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Der Alkohol und seine Gefahren

Rund um das Thema Alkoholprävention dreht sich in den kommenden Wochen alles für die  Schüler der siebten und achten Klassen. Sie sehen nicht nur ein Theaterstück, sondern  beschäftigen sich auch im Unterricht mit den Gefahren der Gesellschaftsdroge.

Von Julia Bauer
Bergkamen. Auch wenn der Alkoholkonsum bundesweit zurückgegangen ist, artet er in Einzelfällen immer wieder aus. Auf die vielen Gefahren soll jetzt in einer Präventionsreihe aufmerksam gemacht werden. Denn etwa 8,2 Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren trinken Alkoholmengen, die auch für gesunde Erwachsene riskant oder gefährlich sind. Außerdem sind etwa elf Prozent aller Straftäter unter Alkoholeinfluss minderjährig. Und rund 100 000 Kinder und Jugendliche bis 25 Jahre, die in Deutschland leben, alkoholabhängig oder stark alkoholgefährdet. Diese und viele andere Zahlen hat das „Netzwerk Prävention im Kreis Unna“ zusammengetragen. Grund genug für das Netzwerk, um im Vorfeld der bundesweiten Suchtwoche eine Veranstaltungsreihe für Schüler der siebten und achten Klassen auszurichten. Dabei gibt es in Bergkamen eine Premiere. Denn alle weiterführenden Schulen der Stadt werden an dieser Aktion teilnehmen. Das bedeutet, dass damit rund 800 Schüler mit dem Thema konfrontiert werden.

Eltern und Lehrer machen mit
Allerdings werden die Schüler nicht nur das Theaterstück „Alkohölle“ auf der Bühne erleben, das die Schauspieler der Theatergruppe „Theaterspiel Beate Albrecht“ in Juni im studio theater aufführen. Es werden auch die Eltern und Lehrer mit ins Boot geholt. So steht bereits am Mittwoch, 20. Mai, ein Elternabend im Treffpunkt an der Lessingstraße auf dem Programm, bei dem die Eltern allerhand zu dem Thema Alkoholmissbrauch und Prävention erfahren. „Es ist wichtig, auch mit den Eltern ins Gespräch zukommen“, sagt Volker Timmermann von der Kreispolizeibehörde. Immerhin sei es immer häufiger der Fall,
dass Jugendliche ihre Eltern gegeneinander ausspielen. So würde zum Beispiel mitgeteilt, dass bei den Freunden Alkohol getrunken werden darf. „Meist ist das aber gar nicht der Fall“, sagt Timmermann und fügt hinzu: „Deshalb müssen die Elternin ihrer Rolle gestärkt  werden.“ Zusätzlich gibt es am Donnerstag, 21. Mai, eine Fortbildung für Lehrer. Sie haben dann die Möglichkeit, sich mit den Suchtberatern zu beraten und zu überlegen, wie sie das Thema im Unterricht angehen können. Für die Schüler selbst gibt es anschließend einen vorbereitenden Unterricht zu dem Theaterstück „Alkohölle“, das dann am 8. und 9. Juni in vier Vorstellungen im studio theater aufgeführt wird. Zusätzlich ist im Anschluss an die Aufführungen jeweils eine Diskussionsrunde geplant. Daran wird sich auch ein Laiendarsteller beteiligen, der im wahren Leben aber trockener Alkoholiker ist. „Er wird sich den vielen Fragen der Schüler stellen“, sagt Matthias Hundt von der Gemeinnützigen Gesellschaft für Suchthilfe im Kreis Unna. „Wir sind der Meinung, dass sich ein Theaterstück zur Alkoholprävention besser eignet als nur eine reine Informationsveranstaltung“, sagt Hundt. Das Theater wähle schließlich einen anderen Weg und behandele das Thema auf der emotionalen Ebene. „Damit können sich die Jugendlichen besser identifizieren“, sagt Hundt.

Spaß in der Disco ohne Alkohol
Doch mit dem Theaterstück endet die Präventionsreihe noch nicht. Denn am 12. Juni wird in der Teestube der Friedenskirche an der Schulstraße eine Disco für Jugendliche zwischen 12 und 15 Jahren ausgerichtet. Sie steht unter dem Motto „Null Promille – 100 Prozent Spaß“ und soll den Schülern zeigen, dass man auch ohne Alkohol Spaß haben kann. Zudem gibt es am 15. Juni auch noch den Sportaktionstag, der unter dem Motto „Alkoholfrei Sport genießen“.

Quelle: Hellweger Anzeiger 12.05.2015

Leben in der „Alkohölle“

(Beitragsbild: Volker Timmerhoff vom Kommissariat Kriminalprävention, Streetworker Arne Vogt, Matthias Hund (Gesellschaft für Suchthilfe KreisUnna), Streetworkerin Imke Vogt und David Hofmann von der Drogenberatung Kreis Unna (v.l.))

Ein Theaterstück für Siebt- und Achtklässler zeigt die Gefahren des Alkohols

BERGKAMEN  Alkohölle – der Titel des Theaterstücks macht den Jugendlichen sofort  klar, worum es geht: Alkohol ist kein Mittel, um Probleme zu lösen und das Leben schöner  zu machen.
Wer Alkohol exzessiv und vor allem zu häufig trinkt, verwandelt sein Leben in eine Hölle. Am 8. und 9. Juni ist das Theaterstück für Siebt- und Achtklässler in Bergkamen zu sehen.

Alkohölle2 WA 13.05.2015
INFOKASTEN

Je zweimal pro Tag (siehe Infokasten) erleben sie, wie die 19-Jährige Lena Gefahr läuft, dem „Verführer“ Alkohol zu verfallen. „Das Tolle ist, dass die Schüler sich mit Lena identifizieren können. Sie ist jung und lustig – aber hat auch eine traurige Seite“, sagt Matthias Hundt. Der Mitarbeiter der Gemeinnützigen Gesellschaft für Suchthilfe im Kreis Unna stellte die Aktionstage gestern mit Volker Timmerhoff (Kommissariat Kriminalprävention der Kreispolizeibehörde), sowie den Bergkamener Streetworkern Imke Vogt und Arne Vogt vor. Die Aufführungen im studio theater sind nur ein Baustein, die das Netzwerk Prävention des Kreises im Rahmen der bundesweiten Suchtwoche zum Thema Alkohol in Bergkamen plant.

Das Theaterstück „Alkohölle“ zeigt auf eindrückliche Weise, wozu der exzesive Alkoholkonsum führen kann.

„Nur ein Theaterstück zu zeigen, ist zu wenig. Die Jugendlichen schauen sich das an und gehen durchaus betroffennach Hause – aber präventiv hat das nicht genug Kraft.“ Darum wollen die Netzwerkpartner auch Eltern und Lehrer mit ins Boot holen. Für die Lehrer gibt es eine Fortbildung. Bei dem Elternabend soll es zum Beispiel um den Kontakt zwischen Eltern und Kindern gehen. „Aber es ist schwierig, die Eltern zu erreichen“, sagt Timmerhoff. „Ich habe 1996 angefangen, Elternabende zu machen – damals waren rund 90 Prozent der Eltern da“, erzählt er. Diese Zeiten sind vorbei. Er erinnert sich daran, dass mal zwei kreisweite Elternabende angeboten wurden – ein Termin war in Kamen, der andere in Unna. „Bei beiden waren jeweils vielleicht 60 Eltern da.“ Die Schulen für das Projekt zu begeistern war einfacher: „Es haben sich alle weiterführenden Bergkamener Schulen angemeldet. Wir erreichen so etwa 800 Schüler“, sagt Hundt. Ein Novum: Das Stück „Alkohölle“ wird seit Jahren im Kreis gezeigt – bisher waren aber nie alle weiterführenden Schulen einer Stadt mit dabei.

Dass die Netzwerker die Warnung vor dem „Verführer Alkohol“ über die Bühne an die Jugendlichen herangetragen, hat einen einfachen Grund: „Reine Infoveranstaltungen bleiben nicht so gut hängen“, sagt Hundt. Darum sei die emotionale Ebene wichtig. „Wenn man über Gefühle im Zusammenhang mit Alkohol spricht – dann redet man über das Wesentliche.“ Über Gefühle sprechen und Fragen stellen können die Schüler auch nach der  Aufführung: Die Schauspieler vom „Theaterspiel – Beate Albrecht“ und die Netzwerkpartner stehen bei einer Podiumsdiskussion Rede und Antwort. Besonders eindrücklich dabei seien immer, so Hundt, die Erzählungen des einzigen Laienschauspielers in der Truppe. Er spielt Lenas Vater und ist selbst trockener Alkoholiker.
Dass sie die Jugendlichen so nicht völlig vom Alkoholkonsum abhalten können, ist ihnen klar. Aber je später sie damit in Berührung kommen und je verantwortungsbewusster sie damit umgehen – desto besser.

Quelle: Westfälischer Anzeiger 12.05.2015/    Fotos: Erhardt/ pr

Gesellschaftlich akzeptierte Gefahr

Je früher Kinder mit dem Alkoholkonsum anfangen, desto größer ist die Suchtgefahr. Seit Jahren leisten Kinder- und Jugendbüro, Suchthilfe und Polizei an den Schulen Aufklärungsarbeit, versuchen einen verantwortungsvollen Umgang mit der Alltagsdroge zu vermitteln. Doch das Interesse sinkt.

UNNA Es hätten vier Aufführungen werden sollen, doch mangels Anmeldungen wird das präventive Theaterstück „Alkohölle“ in der Lindenbrauerei nur dreimal gezeigt. Im Interview mit unserer
Zeitung sprechen Volker Timmerhoff vom Kommissariat Kriminalprävention und Opferschutz, Beate Frommeyer vom städtischen Kinder- und Jugendbüro sowie Matthias Hundt von der Suchthilfe im Kreis Unna über die Gründe, über Eltern als Vorbilder und Wodka in Eisteekartons.

Die Alkohol-Prävention in den Schulen richtet sich gezielt an die Schüler der siebten und achten Jahrgangsstufe, also an Jugendliche zwischen zwölf und 14 Jahren. Wie viele von denen haben schon Erfahrungen mit Alkohol?
Matthias Hundt: Das ist schwer zu sagen. Es ist das Alter der Pubertät, sicherlich auch des ersten Glases Sekt bei der Konfirmation. Grundsätzlich werden Kinder und Jugendliche in unserer  Gesellschaft früh mit Alkohol konfrontiert – anders, als das zum Beispiel in einem islamisch geprägten Land der Fall wäre.

Wieso wählen Suchthilfe, Kinder- und Jugendbüro sowie die Polizei gerade ein Theaterstück, um die Zielgruppe zu erreichen?
Hundt: Die Zielgruppe in unserem Projekt sind nicht nur die Jugendlichen, sondern auch die Eltern und Lehrer. Vor einigen Jahren haben wir uns gemeinsam die Frage gestellt, wie wir alle zusammen erreichen können. So sind wir auf die Schulen gekommen. Für das Theaterstück haben wir uns entschieden, weil es die Schüler emotional berührt.

Worum geht es in dem Theaterstück „Alkohölle“ genau?
Hundt: Der Vater der Hauptdarstellerin Lena war alkoholkrank und ist daran gestorben. Nun ist sie selbst aufgrund dieser Lebenserfahrung kurz davor, auch dem Alkohol zu verfallen. Der ich verpflichten, die Eltern zu einem Elternabend einzuladen, und mindestens einen Lehrer für eine Weiterbildung zu benennen. Erstmals sind in diesem Jahr nicht alle Aufführungen des Stücks  ausgebucht, eine musste sogar abgesagt werden.

Worauf führen Sie das sinkende Interesse zurück?
Hundt: Wir kennen den Grund nicht, sondern können nur unsere Enttäuschung darüber zum Ausdruck bringen. Wir machen das jetzt zum fünften Mal, und in den letzten Jahren war das Stück
immer schnell ausgebucht. Diesmal lief es total schleppend. Von neun weiterführenden Schulen in Unna, die Förderschulen mitgezählt, beteiligen sich leider nur drei. Das ist sehr schade.
Frommeyer: Im Grunde bekommen die Schulen von uns ein vorbereitetes Gesamtpaket, müssen nur zugreifen. Es wird bezuschusst durch die Stadt und durch Spenden, sodass von den Kosten von 2500 Euro für drei Aufführungen nur ein Minimalbeitrag von drei Euro pro Schüler bleibt.

Die geringe Resonanz liegt also nicht an den Schülern, sondern an den Lehrern, die die Anmeldung versäumen?
Frommeyer: Vielleicht ist deren Stundenplan mittlerweile auch so voll, dass sie keine Zeit dafür haben, eine Klasse anzumelden.
Timmerhoff: Eine Schule hat uns zurückgemeldet, dass ihr die Alkoholprävention dieses Jahr nicht ins Konzept passt. Verärgert bin ich darüber, dass zwei Schulen sich trotz mehrfacher Nachfrage  überhaupt nicht zurückgemeldet haben. Vielleicht liegt es wirklich an der Belastung, die ja auch für die Lehrer stark gestiegen ist.

Schule kann bekanntlich nicht all das abfangen, was zuhause womöglich versäumt wird. Welche Rolle kommt den Eltern bei der Prävention zu?
Hundt: Eltern sind Vorbilder, im Guten wie im Schlechten. In der Suchtberatung erleben wir Familien, bei denen die Suchterkrankung von Generation zu Generation weitergegeben wurde.
Frommeyer: Gerade im schwierigen Alter der Pubertät entfernen sich viele Kinder von ihren Eltern. Wenn sie ihr Kind in der Zeit aus den Augen verlieren, ist es ganz schnell in den Brunnen gefallen, im wahrsten Sinne des Wortes. Im Jahr 2009 haben wir vom Kinder- und Jugendbüro an den weiterführenden Schulen eine Umfrage zum Thema Freizeitverhalten und Alkoholkonsum durchgeführt. Auf die Frage „Wissen Deine Eltern, dass Du Alkohol trinkst“, haben damals viele Schüler mit zwölf Jahren schon „Ja“ angekreuzt. Manche Eltern erlauben das viel zu schnell, damit sie nicht darüber diskutieren müssen.
Timmerhoff: Und in der Alkoholprävention haben wir heute noch ein anderes Problem.Früher konnte man sagen: Der erste Schluck Alkohol hat nicht geschmeckt. Es gab Bier, es gab Wein, es hat
bitter geschmeckt. Heute dagegen gibt es die Mischgetränke. Die sind so süß, da merken die Jugendlichen gar nicht, dass sie schon drei Schnäpse getrunken haben, die zum Beispiel in den Alcopops stecken. Die Alcopops haben Jugendschützern vor Jahren große Sorge bereitet. Der Gesetzgeber hat dann mit einer höheren Besteuerung und einer Anhebung des Mindestalters von 16 auf 18 Jahre reagiert.

Hat sich das Problemdamit nicht erledigt?
Timmerhoff: Nein, es gibt ja weiterhin viele süße Getränke mit Alkoholgehalt. Darauf stehen die jungen Leute. Eine Studie der Uni Köln veranschaulicht dies. Auf die Frage, warum sie Alkohol trinken, haben die meisten geantwortet: Weil‘s gut schmeckt. Das war früher nicht so und ist für uns in der Prävention eine neue Herausforderung.Hundt: Die Mischung von Alkohol mit Süßgetränken hat noch einen anderen Aspekt: Wenn ein junger Mensch zum ersten Mal Alkohol trinkt, dann macht der Organismus dicht. Der Körper reagiert automatisch mit Abwehr, der Kehlkopf macht zu, es kommt zu einem Würgereiz. Diesen Schutzmechanismus kann ich außer Kraft setzen, wenn ich den Schnaps mit etwas Süßem mische…
Frommeyer: … zum Beispiel Wodka mit Eistee. Achten Sie mal am Wochenende darauf, wenn Jugendliche in Gruppen durch Unna ziehen. Das sieht immer ganz unverfänglich aus, die haben alle schön ihre Kartons dabei. Das ist eine ganz beliebte Mischung, weil man den Wodka auch nicht riecht.

Muss man angesichts dieser Tatsachen „nüchtern“ konstatieren, dass die Wirkung der Präventionsarbeit nur eine sehr begrenzte ist?
Timmerhoff: Nein, ich würde sogar sagen, dass die Präventionsarbeit in den letzten Jahren viele Früchte getragen hat. Der Alkoholkonsum geht insgesamt zurück. Das Problem, das wir haben, ist, dass diejenigen, die Alkohol trinken, es umso exzessiver tun.
Frommeyer: Aber die Zahl der Jugendlichen zwischen 13 und 20 Jahren, die mit einer Alkoholvergiftung in eines unserer beiden Krankenhäuser eingeliefert wurden, hat sich seit 2008 fast halbiert.
Das führe ich unter anderem auf unsere gute Vernetzung und Aufklärung zurück. Während die Zahl der 13- bis 14-Jährigen mittlerweile bei Null liegt, sind es vor allem die 17-, 18-Jährigen, die über die Stränge schlagen.

Wie ist das bei den „Komasäufern“,die im Krankenhaus  wach werden? Hat das eine abschreckende Wirkung?
Frommeyer: Allerdings. Die Rückmeldungen, die wir bekommen, zeigen: Wer einmal mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus war, der kommt meist nicht wieder. Wenn die sehen, dass sie  intubiert werden, eventuell an ein Bett angeschnallt, ausgezogen werden und eine Windel umgelegt bekommen, ist das in dem Alter schon ein einschneidendes Erlebnis.

Neben Alkohol gelten  Zigaretten als zweite große legale Alltags- und Einstiegsdroge. Während Rauchen bei den Schülern vielleicht auch durch die starke Verteuerung zunehmend „uncool“ geworden ist, zieht das  „Vertragen“ von Alkohol in rauen Mengen nach wie vor große Anerkennung auf sich. Muss Alkohol vielleicht auch teurer werden?
Hundt: Die Preissteigerungen sind sicher auch eine Form der Prävention, sie haben beim Nikotin schon eine große Rolle gespielt. Und bei den Alcopops hatte die Preiserhöhung auch einen Rückgang
zur Folge.
Frommeyer: Vielleicht sollte bei Alkohol auch generell das Alter heraufgesetzt werden, also auch Bier, Sekt und Wein erst ab 18 Jahren und nicht schon ab 16 verkauft werden. Das Rauchen ist ja seit 2009 auch erst ab 18 erlaubt. Auch das hat sicher etwas gebracht.
Timmerhoff: Ich wäre auch dafür, aber es ist wohl illusorisch. Die Industrie würde sich mit Händen und Füßen wehren, die Wirte auch.

Wie steht es mit Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit, der ja in manchen Ländern auch verboten ist?
Hundt: Da hat das beliebte Public Viewing seit der Fußball-WM 2006 nach meinem Empfinden einiges bewirkt, aber nicht zum Guten. Schauen Sie sich mal an Spieltagen in Dortmund um: Die  Jugendlichen, die zum Stadion ziehen, haben alle eine Flasche Bier in der Hand. Das war früher nicht so.
Frommeyer: Bei einem Verbot würde sich aber sofort die Frage stellen, wer das kontrollieren soll. Das würde vielGeld kosten.
Timmerhoff: Und es würden viele dagegen verstoßen. Es geht uns ja nicht darum, Alkohol generell zu verbieten. Unser Ziel ist vielmehr, den richtigen Umgang mit Alkohol zu vermitteln.

Also nicht mit dem erhobenen Zeigefinger wedeln, sondern vor allem Verantwortungsbewusstsein lehren?
Frommeyer: Nur mit dem erhobenen Zeigefinger kann man niemanden erreichen.
Hundt: Bei einer Party mit 16 ein Bier zu trinken, soll ja bestenfalls Spaß machen. Da ist nichts dabei, solange es in Maßen geschieht und in nicht Schlägereien oder ungewollten Schwangerschaften endet. Bei Körperverletzungen ist fast immer Alkohol im Spiel, bei sexuellem Missbrauch häufig auch.
Frommeyer: Alkohol ist eine gesellschaftlich akzeptierte Droge, mit der wir seit Jahrzehnten leben. Deshalb geht es uns darum, den Jugendlichen zu sagen: Es ist ok, wenn ihr trinkt, aber es kommt darauf an, wie ihr damit umgeht.

Freie Plätze beim Theaterstück

Nur 460 von 1700 Schülern der siebten und achten Jahrgänge an den weiterführenden Schulen sind bislang für das Präventionstheater „Alkohölle“ angemeldet. Lehrer, die ihre Klasse noch anmelden
wollen, wenden sich an Volker Timmerhoff, Kommissariat Kriminalprävention, Am Bahnhof 12, 59174 Kamen, Tel. 0 23 07/9 21 44 16, E-Mail volker.timmerhoff@ polizei.nrw.de. Die Theatergruppe „Theaterspiel Beate Albrecht“ aus Witten wird das Stück am 27. und 28. Mai in der Lindenbrauerei aufführen. Es thematisiert die Gefahren des Alkoholkonsums und soll zum Nachdenken anregen.

Von Kevin Kohues

erschienen am 20.04.2013 im Hellweger Anzeiger