der Präventionsangebote in diesem Bereich. Die Umfrage ergab, dass 89% der Konsumenten männlich und im Schnitt 24 Jahre alt sind. Nahezu alle Befragten hatten Erfahrungen mit Cannabis, 80% auch mit anderen illegalen Drogen. Das deutet darauf hin, dass durch die neuen Substanzen in der Regel keine neue Konsumentengruppe für psychoaktive Substanzen angesprochen wird. Auffällig ist auch, dass die Konsumenten über eine deutlich überdurchschnittliche Schulbildung verfügen.