„Eltern sind als Vorbilder wichtig“

Experte der Suchthilfe über Gefahren

Matthias Hundt

Lünen. 650 Lüner Schüler werden am 18. und 19. Mai im Hansesaal erwartet. Sie sehen das Theaterstück „Alkohölle“. Das Wittener Ensemble „theaterspiel“ zeigt darin, was Alkohol mit jungen Menschen machen kann. Wir sprachen im Vorfeld mit Organisator Matthias Hundt, bei der Suchthilfe im Kreis Unna für die Suchtvorbeugung zuständig.

Was erhoffen Sie sich von dem Stück?

Es will die Schüler über Emotionen erreichen. Anschließend erwarte ich eine kritische Reflektion. Lehrer sollen mit ihren Schülern, Eltern mit ihren Kindern sprechen.

Zielgruppe sind Acht- und Neuntklässler, also 13- bis 14-Jährige. Warum?

Weil es mit 13, 14 spannend wird. Für viele Jugendliche ist es dann cool, Alkohol zu trinken. Das hat mit Grenzüberschreitung zu tun, das hat damit zu tun, dass sie wie Erwachsene sein wollen.

Wo liegen die Gefahren?

Einmal im körperlichen Bereich. Dem jungen Organismus fehlt ein Enzym, um Alkohol abbauen zu können. Dieses Enzym ist erst mit 21 Jahren voll entwickelt. Außerdem muss man wissen, dass eine Alkoholvergiftung lebensbedrohlich sein kann.

Was passiert im Kopf eines Jugendlichen, der Alkohol trinkt?

Es kommt zu Enthemmungen, die moralische Instanz wird herabgesetzt. Mädchen sind möglicherweise nicht mehr in der Lage, sich vor sexuellen Übergriffen zu schützen. Mit der Zeit kann ein verhängnisvoller Effekt entstehen: ich trinke Alkohol, um subjektiv einen besseren Gefühlszustand zu erreichen.

Beginnt damit der Weg in die Abhängigkeit?

Wenn ein Mensch abhängig wird, liegt es am Menschen, nicht an der Droge. Häufig spielen Stress und Druck eine Rolle. Jugendliche mit starkem Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen können negative Situationen auf natürliche Weise verarbeiten. Bei anderen lernt das Gehirn: Ich kann entspannen, wenn ich trinke, ich kann ein paar schöne Stunden ohne Stress haben.

Was folgt daraus für die Eltern?

Sie sind gefordert. Denn die Basis für Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen wird in Kindheit und Jugend durch Erziehung und Vorbild gelegt.

Was bedeutet Vorbild konkret beim Thema Alkohol?

Wenn in einer Familie regelmäßig und viel getrunken wird, erkennt das Kind keinen Grund, warum es das nicht machen sollte. Eltern müssen sich dieser Vorbildrolle bewusst sein.

Sollten Eltern ihren Kindern den Alkoholkonsum verbieten?

Nein, dadurch kann Alkohol erst recht interessant werden. Ich bin gegen den erhobenen Zeigefinger. Aber Eltern sollten mit ihren Kindern über die Gefahren reden und ihnen klar machen,  warum sie mit ihnen darüber reden – weil sie nämlich ihre Kinder lieb haben, weil sie sich Sorgen um sie machen. Auf dieser Ebene sind Kinder und Jugendliche erreichbar.

Was sind Alarmsignale für gefährlichen Alkoholkonsum?

Regelmäßiger Alkoholkonsum, Rückzug, ein Freundeskreis, in dem Drogen üblich sind, können solche Signale sein. Am allermeisten sollten sich Eltern aber nach ihrem Bauchgefühl richten. Meine tiefste Überzeugung ist: Wenn ich zu meinem Kind einen Draht habe, dann fühle ich, wenn etwas mit ihnen nicht stimmt.


BVB-Stiftung trägt Kosten

  • Zum Theaterstück „Alkohölle“ sind alle Achtklässler der weiterführenden Schulen eingeladen worden.
  • Am 18. Mai gibt es zwei Vorstellungen im Hansesaal, am 19. Mai eine
  • Begleitend gibt es Veranstaltungen für Lehrer und Eltern
  • Die Stiftung „leuchte auf“ von Borussia Dortmund hat die Kosten von circa 2500 Euro komplett übernommen, wofür sich Matthias Hundt (Suchthilfe) ausdrücklich bedankt.
  • Die Suchthilfe im Kreis Unna, eine gemeinnützige Gesellschaft, hat ihr Lüner Büro im Lippezentrum, Münsterstr. 1 L. (www.suchthilfe-unna.de)

Peter.Fiedler@mdhl.de

Quelle: Ruhr Nachrichten 16.05.2017

Foto: RN-Foto Fiedler

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