Erneuter Anthrax-Fall bei Drogengebraucher in Großbritannien

Das Robert Koch-Institut wurde über das europäische Frühwarnsystem über einen erneuten Fall von Milzbrand (Anthrax) bei einer Person mit Heroinkonsum in Oxford, Großbritannien, informiert. Der aktuelle Fall ist damit der 12. bestätigte Milzbrand-Fall, der seit Juli 2012 von europäischen Mitgliedsstaaten bei injizierenden Drogengebrauchern gemeldet wurde (Deutschland 4 Fälle (darunter 1 Todesfall), Dänemark 2 Fälle (darunter 1
Todesfall), Frankreich 1 Fall, und Großbritannien 5 Fälle (darunter 1 Todesfall). Die Tatsache, dass die Milzbrand-Erregerstämme, die bei insgesamt 7 (3 aus Deutschland, 2 aus Großbritannien und 2 aus Dänemark) der seit Juli 2012 aufgetretenen Milzbrandfällen isoliert wurden, identisch bzw. zumindest sehr eng verwandt sind mit den Stämmen der deutschen und britischen Fälle aus den Jahren 2009/2010, legt nahe, dass dieselbe Infektionsquelle noch aktiv sein könnte.

Bei der aktuell erkrankten Person handelt es sich um eine 24jährige Frau aus Oxford, die am 24.10. 2012 Heroin injizierte und am 25.10. Symptome entwickelte. Sie wird behandelt und ist in einem stabilen Zustand.

Anthrax ist eine seltene bakterielle Infektion, die über verschiedene Eintrittspforten eine schwere septische Erkrankung bis hin zum Tod verursachen kann. Die Infektion beim sogenannten Injektionsmilzbrand erfolgt durch die Injektion einer mit Milzbrandsporen verunreinigten Substanz. Theoretisch ist auch eine Übertragung durch kontaminierte Injektionsutensilien vorstellbar. Typisch ist dabei die Entwicklung einer schweren entzündlichen Weichteilinfektion mit Kompartmentsyndrom und einer nekrotisierenden Fasziitis in der Region der Injektionsstelle. Die Infektion ist aber auch durch Inhalation oder Rauchen von kontaminierten Stoffen Substanzen möglich.
Für die Behandlung der Infektion mit dem Milzbranderreger stehen prinzipiell wirksame Antibiotika zur Verfügung. Die Infektion ist praktisch nicht von Mensch zu Mensch übertragbar, für die Allgemeinbevölkerung besteht kein Risiko.

Weitere Informationen zum aktuellen Ausbruchsgeschehen und zu erforderlichen Maßnahmen im Verdachtsfall finden Sie auf den Seiten des RKI unter
http://www.rki.de

Bei begründetem Verdacht bietet das RKI Unterstützung bei der Untersuchung von klinischem Material oder potenziellen Infektionsquellen zum Ausschluss von B. anthracis an. Zusätzlich kann auch eine Beratung zur Gewinnung und dem Versand der Proben erfolgen. Ansprechpartner hierfür ist Herr PD Dr. Grunow vom Zentrum für Biologische Sicherheit (ZBS) 2 am RKI (Tel. 030 18754 2100).
Ansprechpartnerin am RKI ist Frau Dr. Bernard (Tel. 030 18754 3173).

Quelle: 

Dr. med. Ruth Zimmermann
Abteilung für Infektionsepidemiologie
Fachgebiet 34 HIV/AIDS und andere sexuell oder durch Blut übertragene
Infektionen Robert Koch-Institut DGZ-Ring 1
13086 Berlin

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