Drogen statt Koma-Saufen

Zahl der Klienten hat sich in der Beratungsstelle Schwerte in zehn Jahren verdoppelt

Schwerte. In den vergangen zehn Jahren haben sich die Klientenzahlen der Drogenberatung Schwerte mehr als verdoppelt. Über 150 Fälle verzeichnet die Statistik für das vergangene Jahr. Neben jungen Erwachsenen sind vor allem Senioren zunehmend betroffen.

Hinter jeder der Zahlen liegt eine Geschichte. Meist sind es Probleme mit Opiaten, die überwiegend Männer in die Drogenberatungsstelle treiben. Aber auch der Cannabiskonsum ist ein ernstes Thema in der Ruhrstadt. Kokain, Stimulanzien und Halluzinogene spielten in der Beratung vor Ort kaum eine Rolle. Dabei gibt es nach Angaben von Drogenberater André Palm zwei Hauptaltersgruppen, die in sein Büro an der Kötterbachstraße kommen. Entweder sind die Menschen zwischen 18 und 25 Jahren oder zwischen 31 und 40 Jahren alt. Gut ein Drittel der Klienten meldeten sich selber bei der Drogenberatung an.

Kooperationspartner

Ein weiteres Drittel wurde vom Arzt oder Psychotherapeuten zur Beratung geschickt. Auch Familien, Jugendamt und Arbeitgeber waren Anlass für Menschen, die Beratungsstelle aufzusuchen. Demzufolge ist auch die Familie ein wichtiger Kooperationspartner für Palm.

Denn obwohl die Zahl der jugendlichen Koma-Säufer zurückgegangen ist – in den Krankenhäusern wurden 2010 fast doppelt so viele junge Menschen wegen Drogenmissbrauchs behandelt wie vor fünf Jahren. „Der Mischkonsum nimmt zu“, sagt Gerd Klöpper von der Suchtberatung in Unna. In drei Viertel aller Fälle führe der Weg vom Alkohol zu so genannten weichen Drogen wie Cannabis. Deren Konsum sei für viele Jugendliche zur einer „Alltagserfahrung“ geworden. „Diese Drogen sind leicht verfügbar und werden zunehmend akzeptiert“, so Klöpper.

Senioren greifen zu

Und auch bei Menschen über 45 verzeichnet die Drogenberatung einen deutlichen Anstieg der Fallzahlen. Das sei zum einen dadurch bedingt, dass Ex-Drogenabhängige im Methadonprogramm eine höhere Lebenserwartung hätten. „Es gibt aber auch Senioren, die im Alter plötzlich zu Alkohol und Medikamenten greifen“, sagt Gerd Klöpper. Das liege wohl auch daran, dass immer mehr Menschen von Altersarmut und bedrückenden Lebensumständen betroffen seien.

Quelle: Heiko Mühlbauer, Anne Petersohn, Ruhrnachrichten, 15.02.12

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