„Ein Katz und Maus Spiel hat begonnen“

Im Kreis sind die „Legal Highs“ bislang noch ein Randproblem

Von Leonie Prym
Unna. In ihren bunten Verpackungen sehen Legal Highs wie Spaßprodukte aus. Warum die Drogen aber so gefährlich sind, erklärt Gerhard Klöpper, Leiter der  Geschäftsstelle der Gemeinnützigen Gesellschaft für Suchthilfe Kreis Unna mbH, im Interview.

Der Bundesgerichtshof hat mit einem Urteil die Gefährlichkeit von sogenannten Legal Highs unterstrichen. Was genau sind Legal Highs und wie schätzen Sie die Gefahren der Drogen ein?
Designerdrogen sind nichts Neues. Der Versuch, Drogen bei der Herstellung so zu verändern, dass sie den bestehenden rechtlichen Beschränkungen nicht mehr unterliegen, war und ist ein oft praktizierter Weg. Konsumentinnen und Konsumenten der neuen Substanzen machen sich zum Versuchskaninchen für Substanzen, über deren Gefahren noch viel zu wenig bekannt ist. Die Drogen werden unteranderem als Kräutermischungen, Badesalze, Lufterfrischer oder Pflanzendünger verkauft, ohne die wirklichen Inhaltsstoffe genau anzugeben. Also es werden gefährliche Mogelpackungen, die über sogenannte Head- und Onlineshops vertrieben und werden legal den Markt zugeführt.

Wo liegen die Unterschiede zu anderen Drogen beispielsweise zu Cannabis?
Als „Research Chemicals“ werden Substanzenbeschrieben, die eine psychoaktive Wirkung besitzen, bisher aber weder medizinisch genutzt werden, noch pharmakologisch untersucht wurden. Im Klartext: Research Chemicals sind „designte“ Substanzen, die eine berauschende Wirkung besitzen, über deren Auswirkungen und Gefahren aber bisher nur sehr wenig bekannt ist. Ein Großteil der unter dem Namen „Research Chemicals“ zusammengefassten Substanzen unterliegt in Deutschland noch nicht dem Betäubungsmittelgesetz, obwohl sie in Ihrer Wirkung Substanzen wie Cannabis, Amphetamin oder Ecstasy sehr ähnlich sind.

Der Name „Legal“ suggeriert dem Konsumenten, die Mittel seien legal. Sind sie das wirklich? Und wieso wird das Gefahrenpotenzial dieser Drogen unterschätzt?
Im Internet werden diese Substanzen oft unter Begriffen wie „Kräutermischungen“, „Räuchermischungen“, „Badesalz“ oder als „Dünger“ angeboten. Welcher Wirkstoff in welcher Menge dann wirklich in welchem Produkt enthalten ist, entzieht sich den Konsumenten zumeist. Unklar ist auch, ob ein über das Internet angebotenes Produkt immer dieselbe Substanz in gleichbleibender Menge enthält. Die Möglichkeit der Hersteller mit der Entwicklung neuer Substanzen auf Verbote zu reagieren, scheint grenzenlos! Ein Katz und Maus Spiel zwischen Herstellern und Verbotspolitik hat begonnen.

Welche Erfahrungen haben Sie in der Beratungsstelle bisher mit diesem Thema gemacht?
Insgesamt nimmt der Konsum „harter Drogen“ wie Opiate (Heroin) in Deutschland seit Jahren ab. Der Trend steigt für sogenannte Party Drogen und somit auch für die Legal Highs. In der Drogen- und Suchtberatung sind sie noch ein „Randproblem“.

Quelle: Hellweger Anzeiger, Ausgabe vom 18.01.2015

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