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Alternativer Drogen- und Suchtbericht 2014

Pressemitteilung 02.07.2014

Nicht-Regierungsorganisationen und Wissenschaftler haben heute in Berlin den ersten Alternativen Drogen- und Suchtbericht vorgestellt – eine knappe Woche vor Erscheinen des Drogen- und Suchtberichtes der Bundesregierung am kommenden Montaghttp://www.alternative-drogenpolitik.de/wp-content/bericht.png.

Der Alternative Drogen- und Suchtbericht umfasst ein breites Themenspektrum von Alkohol- und Tabakprävention für Jugendliche und den Medikamentengebrauch Erwachsener über Ansätze zum Umgang mit dem Konsum von Cannabis und Crystal Meth bis hin zu niedrigschwelligen Hilfsangeboten für Heroinkonsumenten.

Wissen in erfolgreiche Drogenpolitik übersetzen

Zahlreiche renommierte Experten beschreiben darin Strategien und Maßnahmen, die bisher noch nicht ausreichend Eingang in die Maßnahmen von Bund, Ländern und Kommunen gefunden haben. Der Alternative Drogen- und Suchtbericht soll dazu beitragen, das vorhandene Wissen über Prävention und Drogenhilfe in eine dauerhaft erfolgreiche Drogenpolitik zu übersetzen.

Dazu sagt Professor Heino Stöver, Vorstandsvorsitzender von akzept e.V.: „In der deutschen Drogenpolitik fehlt eine wissenschaftlich untermauerte Gesamtstrategie mit klaren Zielen. Es gibt eine Lücke zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und den staatlichen Maßnahmen. Wir wissen genau, welche Angebote wirken, doch vieles wird politisch nicht umgesetzt. Diese Lücke soll der Bericht schließen. Bund und Länder stehen in der Pflicht, ihre Drogenpolitik am aktuellen Forschungsstand auszurichten.“

Dr. Bernd Werse vom Centre vor Drug Research der Goethe-Universität Frankfurt erläutert:„Es wird Zeit, den Reformstau in der deutschen Drogenpolitik aufzulösen. Der jahrzehntelange Kampf gegen Drogen zeigt: Das Strafrecht ist nicht geeignet, um Gesundheitspolitik zu betreiben. Repression und Strafverfolgung schaffen nur die Illusion, die Probleme im Griff zu haben und richten in Wirklichkeit viel Schaden an. Zugleich verzichtet die Politik auf simple Mittel im Umgang mit legalen Drogen, etwa ein Verbot von Werbung für Alkohol und Tabak.“

Silke Klumb, Geschäftsführerin der Deutschen AIDS-Hilfe, betont: „Die Zahl der Drogentoten in Deutschland ließe sich mit einfachen Maßnahmen erheblich senken. Ein Beispiel: Drogenkonsumräume retten Leben, verhindern HIV-Infektionen und weitere Gesundheitsschäden. Trotzdem gibt es solche Einrichtungen in zehn Bundesländern nicht. Menschen in Haft erhalten keine sauberen Spritzen und haben oft nicht einmal Zugang zur Standardbehandlung bei Heroinabhängigkeit, der Substitution. Die Prävention in Deutschland könnte noch erfolgreicher sein: Wirksame Maßnahmen werden nach der Erprobung oft nicht dauerhaft finanziert oder aus politischen Gründen nicht eingeführt.“

Bundesregierung kann Vorreiterfunktion übernehmen

Wichtige anstehende Maßnahmen im Bereich der Gesetzgebung sind:

  • Vollständiges Verbot von Werbung für Drogen wie Alkohol und Tabak
  • Erhöhung der Steuern, Erschwernis der Zugänglichkeit zu Tabakprodukten (mehr als 400.000 Zigarettenautomaten in Deutschland sind weltweit einmalig)
  • Entkriminalisierung des Besitzes von illegalen Drogen für den Eigenbedarf
  • Regulierung des Cannabismarktes durch kontrollierte Abgabestellen und legalen Anbau zur Selbstversorgung
  • Verbesserung der Substitutionsbehandlung für Heroinabhängige durch Veränderungen der Betäubungsmittelverschreibungsverordnung (BtmVV)
  • Absenkung der Schwellen bei der Abgabe von Diamorphin (pharmazeutisch erzeugtes Heroin als Substitutionsmedikament)

„Die Bundesregierung kann im Bereich der Drogenpolitik eine wichtige Vorreiterfunktion übernehmen und unverzichtbare Fortschritte auf Landesebene befördern“, sagt Professor Heino Stöver.

Der Alternative Drogen- und Suchtbericht erscheint ab sofort jährlich. Herausgegeben wird er von Akzept e.V. – Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik, der Deutschen AIDS-Hilfe und dem Selbsthilfe-Netzwerk JES Bundesverband.

Vollständiger Bericht:  http://alternativer-drogenbericht.de/wp-content/uploads/2014/07/Alternativer-Drogen-und-Suchtbericht-2014.pdf

Quelle: www.alternativer-drogenbericht.de

Drogen- und Suchtbericht 2014

 Mortler: Drogen- und Suchtpolitik ist richtig aufgestellt und zeigt Erfolge.
Auf neue Herausforderungen frühzeitig reagieren.

Zur Veröffentlichung des Drogen- und Suchtberichts 2014 erklärt die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler: „Rückgänge beim Tabak-, Alkohol- und Cannabiskonsum unter Kindern und Jugendlichen in den letzten Jahren zeigen, dass wir in der Drogen- und Suchtpolitik richtig aufgestellt sind. Die ausgewogene Ausrichtung auf Maßnahmen zur Prävention, Beratung und Hilfe, Schadensminimierung und gesetzlicher Regulierung zur Angebotsreduzierung ist erfolgreich. Wir haben in Deutschland gute Angebote in der Prävention und Behandlung von Suchterkrankten. Das Ziel der Drogen- und Suchtpolitik ist, wirksame und bewährte Ansätze fortzuführen sowie frühzeitig auf neue Herausforderungen zu reagieren.“

Bei den 12- bis 17-Jährigen ist der Tabakkonsum seit 2001 von 27,5% auf 12% in 2012 zurückgegangen und hat sich mehr als halbiert. In dieser Zeit ist auch der regelmäßige Alkoholkonsum unter Jugendlichen von 17,9 % auf 13,6 % zurückgegangen. Der Cannabiskonsum war von 2001 mit 9,2% bis 2012 auf 4,6% ebenfalls deutlich rückläufig, ist aber im letzten Jahr auf 5,6% wieder leicht angestiegen.

Auch die Zahl der Drogentoten ist nach einem jahrelangen Rückgang in 2013 auf 1002 Verstorbene leicht angestiegen. „Dies zeigt, dass wir mit unseren Anstrengungen keinesfalls nachlassen dürfen, um erreichte Erfolge nicht zu gefährden“, betont die Drogenbeauftragte.

Eine Herausforderung bleibt der riskante Suchtmittelkonsum wie das Rauschtrinken unter jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 29 Jahren. Er liegt nach Daten des Robert Koch Instituts bei Frauen bei 36% und bei Männern bei 54%. Unter jungen Erwachsenen spielt nach einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auch das Glücksspiel, hier insbesondere das Automatenspiel unter jungen Männern mit einem Anstieg von 5,8% in 2007 auf 23,5% in 2012, eine zunehmende Rolle im Suchtverhalten. Ebenso gelten unter den 14- bis 24-Jährigen etwa 250.000 Menschen nach der PINTA-Studie I und II als Online- oder Internetabhängig, 1,4 Mio. weisen in diesem Alter ein problematisches Nutzungsverhalten auf.

Zu den riskanten Verhaltensweisen unter einzelnen Konsumentengruppen zählen auch problematische Konsummuster wie der Mischkonsum und der Konsum von Neuen Psychoaktiven Substanzen (NPS), deren Inhaltsstoffe oft unbekannt sind und deren gesundheitliche Gefahren von den Konsumenten deutlich unterschätzt werden.

Bei den synthetischen Substanzen stellt die zunehmende Verbreitung von Methamphetamin, bekannt als „Crystal Meth“ ein Problem dar. Zwar ist der Konsum von Crystal Meth noch nicht bundesweit verbreitet, doch gibt es Hinweise auf eine Ausweitung aus dem deutsch-tschechischen Grenzgebiet auf einzelne Bundesländer und in grenzfernere Regionen wie in deutsche Großstädte.

Nach Gesprächen mit Vertretern aus den betroffenen Bundesländern, Suchtexperten und dem tschechischen Drogenbeauftragten in den vergangenen Monaten unterstreicht die Drogenbeauftragte: „Erste Schritte sind gemacht: Deutschland und Tschechien intensivieren die Zusammenarbeit auf dem Gebiet und in den betroffenen Bundesländern werden die Hilfsangebote verstärkt. Wir müssen die Entwicklung sehr aufmerksam beobachten und wachsam sein. Es ist nun die Aufgabe, gemeinsame Schritte im weiteren Vorgehen festzulegen. Dazu zählen zielgerichtete Maßnahmen und neue Ansätze in der Prävention in den betroffenen Gebieten, um der Gefahr angemessen zu begegnen.“

„Um die Suchtprävention in der Fläche weiter ausbauen und zielgruppengerecht vertiefen zu können, brauchen wir eine nachhaltige Verankerung im geplanten Präventionsgesetz. Hierfür werde ich mich in der politischen Abstimmung stark machen, denn Suchtprobleme können nur als gesamtgesellschaftliche Aufgabe erfolgreich bewältigt werden,“ sagt die Drogenbeauftragte.

Weitere Informationen und den gesamten Bericht als Pdf unter: www.drogenbeauftragte.de.

Quelle: www.drogenbeauftragte.de

Zahl der Drogentoten

…erstmals seit 2009 wieder leicht angestiegen, aber weniger Erstkonsumenten harter Drogen registriert.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierungund der Präsident des Bundeskriminalamts stellen die Rauschgiftlage 2013 vorIm Jahr 2013 starben 1.002 Menschen an den Folgen ihres Drogenkonsums. Damit stieg die Zahlder Drogentoten in Deutschland erstmals seit 2009 wieder an – aktuell um rund 6 Prozentgegenüber dem Vorjahr. Die Mehrzahl der Rauschgifttoten war weiterhin männlich (83 Prozent), das Durchschnittsalter lag – wie im Vorjahr – bei rund 38 Jahren. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, erklärt dazu: „Trotz des positiven Trends mit langfristig sinkenden Drogentodeszahlen sterben jedes Jahrnach wie vor zu viele Menschen an den Folgendes Konsums illegaler Drogen. Dass wir im letzten Jahr einen leichten Anstiegzu verzeichnen hatten macht deutlich, dass wir in unseren Bemühungen um die Drogenprävention und inder Suchthilfe nicht nachlassen dürfen. Wenn rechtzeitige Hilfe zur Verfügung steht, können Überdosierungen verhindert werden.Als positives Zeichen der neuen Erhebungen können wir feststellen, dass bei den unter30-Jährigen die Todesfälle im Vergleich zum Jahr2012 deutlich gesunken sind. Erst ab der Altersklasse der über 30-Jährigen stiegen die Drogentodeszahlen an. Prävention muss frühzeitigansetzen, damit sie wirken kann und langjährigenDrogenabhängigen muss noch zielgerichtetergeholfen werden.“Im Jahr 2013 ist die Zahl der polizeilich erfassten Rauschgiftdelikte um rund 7 Prozent auf 253.525 Fälle angestiegen. Auch die Zahl der Tatverdächtigen stieg auf 210.792 Personen an, eine Zunahme von rund 6 Prozent gegenüber 2012.
Die Rauschgiftkriminalität hat weiterhin einenAnteil von etwa 4 Prozent an der Gesamtkriminalität. 2013 registrierte die Polizei insgesamt 19.210 Erstauffällige Konsumenten harter Drogen (EKhD)in Deutschland, was einem Rückgang um knapp2 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2012: 19.559EKhD) entspricht.

Bei den einzelnen Drogenarten waren 2013 folgende Entwicklungen zu verzeichnen:

Amphetamin/ Methamphetamin Während die Zahl erstauffälliger Konsumentenvon Amphetamin bzw. Methamphetamin nahe-zu konstant blieb, stieg deren Zahl bei kristallinem Methamphetamin – dem sogenannten Cry-stal – in 2013 auf 2.746 (2012: 2.556 EKhD) an, was einer Zunahme von etwa 7 Prozent entspricht.Ebenso haben sich die Sicherstellungsfälle und-mengen bei den synthetischen Drogen weitererhöht. Bei kristallinem Methamphetamin verzeichnete die Polizei 3.847 Sicherstellungsfälle -knapp 10 Prozent mehr als 2012. Die Sicherstellungsmenge stieg auf rund 77 Kilogramm, was einem Anstieg von rund 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.Nach wie vor stammt der Großteil des für den deutschen Markt bestimmten„Crystals“ aus derProduktion illegaler Rauschgiftlabore in der Tschechischen Republik und wird auf den sogenannten Asiamärkten in den grenznahenStädten Deutschlands illegal gehandelt. BKA-Präsident Jörg Ziercke: „Den zunehmendenKonsum von „Crystal“ sehen wir mit Sorge, damit der Einnahme dieser Substanz große gesundheitliche Risiken für die Konsumenten verbunden sind. Nicht nur auf Ebene der Strafverfolgungsbehörden, sondern auch im Bereich der Aufklärung und Prävention muss daher alles dafürgetan werden, diese Entwicklung zu stoppen.“

Ecstasy Den größten Anstieg Erstauffälliger Konsumenten harter Drogen stellte die Polizei 2013 beim illegalen Konsum von Ecstasy mit knapp 18 Prozent (1.480 EKhD) fest. Dies korrespondiert miteiner Zunahme der polizeilich bekannt gewordenen
Fälle um etwa 25 Prozent (2.233 Fälle) sowie einem deutlichen Anstieg der sichergestellten Mengen um rund 53 Prozent gegenüber 2012.Die Sicherstellungszahlen sind insbesondere auf zwei Großsicherstellungen von insgesamt 274.500 Tabletten zurückzuführen, die über Deutschland nach Litauen beziehungsweise Österreich geschmuggelt werden sollten.

Heroin Die Zahl der registrierten Erstkonsumenten von Heroin ging 2013 um rund 14 Prozent auf 1.789zurück. Auch der rückläufige Trend bei den Fallzahlen hält weiter an. Die Sicherstellungsmengehingegen stieg auf 270 Kilogramm, was einer Zunahme von etwa 12 Prozent gegenüber 2012entspricht. Zurückzuführen ist dies insbesondereauf zwei Einzelsicherstellungen von insgesamtrund 33 Kilogramm. Darunter ist ein Ermittlungsverfahren des BKA imAuftrag der Staatsanwaltschaft Berlin, bei dem neben Bargeld undKokain auch rund 12 Kilogramm Heroin beschlagnahmt und mehrere Tatverdächtige festgenommen werden konnten.

Kokain Im Jahr 2013 erfasste die Polizei 3.173 Erstkonsumenten von Kokain, was einem Rückgang vonknapp 3 Prozent gegenüber der Vorjahreszahl entspricht. Die bundesweit sichergestellte Mengevon 1.314 Kilogramm Kokain bewegt sich weitgehend auf dem Vorjahresniveau. Dass weiterhingroße Einzelmengen an Kokain nach und durchDeutschland transportiert wurden, belegt unteranderem die Sicherstellung von insgesamt 427 Kilogramm im Hamburger Hafen, die sich in Containern aus Kolumbien und Brasilien befanden. Weitere 100 Kilogramm Kokain, die für denTransport nach Liverpool/Großbritannien bestimmt waren, konnten in Bremen sichergestelltwerden. Weitaus häufiger als auf dem Seeweg wurde Kokain jedoch in 2013 per Luftpost oderdurch Flugzeugkuriere aus Südamerika nach Deutschland geschmuggelt. Die Mehrzahl der Si-cherstellungen erfolgte im Transitbereich desFlughafens Frankfurt/Main. Die Luftpostsendungen waren ausnahmslos zum Weitertransport ins Ausland bestimmt. BKA-PräsidentJörg Ziercke: „Wie wichtig eine konsequente Strafverfolgung auch bei Deliktender Betäubungsmittelkriminalität ist, zeigen die jüngsten Urteile in Fällen des Einfuhrschmug-gels von Kokain aus Südamerika. Das Landgericht Frankfurt/Main verurteilte einen 52-jährigenniederländischen Kokainhändlerwegen der Einfuhr und des Handeltreibens mit nicht geringenMengen Kokain von Venezuela und St. Lucia nachFrankfurt/Main zu einer Freiheitsstrafe vonmehr als neun Jahren. Vor dem Landgericht Hamburg ergingen mehrjährige Haftstrafen gegenvier deutsche Staatsangehörige, weil sie als Mitglieder einer international agierenden Gruppierung in großem Umfang Kokain in mit Möbelnbeladenen Überseecontainern aus Ecuador und Bolivien nach Hamburggeschmuggelt haben.“

Cannabisprodukte Der Anstieg der Cannabisdelikte setzte sich auch 2013 fort und erreichte mit 145.013 polizeilichregistrierten Straftaten(2012: 134.739) einen neuen Höchststand seit 2008. Der Anstieg ist insbesondere auf die konsumnahen Delikte zurückzuführen, während die Handelsdelikte leicht rückläufig waren. Die polizeilich registrierte Zahl von Cannabis-Plantagen auf Außenflächen ist im Jahr 2013 umfast 37 Prozent auf 91 Outdoor-Plantagen zurückgegangen. Die Zahl der festgestellten Indoor-Plantagen ist hingegen um knapp 4 Prozent – auf 691 Plantagen – gestiegen.

Zahlen und Fakten zur Rauschgiftlage 2012 und 2013 können über die Homepage des BKA unter www.bka.de und auf der Internetseite der Drogenbeauftragten der Bundesregierung unter www.drogenbeauftragte.de abgerufen werden.

Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung der Drogenbeauftragten der Bundesregierung und des Bundeskriminalamtes, 17.04.14

Neue Drogenbeauftragte der Bundesregierung

…Marlene Mortler wird neue Drogenbeauftragte der Bundesregierung

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler.

Quelle: Henning Schacht

PRESSEMITTEILUNG

Berlin, 15. Januar 2014

Das Bundeskabinett hat heute dem Vorschlag des Bundesministers für Gesundheit Hermann Gröhe zugestimmt, die Bundestagsabgeordnete Marlene Mortler zur Beauftragten der Bundesregierung für Drogenfragen zu berufen. Die Amtseinführung erfolgt am Mittag durch Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe. Frau Mortler wird in der 18. Legislaturperiode als Beauftragte der Bundesregierung die Drogen- und Suchtpolitik der Bundesregierung koordinieren und in der Öffentlichkeit vertreten.

„Ich freue mich auf diese neue verantwortungsvolle, erfüllende Aufgabe und werde mich kraftvoll insbesondere für die Suchtprävention und die Hilfen für Suchtkranke einsetzen“, sagte Mortler. Drogen- und Suchtpolitik seien unverzichtbarer Teil umfassender Gesundheitspolitik. „Suchtprobleme betreffen viele Menschen quer durch alle Altersgruppen der Gesellschaft. Sie sind oft mit erheblichen gesundheitlichen Problemen und persönlichen Schicksalen verknüpft, die nicht selten auch das Umfeld der Betroffenen hart treffen.“

Die Ausrichtung in der Drogen- und Suchtpolitik mit den Säulen von „Prävention“, „Beratung und Behandlung“, „Maßnahmen zur Schadensreduzierung“ sowie „gesetzlichen Regulierungen zur Angebotsreduzierung“ hat sich nach Ansicht Mortlers in Deutschland bewährt. „Es gilt, Menschen möglichst vor dem Einstieg in den Konsum von legalen und illegalen Suchtmitteln zu bewahren und von Sucht betroffenen Menschen wirksame Hilfen zur Bewältigung ihrer Sucht frühzeitiger anzubieten. Hierfür werde ich mich einsetzen und dort Verbesserungen anstreben, wo diese erforderlich sind“, sagte Mortler.

Die Politikerin hob zugleich hervor, Drogen- und Suchtpolitik sei eine wichtige Gemeinschaftsaufgabe: „Sie lebt von einer guten Abstimmung mit den Ländern, Kommunen und der Zusam-menarbeit auf internationaler Ebene. Dieser Aufgabe stelle ich mich sehr gern, damit wir Betroffenen vereint bestmöglich helfen und durch gemeinsame Anstrengungen in der Prävention dazu beitragen,  Suchtprobleme zu vermeiden“, sagte Mortler.

Ein wichtiges Anliegen ist Mortler, die Situation von Kindern aus suchtbelasteten Familien zu verbessern. „Wir brauchen zudem noch wirksamere  Strategien, um aktuellen Herausforderungen noch besser zu begegnen, wie exzessivem Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen oder der zunehmenden Verbreitung synthetischer Drogen. Letztere stellt uns national und international vor neue Aufgaben“, sagte Mortler.

Die neue Drogenbeauftragte wird wieder einen „Drogen- und Suchtrat“ als beratendes Gremium einberufen. Dem Drogen- und Suchtrat sollen Vertreter der zuständigen Bundes- und Landesministerien, der Kommunen, der Suchtkrankenhilfe, der Forschung sowie der Selbsthilfe angehören.

Marlene Mortler wurde am 16. Oktober 1955 im fränkischen Lauf an der Pegnitz geboren, ist verheiratet und hat drei Kinder. Seit 2002 ist sie Abgeordnete des Deutschen Bundestages.

Ausführliche Informationen zum Lebenslauf von Marlene Mortler sind auf der Website der Drogenbeauftragten (www.drogenbeauftragte.de) abrufbar.

Kontakt:

Geschäftsstelle der Drogenbeauftragten der Bundesregierung
Friedrichstraße 108, 10117 Berlin
Tel.: 030-18 441- 4412
Fax: 030-18 441- 4960
E-Mail: drogenbeauftragte@bmg.bund.de

Weitere Informationen zum Thema Drogen und Sucht finden Sie auch unter: www.drogenbeauftragte.de

Fehlzeiten-Report 2013

…Keine Entwarnung bei Suchterkrankungen – neue Suchtmittel auf dem Vormarsch

Berlin Die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage, die durch die Einnahme von Suchtmitteln verursacht wurden, ist in den letzten zehn Jahren um rund 17 Prozent angestiegen: Von 2,07 Millionen Fehltagen im Jahr 2002 auf 2,42 Millionen Fehltage im Jahr 2012. Alkoholkonsum und Rauchen sind laut Fehlzeiten-Report 2013 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) die Hauptursachen. Experten sehen aber auch einen Trend zu einer verstärkten Einnahme von leistungssteigernden Mitteln.

„Obwohl in den vergangenen Jahren eine ganze Menge unternommen worden ist, können wir bei den Suchterkrankungen keine Entwarnung geben“, sagte Uwe Deh, Geschäftsführender Vorstand beim AOK-Bundesverband, bei der Vorstellung des Fehlzeiten-Reports 2013 in Berlin. Während die traditionellen Suchtmittel wie Alkohol und Tabak weiterhin das Gros der Fehltage verursachten, seien neue Suchtmittel wie das sogenannte „Gehirndoping“ erkennbar auf dem Vormarsch. „Damit wir diesem Trend wirksam Einhalt gebieten können, müssen wir noch besser verstehen, welche Präventionsprogramme tatsächlich Wirkung zeigen. Leider dominiert in Deutschland die Grundlagenforschung. Der politische Rückenwind für eine praxisnahe Präventions- und Versorgungsforschung fehlt bisher. Das muss sich dringend ändern“, so Deh weiter.

Arbeitnehmer, die mindestens eine Krankschreibung aufgrund einer Suchterkrankung aufweisen, haben nach einer Analyse des WIdO im Schnitt drei Mal so lange Arbeitsunfähigkeitszeiten wie Beschäftigte, die aus anderen Gründen krankgeschrieben werden. Die meisten suchtbedingten Krankschreibungen sind auf das am stärksten von der Gesellschaft anerkannte Genussmittel zurückzuführen: Fast 44 Prozent aller suchtbedingten Arbeitsunfähigkeitsfälle entfallen auf Alkoholkonsum. „Die Sucht ruiniert nicht nur die Gesundheit der Betroffenen. Sie hat auch massive Folgen für die Wirtschaft. Allein die Kosten von Alkohol- und Tabaksucht belasten die deutsche Wirtschaft jährlich mit etwa 60,25 Milliarden Euro“, sagte Deh.

Trend zu leistungssteigernden Suchtmitteln

Einen detaillierten Einblick in den Umfang von Süchten in der Arbeitswelt ermöglicht eine aktuelle Studie des WIdO für den Fehlzeiten-Report. Über 2.000 Erwerbstätige zwischen 16 und 65 Jahren wurden dafür nach ihren Belastungen am Arbeitsplatz sowie den Umgang mit ihrer Gesundheit befragt. Es zeigte sich, dass 5,3 Prozent der Befragten täglich Alkohol konsumieren. Der Anteil der Männer liegt dabei mit 8,9 Prozent fast viereinhalbmal über dem der Frauen (2 Prozent). Unabhängig vom Geschlecht steigt die Wahrscheinlichkeit eines regelmäßigen Alkoholkonsums mit dem Bildungsstand. Beim Tabakkonsum ist es genau anders herum. Je höher der Bildungsstand ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit zu rauchen. Etwa ein Drittel aller Beschäftigten raucht gelegentlich oder regelmäßig. Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt es nicht, dafür aber einen starken Bezug zum Alter. So nimmt der Anteil der Raucher mit steigendem Lebensalter ab.

Mit Abstand die meisten Fehltage sind auf Alkoholsucht und Rauchen zurückzuführen. Andere Süchte wie die Einnahme leistungssteigernder Substanzen gewinnen aber – ausgehend von einem geringen Niveau – an Bedeutung. „Um berufliche Stresssituationen zu bewältigen, haben nach unserer Befragung immerhin fünf Prozent der Arbeitnehmer in den letzten zwölf Monaten Medikamente wie beispielsweise Psychopharmaka oder Amphetamine zur Leistungssteigerung bei der Arbeit eingenommen. Bei den unter 30-Jährigen trifft dies immerhin auf jeden Zwölften zu“, sagte Helmut Schröder, Stellvertretender Geschäftsführer des WIdO. „Die Dunkelziffer dürfte noch erheblich größer sein, denn Studien zeigen, dass viele Menschen bereit sind, bei hoher Arbeitsbelastung stimulierende Mittel einzunehmen.“

Themen wie die Einnahme von leistungssteigernden Mitteln müssten in Zukunft stärker in den Angeboten der Krankenkassen berücksichtigt werden können, forderte AOK-Vorstand Uwe Deh. Die AOK setze sich daher dafür ein, dass der Präventionsleitfaden, der den Rahmen für die Aktivitäten der Kassen definiert, entsprechend erweitert werde.

Der Arbeitsplatz als Ort für Prävention

Zunehmender Leistungsdruck, die Verdichtung der Arbeit oder die Erwartung, dass Beschäftigte ständig erreichbar sind und schnell reagieren – all das kann dazu beitragen, dass Menschen Verhaltensweisen entwickeln, die zu Abhängigkeit und Sucht führen. Zugleich bietet der Arbeitsplatz aber auch den Raum für entsprechende Präventionsangebote.

Bei den Berliner Stadtreinigungsbetrieben (BSR), dem größten kommunalen Entsorgungsunternehmen Deutschlands, gibt es bereits seit 17 Jahren ein betriebliches Suchtpräventionsprogramm und eine Dienstvereinbarung, die ein absolutes Alkoholverbot am Arbeitsplatz festschreibt. Die Dienstvereinbarung bietet sowohl den Führungskräften als auch den Beschäftigten einen klaren Handlungsrahmen für den Umgang mit Alkohol- oder anderen Suchtmittelauffälligkeiten am Arbeitsplatz. Begleitend bietet eine innerbetriebliche Beratungsstelle allen betroffenen Beschäftigten Hilfe und Unterstützung. Bei der BSR herrscht die Einsicht vor, dass das Wissen über Suchtgefahren den verantwortungsvollen Umgang mit Suchtmitteln stärkt. Deshalb gehört das Thema Suchtgefährdung ganz selbstverständlich zu vielen betrieblichen Gesundheitsseminaren für die Beschäftigten und zu den Weiterbildungsangeboten für nebenamtliche Präventionskräfte. Diese Kräfte sind speziell geschulte kollegiale Ansprechpartner und übernehmen sogar in ihrer Freizeit eigenständig Aufgaben bei Präventionsangeboten der BSR.

„Im Umgang mit Alkoholauffälligkeiten am Arbeitsplatz sind klare Handlungsanweisungen sinnvoll. Diese geben allen Beschäftigen die notwendige Orientierung. Eine erfolgreiche Präventionsarbeit muss das gesamte Unternehmen erfassen, nicht nur konkret betroffene Beschäftigte. Ohne ein offenes Umfeld, um Probleme zu thematisieren, und eine Vermittlung von Wissen über Abhängigkeiten und Hilfen, wäre alles nur eine halbe Sache. Wichtig ist, dass im Kopf unserer Beschäftigten der Kurs ‚Null Promille am Arbeitsplatz‘ gehalten wird“, sagte Georg Heidel, Präventionsexperte von der BSR. Die AOKs unterstützen Firmen vor Ort mit umfangreichen Angeboten für die Betriebliche Gesundheitsförderung beim Umgang mit Suchtmitteln.

Mehr dazu auf www.aok-bgf.de

Weitere Informationen: www.aok-presse.de

Gesellschaftlich akzeptierte Gefahr

Je früher Kinder mit dem Alkoholkonsum anfangen, desto größer ist die Suchtgefahr. Seit Jahren leisten Kinder- und Jugendbüro, Suchthilfe und Polizei an den Schulen Aufklärungsarbeit, versuchen einen verantwortungsvollen Umgang mit der Alltagsdroge zu vermitteln. Doch das Interesse sinkt.

UNNA Es hätten vier Aufführungen werden sollen, doch mangels Anmeldungen wird das präventive Theaterstück „Alkohölle“ in der Lindenbrauerei nur dreimal gezeigt. Im Interview mit unserer
Zeitung sprechen Volker Timmerhoff vom Kommissariat Kriminalprävention und Opferschutz, Beate Frommeyer vom städtischen Kinder- und Jugendbüro sowie Matthias Hundt von der Suchthilfe im Kreis Unna über die Gründe, über Eltern als Vorbilder und Wodka in Eisteekartons.

Die Alkohol-Prävention in den Schulen richtet sich gezielt an die Schüler der siebten und achten Jahrgangsstufe, also an Jugendliche zwischen zwölf und 14 Jahren. Wie viele von denen haben schon Erfahrungen mit Alkohol?
Matthias Hundt: Das ist schwer zu sagen. Es ist das Alter der Pubertät, sicherlich auch des ersten Glases Sekt bei der Konfirmation. Grundsätzlich werden Kinder und Jugendliche in unserer  Gesellschaft früh mit Alkohol konfrontiert – anders, als das zum Beispiel in einem islamisch geprägten Land der Fall wäre.

Wieso wählen Suchthilfe, Kinder- und Jugendbüro sowie die Polizei gerade ein Theaterstück, um die Zielgruppe zu erreichen?
Hundt: Die Zielgruppe in unserem Projekt sind nicht nur die Jugendlichen, sondern auch die Eltern und Lehrer. Vor einigen Jahren haben wir uns gemeinsam die Frage gestellt, wie wir alle zusammen erreichen können. So sind wir auf die Schulen gekommen. Für das Theaterstück haben wir uns entschieden, weil es die Schüler emotional berührt.

Worum geht es in dem Theaterstück „Alkohölle“ genau?
Hundt: Der Vater der Hauptdarstellerin Lena war alkoholkrank und ist daran gestorben. Nun ist sie selbst aufgrund dieser Lebenserfahrung kurz davor, auch dem Alkohol zu verfallen. Der ich verpflichten, die Eltern zu einem Elternabend einzuladen, und mindestens einen Lehrer für eine Weiterbildung zu benennen. Erstmals sind in diesem Jahr nicht alle Aufführungen des Stücks  ausgebucht, eine musste sogar abgesagt werden.

Worauf führen Sie das sinkende Interesse zurück?
Hundt: Wir kennen den Grund nicht, sondern können nur unsere Enttäuschung darüber zum Ausdruck bringen. Wir machen das jetzt zum fünften Mal, und in den letzten Jahren war das Stück
immer schnell ausgebucht. Diesmal lief es total schleppend. Von neun weiterführenden Schulen in Unna, die Förderschulen mitgezählt, beteiligen sich leider nur drei. Das ist sehr schade.
Frommeyer: Im Grunde bekommen die Schulen von uns ein vorbereitetes Gesamtpaket, müssen nur zugreifen. Es wird bezuschusst durch die Stadt und durch Spenden, sodass von den Kosten von 2500 Euro für drei Aufführungen nur ein Minimalbeitrag von drei Euro pro Schüler bleibt.

Die geringe Resonanz liegt also nicht an den Schülern, sondern an den Lehrern, die die Anmeldung versäumen?
Frommeyer: Vielleicht ist deren Stundenplan mittlerweile auch so voll, dass sie keine Zeit dafür haben, eine Klasse anzumelden.
Timmerhoff: Eine Schule hat uns zurückgemeldet, dass ihr die Alkoholprävention dieses Jahr nicht ins Konzept passt. Verärgert bin ich darüber, dass zwei Schulen sich trotz mehrfacher Nachfrage  überhaupt nicht zurückgemeldet haben. Vielleicht liegt es wirklich an der Belastung, die ja auch für die Lehrer stark gestiegen ist.

Schule kann bekanntlich nicht all das abfangen, was zuhause womöglich versäumt wird. Welche Rolle kommt den Eltern bei der Prävention zu?
Hundt: Eltern sind Vorbilder, im Guten wie im Schlechten. In der Suchtberatung erleben wir Familien, bei denen die Suchterkrankung von Generation zu Generation weitergegeben wurde.
Frommeyer: Gerade im schwierigen Alter der Pubertät entfernen sich viele Kinder von ihren Eltern. Wenn sie ihr Kind in der Zeit aus den Augen verlieren, ist es ganz schnell in den Brunnen gefallen, im wahrsten Sinne des Wortes. Im Jahr 2009 haben wir vom Kinder- und Jugendbüro an den weiterführenden Schulen eine Umfrage zum Thema Freizeitverhalten und Alkoholkonsum durchgeführt. Auf die Frage „Wissen Deine Eltern, dass Du Alkohol trinkst“, haben damals viele Schüler mit zwölf Jahren schon „Ja“ angekreuzt. Manche Eltern erlauben das viel zu schnell, damit sie nicht darüber diskutieren müssen.
Timmerhoff: Und in der Alkoholprävention haben wir heute noch ein anderes Problem.Früher konnte man sagen: Der erste Schluck Alkohol hat nicht geschmeckt. Es gab Bier, es gab Wein, es hat
bitter geschmeckt. Heute dagegen gibt es die Mischgetränke. Die sind so süß, da merken die Jugendlichen gar nicht, dass sie schon drei Schnäpse getrunken haben, die zum Beispiel in den Alcopops stecken. Die Alcopops haben Jugendschützern vor Jahren große Sorge bereitet. Der Gesetzgeber hat dann mit einer höheren Besteuerung und einer Anhebung des Mindestalters von 16 auf 18 Jahre reagiert.

Hat sich das Problemdamit nicht erledigt?
Timmerhoff: Nein, es gibt ja weiterhin viele süße Getränke mit Alkoholgehalt. Darauf stehen die jungen Leute. Eine Studie der Uni Köln veranschaulicht dies. Auf die Frage, warum sie Alkohol trinken, haben die meisten geantwortet: Weil‘s gut schmeckt. Das war früher nicht so und ist für uns in der Prävention eine neue Herausforderung.Hundt: Die Mischung von Alkohol mit Süßgetränken hat noch einen anderen Aspekt: Wenn ein junger Mensch zum ersten Mal Alkohol trinkt, dann macht der Organismus dicht. Der Körper reagiert automatisch mit Abwehr, der Kehlkopf macht zu, es kommt zu einem Würgereiz. Diesen Schutzmechanismus kann ich außer Kraft setzen, wenn ich den Schnaps mit etwas Süßem mische…
Frommeyer: … zum Beispiel Wodka mit Eistee. Achten Sie mal am Wochenende darauf, wenn Jugendliche in Gruppen durch Unna ziehen. Das sieht immer ganz unverfänglich aus, die haben alle schön ihre Kartons dabei. Das ist eine ganz beliebte Mischung, weil man den Wodka auch nicht riecht.

Muss man angesichts dieser Tatsachen „nüchtern“ konstatieren, dass die Wirkung der Präventionsarbeit nur eine sehr begrenzte ist?
Timmerhoff: Nein, ich würde sogar sagen, dass die Präventionsarbeit in den letzten Jahren viele Früchte getragen hat. Der Alkoholkonsum geht insgesamt zurück. Das Problem, das wir haben, ist, dass diejenigen, die Alkohol trinken, es umso exzessiver tun.
Frommeyer: Aber die Zahl der Jugendlichen zwischen 13 und 20 Jahren, die mit einer Alkoholvergiftung in eines unserer beiden Krankenhäuser eingeliefert wurden, hat sich seit 2008 fast halbiert.
Das führe ich unter anderem auf unsere gute Vernetzung und Aufklärung zurück. Während die Zahl der 13- bis 14-Jährigen mittlerweile bei Null liegt, sind es vor allem die 17-, 18-Jährigen, die über die Stränge schlagen.

Wie ist das bei den „Komasäufern“,die im Krankenhaus  wach werden? Hat das eine abschreckende Wirkung?
Frommeyer: Allerdings. Die Rückmeldungen, die wir bekommen, zeigen: Wer einmal mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus war, der kommt meist nicht wieder. Wenn die sehen, dass sie  intubiert werden, eventuell an ein Bett angeschnallt, ausgezogen werden und eine Windel umgelegt bekommen, ist das in dem Alter schon ein einschneidendes Erlebnis.

Neben Alkohol gelten  Zigaretten als zweite große legale Alltags- und Einstiegsdroge. Während Rauchen bei den Schülern vielleicht auch durch die starke Verteuerung zunehmend „uncool“ geworden ist, zieht das  „Vertragen“ von Alkohol in rauen Mengen nach wie vor große Anerkennung auf sich. Muss Alkohol vielleicht auch teurer werden?
Hundt: Die Preissteigerungen sind sicher auch eine Form der Prävention, sie haben beim Nikotin schon eine große Rolle gespielt. Und bei den Alcopops hatte die Preiserhöhung auch einen Rückgang
zur Folge.
Frommeyer: Vielleicht sollte bei Alkohol auch generell das Alter heraufgesetzt werden, also auch Bier, Sekt und Wein erst ab 18 Jahren und nicht schon ab 16 verkauft werden. Das Rauchen ist ja seit 2009 auch erst ab 18 erlaubt. Auch das hat sicher etwas gebracht.
Timmerhoff: Ich wäre auch dafür, aber es ist wohl illusorisch. Die Industrie würde sich mit Händen und Füßen wehren, die Wirte auch.

Wie steht es mit Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit, der ja in manchen Ländern auch verboten ist?
Hundt: Da hat das beliebte Public Viewing seit der Fußball-WM 2006 nach meinem Empfinden einiges bewirkt, aber nicht zum Guten. Schauen Sie sich mal an Spieltagen in Dortmund um: Die  Jugendlichen, die zum Stadion ziehen, haben alle eine Flasche Bier in der Hand. Das war früher nicht so.
Frommeyer: Bei einem Verbot würde sich aber sofort die Frage stellen, wer das kontrollieren soll. Das würde vielGeld kosten.
Timmerhoff: Und es würden viele dagegen verstoßen. Es geht uns ja nicht darum, Alkohol generell zu verbieten. Unser Ziel ist vielmehr, den richtigen Umgang mit Alkohol zu vermitteln.

Also nicht mit dem erhobenen Zeigefinger wedeln, sondern vor allem Verantwortungsbewusstsein lehren?
Frommeyer: Nur mit dem erhobenen Zeigefinger kann man niemanden erreichen.
Hundt: Bei einer Party mit 16 ein Bier zu trinken, soll ja bestenfalls Spaß machen. Da ist nichts dabei, solange es in Maßen geschieht und in nicht Schlägereien oder ungewollten Schwangerschaften endet. Bei Körperverletzungen ist fast immer Alkohol im Spiel, bei sexuellem Missbrauch häufig auch.
Frommeyer: Alkohol ist eine gesellschaftlich akzeptierte Droge, mit der wir seit Jahrzehnten leben. Deshalb geht es uns darum, den Jugendlichen zu sagen: Es ist ok, wenn ihr trinkt, aber es kommt darauf an, wie ihr damit umgeht.

Freie Plätze beim Theaterstück

Nur 460 von 1700 Schülern der siebten und achten Jahrgänge an den weiterführenden Schulen sind bislang für das Präventionstheater „Alkohölle“ angemeldet. Lehrer, die ihre Klasse noch anmelden
wollen, wenden sich an Volker Timmerhoff, Kommissariat Kriminalprävention, Am Bahnhof 12, 59174 Kamen, Tel. 0 23 07/9 21 44 16, E-Mail volker.timmerhoff@ polizei.nrw.de. Die Theatergruppe „Theaterspiel Beate Albrecht“ aus Witten wird das Stück am 27. und 28. Mai in der Lindenbrauerei aufführen. Es thematisiert die Gefahren des Alkoholkonsums und soll zum Nachdenken anregen.

Von Kevin Kohues

erschienen am 20.04.2013 im Hellweger Anzeiger

Kostenlose Internet-Beratung für Eltern

…suchtgefährdeter und abhängiger Kinder und Jugendlicher

Neue Internetseite ist unter www.elternberatung-sucht.de abrufbar.

Die Onlineberatung für Eltern suchtgefährdeter oder abhängiger Kinder und Jugendlicher („ELSA“) unter www.elternberatung-sucht.de im Internet ist gestartet. Sie ist kostenlos und richtet sich an Eltern, deren heranwachsende Kinder einen problematischen Alkohol- oder Drogenkonsum, ein problematisches Glücksspielverhalten oder eine übermäßige Computerspiel- oder Internetnutzung zeigen.

ELSA will Erziehungskompetenzen fördern, familiäre Konflikte reduzieren und die Gemeinschaft innerhalb der Familie stabilisieren.

Eltern können auf der ELSA-Internetseite wählen, ob sie eine anonyme Beratungsanfrage per Mail-Formular verschicken, einen persönlichen Chat-Termin reservieren oder direkt in das mehrwöchige, internetbasierte Beratungsprogramm einsteigen  möchten. Eltern, die eine Beratung vor Ort vorziehen, können über verlinkte Datenbanken eine nahegelegene Beratungsstelle finden.

Hintergrund zu ELSA:

Für ELSA haben sich Beratungsstellen aus elf Bundesländern zusammengeschlossen. Die Plattform „ELSA – Elternberatung bei Suchtgefährdung und Abhängigkeit von Kindern und Jugendlichen“ wurde von der Delphi-Gesellschaft für Forschung, Beratung und Projektentwicklung mbH und der Villa Schöpflin sowie dem Zentrum für Suchtprävention in Kooperation mit erfahrenen Beraterinnen und Beratern von Suchtberatungsstellen aus elf Bundesländern entwickelt.

Gefördert wurde die Entwicklung von ELSA mit Mitteln des Bundesministeriums für Gesundheit und der kooperierenden Beratungsstellen. ELSA wird nun im Rahmen eines Pilotprojektes zunächst für 12 Monate erprobt.

Hier klicken um zur www.elternberatung-sucht.de zu gelangen.

Männlich, jung, süchtig

Die Drogenhilfe im Kreis Unna wird 30 Jahre alt. Eine große Feier gibt es nicht. Stattdessen soll das Netzwerk ausgebaut werden. Der Bedarf steigt.

KREIS UNNA –   Die gesellschaftlichen Veränderungen wirken sich auf den Drogen-konsum aus. Er wächst auch im Kreis Unna. Mehr Armut und mehr psychische Erkrankungen gelten als Ursachen dafür. Im 30. Jahr ihres Bestehens hat die Suchthilfe im Kreis Unna so viel zu tun  wie nie zuvor. Als es 1983 mit der Anonymen Drogenberatung in Kamen los ging, zählte sie im ersten Jahr 106 Klienten. Im Jahr 2011 waren es 1057 Hilfesuchende, für 2012 liegt die Auswertung noch nicht vor. Freilich liegt die Steigerung der Fallzahlen zu einem gewissen Grad auch an einer Ausweitung und wachsenden Bekanntheit des Angebots.

Aus fünf Mitarbeitern wurden 21, Beratungsstellen gibt es heute in Unna, Lünen und Schwerte, dazu noch einen Kontaktladen, ebenfalls in Unna. Die Suchthilfe leistet kostenlose Beratung für Suchtkranke im sogenannten illegalen Bereich. Das heißt, für Konsumenten von Cannabis, Heroin, Kokain oder Ecstasy. Um krankhaften Konsum legaler Drogen wie Alkohol, frei verkäuflicher Medikamente oder Spielsüchtige kümmern sich die Gesundheitsämter sowie freie Träger wie die Diakonie. Vor allem der Konsum von Cannabis als Alltagsdroge nehme zu, sagt Gerhard Klöpper, Leiter der Sucht-beratungsstelle in Unna.

80 Prozent der Klienten der Drogenhilfe sind Männer, sie gelten als anfälliger für Suchtkrankheiten und als aktiver bei der Beschaffung illegaler Drogen. Und: Jeder dritte Klient war 2011 jüngerMännlich,jung,süchtig als 26 Jahre.

Es gibt aber auch Fälle wie den einer Familie aus dem Kreisgebiet, in der sowohl Vater als auch Mutter drogenabhängig sind. Die Mutter starb vor Jahren an einer Überdosis Kokain, die beiden kleinen Töchter kamen bei den Großeltern unter.Der Vater habe das seinerzeit als Signal zur Umkehr verstanden, sagt Suchthilfe-Geschäftsführer Josef Merfels. Er begann eine Langzeit-Therapie und schaffte es, „clean“ zu werden. Heute hat er eine neue Lebenspartnerin, und die beiden Mädchen wohnen wieder bei ihm.

Damit solche positiven Entwicklungen in Zukunft noch häufiger gelingen, will die Drogenhilfe ihr Netzwerk mit Jugendämtern, Schulen und weiteren Vereinen und Institutionen wie dem Kinderschutzbund weiter ausbauen. Eine Fachtagung im Kreishaus markierte dazu gestern den Auftakt. Eine Feier zum Jubiläum ist indes nicht geplant.

Quelle: Kevin Kohues, Hellweger – Anzeiger, 08.03.2013

Die Drogenhilfe im Kreis Unna feiert in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen.

(Kreis Unna, 26.02.13) Am 10.03.1983 wurde die Anonyme Drogenberatung Unna e.V., (heute: Gemeinnützige Gesellschaft für Suchthilfe im Kreis Unna mbH), in Kamen in der Schäferstraße 38 offiziell eröffnet.

Aus diesem Anlass veranstaltet die Gemeinnützige Gesellschaft im Kreis Unna mbH in diesem Jahr eine Reihe von Veranstaltungen. Den Auftakt bildet die Fachtagung „Auch Suchtkranke wollen gute Eltern sein – Kindeswohl im Spannungsfeld der Jugend – und Suchthilfe.“ am 07.03.13 im Kreishaus Unna, die die Gem. Ges. für Suchthilfe im Kreis Unna mbH zusammen mit dem Fachbereich Familie und Jugend des Kreises Unna und dem DKSB Kreis Unna ausrichtet.

Ein 30jähriges Jubiläum ist gleichzeitig auch ein ganz besonderes Datum und ein guter Grund auf die zurückliegenden 30 Jahre Drogenhilfe im Kreis Unna zurück zu blicken.

Am 10.03.1983 wurde die Anonyme Drogenberatung Unna e.V., wie eingangs erwähnt, in Kamen in der Schäferstraße 38 offiziell eröffnet, nachdem der Bedarf an Hilfen für drogenabhängige Menschen im Kreis erkannt wurde. Von Anfang an ging es um die Implementierung von bedarfs-gerechten Hilfen für suchtkranke Menschen im Kreis Unna, die sich dabei auch an den finanziellen Gegebenheiten orientieren.

Diese Leitlinien, einerseits die Umsetzung eines an dem Menschen und seinen Bedürfnissen ausgerichteten Hilfesystems, andererseits die Berücksichtigung finanzieller Rahmenbedingungen prägen die Arbeit der Drogenhilfe bis heute.

Ziel unserer Arbeit ist es, die Bürgerinnen und Bürger im Kreis Unna für Sucht und Drogen zu interessieren und aufzuklären um mögliche Suchtgefahren zu mindern bzw. abzubauen. Wir wollen Drogenkonsumenten Rat, Information und Auseinandersetzung mit ihrem Drogenkonsum anbieten und ihnen das Angebot unterbreiten, Handlungsalternativen zu ihrem Konsum zu entwickeln. Wir wollen drogenabhängigen Menschen helfen das Überleben zu sichern und sie so umfassend fördern und unterstützen, dass sie in unserer Gesellschaft ein auf Selbstachtung basierendes Leben aufbauen können.

Mit unseren Hilfsangeboten wollen wir soziale Ausgrenzung verhindern und zum Abbau sozialer Spannungen beitragen. Wir wollen drogenabhängigen Menschen dazu verhelfen, einen anerkannten Platz in der Gesellschaft zu finden und ihre Lebensführung selbstbestimmt und selbstverantwortlich in die Hand zu nehmen.

Im Jahr 1988 erfolgte der Umzug der Drogenberatung von Kamen nach Unna. Gleichzeitig eröffnete die zweite Beratungsstelle in Lünen. Mit dieser zweiten Eröffnung war die Aufteilung des Kreisgebietes in zwei Zuständigkeitsregionen, dem nördlichen und dem mittleren Kreis Unna, verbunden. Diese Aufteilung ermöglichte nicht nur eine unterschiedliche inhaltliche Schwerpunktsetzung der Arbeit, sondern verbesserte gleichzeitig die Erreichbarkeit der Beratungsstellen für die Bürger und Bürgerinnen.

In den Jahren 1991 bis 2000 gelang, im Rahmen der Methadonvergabe, die Aufnahme der damaligen Anonyme Drogenberatung Unna e.V. in das Landesmethadonprogramm. Dies ermöglichte die Implementierung von 1,5 Personalstellen zur sozialtherapeutischen Betreuung Drogenabhängiger.

Seit dem Jahre 2000 ist die Substitutionsbehandlung drogenabhängiger Menschen im Kreis Unna ein fester Bestandteil der medizinischen Regelversorgung.

Im Jahre 1992 konnte der Kontaktladen in der Rembrandtstraße in Unna eröffnet werden und bildet seitdem einen wichtigen Baustein in der gesundheitlichen Versorgung suchtkranker Menschen hier bei uns in Unna.

Und zu guter Letzt wurde im Januar 2002 die Drogenberatung Schwerte eröffnet, und so die Versorgung Suchtkranker im südlichen Kreis Unna sichergestellt, und somit eine, auch geographische, Lücke geschlossen.

Im Jahr 2003 begann der mitunter nicht immer einfache Diskussionsprozess zur Neustrukturierung der Suchthilfeplanung im Kreis Unna, der mit dem Austritt der Stadt Schwerte aus dem Verein ADU eine besondere Qualität erreicht hatte. Weitere Kommunen folgten dem Schwerter Beispiel. Lediglich die Städte Unna und Fröndenberg, sowie die Gemeinden Bönen und Holzwickede blieben aus vereinsrechtlichen Gründen Mitglieder in der ADU.

Es folgten schwierige politische Diskussionen über die zukünftige Ausrichtung und Struktur der Sucht – und Drogenhilfe im Kreis Unna. Bei allen Diskussionen ist die Sicherung einer bedarfsgerechten Versorgung suchtkranker Menschen stets Hauptziel im Kreis Unna geblieben.

Die Diskussion mündet schließlich am 23.10.2010 mit der Gründung der Gemeinnützigen Gesellschaft für Suchthilfe im Kreis Unna mbH, mit dem Kreis Unna als alleiniger Gesellschafter.

Wir möchten uns an dieser Stelle bei allen engagierten Menschen bedanken, die uns in den letzten 30 Jahren mit Rat und Unterstützung tatkräftig begleitet haben. Ohne Ihre Hilfe wäre die Arbeit wie wir sie für die Menschen bei uns im Kreis Unna täglich leisten nicht möglich. Ihnen allen gilt Dank und Anerkennung.

Wir möchten uns auch bei den Menschen bedanken, die sich in den letzten 30 Jahren ratsuchend an uns gewandt haben und uns ihr Vertrauen geschenkt haben. Wir werden auch zukünftig jeden Menschen in seiner Einzigartigkeit und in seinem individuellen “Gewordensein” achten, und jeden Menschen mit Respekt und Wertschätzung entgegentreten.

Kein erhobener Zeigefinger bei Drogensucht

Unna – Früher war das Klientel der Drogenberatungsstelle in Unna ein anderes: Musik, Lebensstil und Politik spielten in der Szene eine große Rolle. Das ist heute nicht mehr so.

„Den typischen Drogenabhängigen gibt es nicht mehr“, sagt David Hofmann. Fast alle Gesellschaftsschichten seien betroffen. Cannabis spiele nach Heroin die größte Rolle in Unna. Viele Menschen, die in die Beratungsstelle an der Bahnhofstraße kommen, seien gleich von mehreren Drogen abhängig. Fast immer spiele Alkohol eine Rolle, so Hofmann.

In seiner rund zwölfjährigen Tätigkeit bei der Drogenberatungsstelle hat der Sozialarbeiter viele gescheiterte Existenzen gesehen. „Wer zum Beispiel Heroin nimmt, gerät ganz schnell in eine Spirale, die abwärts führt.“ Zuerst verliert der Abhängige seinen Job, dann sein Geld; die Partnerschaft zerbricht und schließlich steht derjenige vor dem Nichts, beschreibt Hofmann den typischen Weg.

Der ein oder andere landet schließlich auch vor David Hofmann hilft Abhängigen auf dem Weg in ein suchtfreies Lebender Bürotür von David Hofmann – mal freiwillig, mal gezwungenermaßen. Letzteres ist immer dann der Fall, wenn ein Heroinabhängiger eine Drogenersatztherapie beginnt. Die medizinische Betreuung übernimmt der Arzt, die psychologische die Beratungsstelle. Mit erhobenem Zeigefinger wird in einer solchen Sitzung nicht taktiert. Auch Verschwiegenheit sei ein hohes Gebot. „Diejenigen, die hierher kommen, müssen sich sowieso schon überwinden“, so Hofmann. Vielmehr sei es wichtig, die Drogensucht aufzuarbeiten. Warum nehme ich Drogen? Was ist bei mir schief gelaufen? – Das sind Fragen, bei denen Hofmann helfen kann. Ein weiteres Thema: „Fast alle unsere Klienten brechen mit dem Gesetz und sind dabei erwischt worden.“ Auch bei solchen Problemen kann die Drogenberatungsstelle weiterhelfen.

Was das Ziel einer Beratung sei, entscheiden die Abhängigen selbst. Mal wollen sie ein suchtfreies Leben führen, mal reicht es ihnen, mit einem Ersatzstoff zurechtzukommen. Egal, für was sie sich entscheiden – Hofmann und seine Kollegen helfen dabei – auf Wunsch auch anonym.

Kontakt:

Das Team der Drogenberatungsstelle Unna hat sein Büro an der Bahnhofstraße 3. Geöffnet ist dienstags, donnerstags und freitags von 9 bis 12 Uhr sowie dienstags und donnerstags zusätzlich von 14 bis 16 Uhr. Die Mitarbeiter vergeben auch nach Vereinbarung unter Tel. 0 23 03 / 26 02 Termine.

Quelle: Stephanie Tomé, Hellweger-Anzeiger, 14.02.13

Auch Suchtkranke wollen gute Eltern sein!

Kindeswohl im Spannungsfeld  der Jugend- und Suchthilfe. Fachtagung am 07.03.2013.

(Kreis Unna,04.02.13)

Die Suchthilfe im Kreis Unna gGmbH, der Fachbereich Familie und Jugend des Kreises Unna und der DKSB Kreis Unna veranstalten am 07.März 13 eine Fachtagung mit dem Thema „ Kindeswohl im Spannungsfeld der Jugend- und Suchthilfe“ zu der wir  Sie herzlich einladen möchten.

Die Frage nach der Verantwortung für die Kinder Drogenabhängiger beschäftigt uns seit mehr als 30 Jahren. Mittlerweile hat dieses Thema hohe Aktualität. Der „Fall Chantal“ in Hamburg 2012 lenkte unseren Blick auf die Gruppe substituierter Eltern.

Es gibt suchtkranke und substituierte Eltern, die ihre Erziehungsaufgaben gut meistern, anderen gelingt dies nur unzureichend. In manchen Fällen geraten die Helfer/ Berater/ -innen in die Situation, das Kindeswohl, auch gegen den Willen der Eltern, schützen zu müssen. Sie bewegen sich dann in einem Spannungsfeld, das von ihnen ein hohes Maß an Reflektion und Professionalität erfordert.Fachtagung 07.03.13

Das seit Anfang 2012 geltende Bundeskinderschutzgesetz gibt uns stärker als bisher die Möglichkeit, Kinder und Jugendliche vor Missbrauch, Gewalt und Verwahrlosung zu schützen.

Bisher gibt es im Kreis Unna keine verbindlichen Standards und Absprachen, wie die beteiligten Hilfesysteme mit suchtkranken Eltern und ihren Kindern zusammenarbeiten sollten.

Die Fachtagung beleuchtet dieses Spannungsfeld von verschiedenen Seiten und will damit den Weg zu einem verbesserten Zusammenwirken aller Fachkräfte ebnen.

Weitere Informationen und die Möglichkeit sich anzumelden finden Sie auf dem Flyer zur Veranstaltung, den Sie sich hier herunterladen können.

Flyer in neuen Sprachen

Informationen über Angebote der Suchthilfe im Kreis Unna sind jetzt in unter-schiedlichen Sprachen erhältlich

Kreis Unna, 06.12.12 Ob Suchtvorbeugung, Angehörigenberatung oder Nachsorge. Wer sich in seiner Muttersprache über die vielfältigen Angebote der Suchthilfe im Kreis Unna gGmbH informieren möchte, hat jetzt die Möglichkeit sich den Einrichtungsflyer der Gesellschaft in türkischer, russischer oder englischer Sprache auf der Homepage der Suchthilfe herunterzuladen.

Die Flyer stehen in der Mediathek unter dem Menüpunkt „Kontakt“ als kostenloser Download  zur Verfügung.

Hier klicken um zur Mediathek zu wechseln.

Interessierte welche die klassische Papierform bevorzugen erhalten diese in jeder Beratungsstelle der Suchthilfe im Kreis Unna.

 

„Methodenkoffer Alkoholprävention“

…Fortbildung zu praktischen Methoden der Alkoholprävention für Lehrer

Kreis Unna, 20.11.12 Des Deutschen liebste Feierdroge ist der Alkohol. Auch von Kindern und Jugendlichen wird der ‚Stimmungsmacher’ getestet. Um diese Zielgruppe mit Information und Aufklärung zu erreichen, stellt die Gemeinnützige Gesellschaft für Suchthilfe im Kreis Unna mbH Kontaktpersonen von jungen Menschen aus dem Kreis Unna neuerdings zwei  „Methodenkoffer zur Alkoholprävention“ kostenlosals Leihgabe zur Verfügung.

Jeder Koffer enthält interaktive Methoden zur Alkoholprävention, durch die die Jugendlichen Informationen zu Alkohol und Suchtentstehung erhalten sowie zum Austausch und Nachdenken angeregt werden. „Ein Quiz vermittelt spielerisch Wissen, ein Film thematisiert Alkohol im Straßenverkehr, Rauschbrillen simulieren eindrucksvoll einen Rausch und zeigen Auswirkungen auf Sicht, Reaktion und Motorik und der ‚Suchtverlauf’ erklärt, wie aus Genuss Sucht werden kann“, zählen Matthias Hundt und Gerd Klöpper, Mitarbeiter der Suchtprävention im Kreis Unna, auf.

Am Mittwoch, den 12.12.2012 findet in der Zeit von 14.00 bis 16.00 Uhr eine Fortbildungsveranstaltung für Lehrer aus dem Kreis Unna statt. Es besteht hier die Möglichkeit, die Methoden praktisch auszuprobieren, um sie anschließend „eins zu eins“ im Unterricht durchführen zu können. Eine Anmeldung zur Fortbildung ist bis zum 06.12.2012 bei der Suchthilfe gGmbH möglich.

Die Kosten für die Teilnahme belaufen sich auf 10,- Euro.

Alle weiterführenden Schulen im Kreis Unna erhalten in Kürze per E-Mail sämtliche wichtigen Informationen zur Fortbildung.

Großer Reiz „Alkohol“

Zwar geht der regelmäßige Alkoholkonsum bei Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren laut aktueller Drogenaffinitätsstudie von 17,9% (2010) auf 14,2% (2011) zurück, „Doch weiterhin übt Alkohol auf Jugendliche eine unwahrscheinlich hohe Anziehungskraft aus. Grundsätzlich ist gegen einen risikoarmen und verantwortungsbewussten Alkoholkonsum auch nichts zu sagen. Wird aber bereits in jungen Jahren, regelmäßig und/oder viel getrunken, überwiegen die Nachteile“, meint Matthias Hundt. Die Organe seien noch in der Entwicklung und damit viel anfälliger für die im Alkohol enthaltenen Giftstoffe. Wer früh und regelmäßig Alkohol trinkt, steigere außerdem das Risiko auch früh abhängig zu werden. Die Hauptgefahr liege aber vor allem darin, dass Jugendliche bei Alkoholexzessen Schäden, wie z. B. Alkoholvergiftungen, gesundheitliche Schäden, aggressive Entgleisungen oder Unfälle erleiden. Besonders Fahranfänger im Alter von 16 bis 24 Jahren seien überproportional häufig von schweren und tödlichen Verkehrsunfällen mit Fahrrad, Mofa oder Auto betroffen. Ein hoher Anteil dieser Unfälle ist auf Alkohol- und/ oder anderen Drogenkonsum zurückzuführen.

Prävention ohne erhobenen Zeigefinger

Der Methodenkoffer Alkoholprävention bietet die Möglichkeit, Schülern ohne erhobenen Zeigefinger über diese Gefahren zu informieren. Jede der rund 100 Fachstellen für Suchtprävention in Nordrhein-Westfalen verfügt über mindestens einen Koffer. Ermöglicht wurde dies durch das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen.

Fortbildung „Methodenkoffer Alkoholprävention“ am 12.12.2011, von 14.00 – 16.00 Uhr in den Räumlichkeiten der Gemeinnützigen Gesellschaft für Suchthilfe im Kreis Unna mbH, Bahnhofstr. 3, 59423 Unna,  Mail: praevention@suchthilfe-unna.de.

Teilnahmebeitrag: 10,- €

Anmeldeschluss:  Mittwoch, 06.12.2012

Anmeldung unter:

Gemeinnützige Gesellschaft für Suchthilfe im Kreis Unna mbH

Bahnhofstr. 3

59423 Unna

Telefon: 02303 – 2602

Fax:       02303 – 22436

E-Mail:   praevention@suchthilfe-unna.de

oder über das Kontaktformular dieser Seite.

Cannabis meistkonsumierte illegale Droge

Mechthild Dyckmans, Drogenbeauftragte der Bundesregierung
Mechthild Dyckmans, Drogenbeauftragte der Bundesregierung

…Verbreitung synthetischer Drogen nimmt zu

Berlin, 15. November 2012.

Vorstellung der Jahresberichte der deutschen und europäischen Beobacht-ungsstelle für Drogen und Drogensucht.

Anlässlich der heutigen Vorstellung der Jahresberichte der deutschen und der europäischenBeobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (DBDD und EBDD) erklärt die Drogenbeauftragteder Bundesregierung, Mechthild Dyckmans: „Die Drogen- und Suchtpolitik in Deutschland ist auf einem guten Weg – auch im europäischen Vergleich. Wir verfügen in Deutschland über gute Präventions-, Beratungs- und Behandlungsangebote für suchtgefährdete und suchtkranke Menschen. Die sich schnell verändernden Märkte und neue Substanzen stellen uns jedoch vor große Herausforderungen. Hilfs- und Beratungsangebote müssen an die neuen Entwicklungen angepasst werden, um den Betroffenen möglichst schnell effiziente Hilfe und Unterstützung anbieten zu können.“
Nach wie vor ist Cannabis die illegale Droge in Deutschland und Europa, die am häufigsten
konsumiert wird. Bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist das Konsumverhalten
im Vergleich zu den Vorjahren konstant geblieben. Etwa 5 % der 12- bis 17-Jährigen konsumierten im vergangenen Jahr Cannabis (12-Monats-Prävalenz).
Von erheblicher Bedeutung ist Cannabis auch im Suchthilfesystem. Ein Drittel der Personen, die wegen Drogenproblemen 2011 eine Suchtberatungsstelle aufsuchten, wiesen einen problematischen Cannabiskonsum auf. Viele von ihnen fangen bereits im Teenager-Alter mit dem Konsum an (Durchschnittsalter 15 Jahre).

Der Anteil der Drogenpatienten, die wegen ihres Cannabiskonsums ambulant behandelt werden, liegt seit einigen Jahren bei etwa einem Drittel (2011: 34.7 %). Bei denjenigen, die das erste Mal in Suchtbehandlung sind, liegt der Anteil der Cannabisfälle bei 56,6 %.
“Das zeigt, dass Cannabis keineswegs eine harmlose Droge ist. Besonders der Langzeitkonsum kann zu erheblichen gesundheitlichen Problemen sowie zur Abhängigkeit führen“, so die Drogenbeauftragte. „Deshalb dürfen wir mit unseren Bemühungen nicht nachlassen, über die Gefahren des Cannabiskonsums aufzuklären. Wir müssen schon Jugendlichen verdeutlichen, dass Cannabiskonsum gerade im Jugendalter mit besonderen psychischen Risiken verbunden ist.“
Der Anteil der Konsumenten von Stimulanzien (Amphetamine, Ecstasy) bei den Erstbehandlungen hat weiter zugenommen (ambulante Behandlungen: 2009: 10 %; 2011:15 %). Dabei kommt Amphetaminen und anderen Stimulanzien bundesweit eine wachsende Bedeutung zu, während eine steigende Verbreitung von Crystal bislang hauptsächlich aus den Beratungs- und Behandlungseinrichtungen der Grenzregionen zur Tschechischen Republik gemeldet wird.
Darüber hinaus nehmen neue synthetische Drogen an Bedeutung zu. „Die Schwierigkeit besteht darin, anhand sachlicher Informationen die gesundheitlichen Auswirkungen und Risiken neuer Substanzen einzuschätzen“, so Dr. Tim Pfeiffer-Gerschel, Leiter der Deutschen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht. „Wichtige Zugangswege für präventive Maßnahmen sind das Internet oder die sozialen Netzwerke, aber auch (Online-) Ausstiegshilfen und Angebote lokaler Beratungsstellen.“
Auch der heute in Lissabon vorgestellte Jahresbericht der EBDD weist auf ein ähnliches Bild des Drogenkonsums in Europa hin: Der Gesamtkonsum illegaler Drogen in Europa ist weiterhin relativ stabil. Daneben kommt es jedoch immer wieder zu Entwicklungen, die unterstreichen, dass Drogenkonsum und damit verbundene Probleme nach wie vor erhöhter Aufmerksamkeit bedürfen. Dies beinhaltet neben dem Auftauchen neuer psychoaktiver Substanzen auch regionale Anstiege von Infektionskrankheiten wie HIV oder Hepatitis.

Weitere Informationen und die Jahresberichte der DBDD und EBDD finden Sie in deutscher
Sprache unter www.drogenbeauftragte.de sowie unter www.dbdd.de.

Quelle: Pressemitteilung der Drogenbeauftragten der Bundesregierung und der DBDD.

Erneuter Anthrax-Fall bei Drogengebraucher in Großbritannien

Das Robert Koch-Institut wurde über das europäische Frühwarnsystem über einen erneuten Fall von Milzbrand (Anthrax) bei einer Person mit Heroinkonsum in Oxford, Großbritannien, informiert. Der aktuelle Fall ist damit der 12. bestätigte Milzbrand-Fall, der seit Juli 2012 von europäischen Mitgliedsstaaten bei injizierenden Drogengebrauchern gemeldet wurde (Deutschland 4 Fälle (darunter 1 Todesfall), Dänemark 2 Fälle (darunter 1
Todesfall), Frankreich 1 Fall, und Großbritannien 5 Fälle (darunter 1 Todesfall). Die Tatsache, dass die Milzbrand-Erregerstämme, die bei insgesamt 7 (3 aus Deutschland, 2 aus Großbritannien und 2 aus Dänemark) der seit Juli 2012 aufgetretenen Milzbrandfällen isoliert wurden, identisch bzw. zumindest sehr eng verwandt sind mit den Stämmen der deutschen und britischen Fälle aus den Jahren 2009/2010, legt nahe, dass dieselbe Infektionsquelle noch aktiv sein könnte.

Bei der aktuell erkrankten Person handelt es sich um eine 24jährige Frau aus Oxford, die am 24.10. 2012 Heroin injizierte und am 25.10. Symptome entwickelte. Sie wird behandelt und ist in einem stabilen Zustand.

Anthrax ist eine seltene bakterielle Infektion, die über verschiedene Eintrittspforten eine schwere septische Erkrankung bis hin zum Tod verursachen kann. Die Infektion beim sogenannten Injektionsmilzbrand erfolgt durch die Injektion einer mit Milzbrandsporen verunreinigten Substanz. Theoretisch ist auch eine Übertragung durch kontaminierte Injektionsutensilien vorstellbar. Typisch ist dabei die Entwicklung einer schweren entzündlichen Weichteilinfektion mit Kompartmentsyndrom und einer nekrotisierenden Fasziitis in der Region der Injektionsstelle. Die Infektion ist aber auch durch Inhalation oder Rauchen von kontaminierten Stoffen Substanzen möglich.
Für die Behandlung der Infektion mit dem Milzbranderreger stehen prinzipiell wirksame Antibiotika zur Verfügung. Die Infektion ist praktisch nicht von Mensch zu Mensch übertragbar, für die Allgemeinbevölkerung besteht kein Risiko.

Weitere Informationen zum aktuellen Ausbruchsgeschehen und zu erforderlichen Maßnahmen im Verdachtsfall finden Sie auf den Seiten des RKI unter
http://www.rki.de

Bei begründetem Verdacht bietet das RKI Unterstützung bei der Untersuchung von klinischem Material oder potenziellen Infektionsquellen zum Ausschluss von B. anthracis an. Zusätzlich kann auch eine Beratung zur Gewinnung und dem Versand der Proben erfolgen. Ansprechpartner hierfür ist Herr PD Dr. Grunow vom Zentrum für Biologische Sicherheit (ZBS) 2 am RKI (Tel. 030 18754 2100).
Ansprechpartnerin am RKI ist Frau Dr. Bernard (Tel. 030 18754 3173).

Quelle: 

Dr. med. Ruth Zimmermann
Abteilung für Infektionsepidemiologie
Fachgebiet 34 HIV/AIDS und andere sexuell oder durch Blut übertragene
Infektionen Robert Koch-Institut DGZ-Ring 1
13086 Berlin

40 Tage Suchthilfe

…Studentin absolviert Praktikum in der Drogenberatung

Laura Bache absolviert derzeit ein Praktikum in der Drogenberatungsstelle der Suchthilfe im Kreis Unna gGmbH in der Kötterbachstraße in Schwerte. Die 25jährige Kamenerin studiert Soziale Arbeit an der Evangelischen Fachhochschule in Bochum.

Die gelernte Ergotherapeutin ist, neben der Beratungsarbeit in der Kötterbachstraße, auch in die Arbeit des Kontaktladens, einem niedrigschwelligen Angebot für Drogenkonsumenten in Unna, und den Aufgaben der kreisweit tätigen Suchtprävention eingebunden.

„Ein Praktikum im Ambulanten Sozialen Dienst der Justiz machte mich auf den Arbeitsbereich der Suchthilfe aufmerksam“ erklärt die Studentin.

Die Drogenberatung stellt für sie einen vielfältigen Arbeitszweig dar. „Der Kontakt zu unterschiedlichen Klienten  macht den Berufszweig für mich so interessant. Beispielsweise werden substituierte  Menschen psychosozial begleitet, oder jugendliche Cannabiskonsumenten beraten.“

Der Kontaktladen in Unna ist ein niedrigschwelliges Angebot. Hier können die Klienten beispielsweise ein warmes Essen zu sich nehmen, ihre Wäsche waschen oder Spritzen tauschen. Dies bietet die Möglichkeit, Drogenkonsumenten in einem anderen Setting kennenzulernen. „Durch ungezwungene Gespräche mit den Klienten konnte ich viel über die Lebensumstände, die zu einer Drogenabhängigkeit geführt haben, erfahren “ erläutert die 25jährige.

Die Präventionsarbeit stellt einen weiteren fundamentalen Bereich der Suchthilfe dar. Hier erhalten Schüler, Eltern und andere Multiplikatoren Informationen über legale und illegale Drogen und deren Auswirkungen. Ebenso werden rechtliche Grundlagen erläutert und über neue Substanzen, so genannte „legal highs“ aufgeklärt.

Abschließend berichtet die Kamenerin „ Mein Praktikum in der Suchthilfe ist sehr interessant und lehrreich. Die Klienten in der Beratungsstelle und im Kontaktladen haben mich sehr gut aufgenommen und direkt akzeptiert.“

Die Studentin hat die Suchthilfe als ein wichtiges Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit kennengelernt und kann sich gut vorstellen nach ihrem abgeschlossenen Studium in diesem Bereich tätig zu werden.

Als Fach – und Clearingstelle rund um das Thema Sucht und Drogen haben wir uns auch schon immer als Ausbildungspartner für Studentinnen und Studenten der Sozialen Arbeit verstanden“, ergänzt André Palm, Drogenberater der Suchthilfe gGmbH in Schwerte.

Verbot 28 weiterer synthetischer Substanzen

…in das Betäubungsmittelgesetz aufgenommen

Sechsundzwanzigste Verordnung zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher Vorschriften am 26. Juli 2012 in Kraft getreten.

Mit der in den wesentlichen am 26. Juli in Kraft getretenen Sechsundzwanzigsten Verordnung zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher Vorschriften werden ab sofort 28 neue psychoaktive Substanzen dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG) unterstellt. Dabei handelt es sich um synthetische Derivate des Amphetamins, Cathinons, Piperazins, Kokains sowie synthetische Cannabinoide. Außerdem werden dem Betäubungsmittelgesetz mit sechsmonatiger Übergangsfrist flüssige Tilidin-Arzneimittel mit schneller Wirkstofffreisetzung (die missbrauchsfähig sind und auch missbraucht werden) unterstellt.

Bei den neu unterstellten psychoaktiven Substanzen handelt es sich um chemische Abwandlungen bekannter Stoffe, die bereits bislang dem BtMG unterfielen. Die neuen Substanzen, die gelegentlich auch als „Designerdrogen“ oder fälschlicherweise und irreführend als „Legal Highs“ bezeichnet werden, sind professionell aufgemacht und werden verharmlosend z.B. als „Kräutermischungen“, „Raumlufterfrischer“ oder „Badesalze“ verkauft. Die wirklichen Inhaltsstoffe werden dabei nicht angegeben.

Der Konsum neuer psychoaktiver Substanzen zieht teilweise schwere gesundheitliche Folgen nach sich: Die Symptome reichen von Übelkeit, heftigem Erbrechen, Herzrasen und Orientierungsverlust über Kreislaufversagen, Ohnmacht bis hin zu Lähmungserscheinungen und Wahnvorstellungen. In Deutschland mussten bereits mehrere Jugendliche, die die Gefahr unterschätzten, wiederbelebt werden.

Quelle: Pressemitteilung der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, 26.07.12

Dritter Milzbrandfall bei Heroinkonsument

Dem Robert Koch-Institut wurde aus Berlin ein dritter Fall von Milzbrand (Anthrax) bei einer Person mit i.v.-Heroinkonsum übermittelt. Damit gibt es seit Anfang Juni 2012 drei bestätigte Fälle von Milzbrand bei Heroinkonsumenten in verschiedenen Bundesländern (2x Raum Regensburg, 1x Berlin).

Die Person stellte sich Mitte Juni mit Symptomen von Hautmilzbrand im Bereich einer Injektionsstelle ärztlich vor. Die Symptome besserten sich unter antibiotischer Therapie. Die Verdachtsdiagnose Milzbrand wurde am RKI mittels real-time-PCR aus Wundmaterial und mittels Serologie labordiagnostisch bestätigt.

Derzeit gibt es keine Hinweise darauf, dass sich der Berliner Fall in Bayern aufgehalten oder Heroin aus Bayern konsumiert hat. Daher liegt die Vermutung nahe, dass kontaminiertes Heroin über die Region Regensburg hinaus in Deutschland im Umlauf ist.

Die Tatsache, dass die Milzbrand-Erregerstämme, die bei den zwei 2012 aufgetretenen bayerischen Milzbrandfällen isoliert wurden, identisch bzw. zumindest sehr eng verwandt sind mit den Stämmen der deutschen und britischen Fälle aus den Jahren 2009/2010, legt nahe, dass dieselbe Infektionsquelle noch aktiv sein könnte.

Gesundheitsbehörden und Drogenhilfeeinrichtungen wurden deutschlandweit informiert, damit in ähnlichen Fällen an die Diagnose Milzbrand gedacht wird und ggf. rechtzeitig eine Diagnostik und Therapie erfolgen kann.
Für die Behandlung der Infektion mit dem Milzbranderreger stehen prinzipiell wirksame Antibiotika zur Verfügung. Die Infektion ist praktisch nicht von Mensch zu Mensch übertragbar, für die Allgemeinbevölkerung besteht kein Risiko.

Quelle: Pressemitteilung des Robert-Koch-Institut , Berlin, 04.07.12

Zwei Milzbrandfälle bei Heroinkonsumenten

…Ärzte sollten bei Drogengebrauchern frühzeitig an Milzbrand denken

Dem Robert Koch-Institut wurden in den vergangenen zwei Wochen zwei Fälle von Milzbrand (Anthrax) bei intravenös injizierenden (i.v.) Drogenkonsumenten im Raum Regensburg übermittelt. Beide hatten sich wegen einer entzündeten Injektionsstelle ärztlich vorgestellt und in der Folge war eine Blutvergiftung (Sepsis) diagnostiziert worden. Als deren Ursache wurde der Milzbranderreger Bacillus anthracis nachgewie-sen. Der eine Patient verstarb am 5.6.2012, dem Tag der ärztlichen Vorstellung (siehe Epidemiologisches Bulletin 24/2012). Die Infektion ist praktisch nicht von Mensch zu Mensch übertragbar, für die Allgemeinbevölkerung besteht kein Risiko.

Als Ursache der Infektion wird die Injektion von mit Milzbrandsporen verunreinigtem Heroin vermutet. Bereits 2009/2010 war es in Deutschland und dem Vereinigten Kö-nigreich durch verunreinigtes Heroin zu einer Häufung von Milzbrand bei i.v.-Drogenkonsumenten gekommen (siehe Epidemiologisches Bulletin 2/2010 und 49/2010). Die beiden neu im Raum Regensburg aufgetretenen Fälle legen nahe, dass aktuell erneut Heroin oder eine andere Substanz in Umlauf ist, die mit Milzbranderregern verunreinigt ist – möglicherweise auch außerhalb Bayerns. Der bei den aktuellen beiden Milzbrandfällen gefundene Erreger ist identisch mit dem Ausbruchsstamm 2009/2010.

Für die Behandlung der Infektion mit dem Milzbranderreger stehen prinzipiell wirksame Antibiotika zur Verfügung, die schwere und tödliche Verläufe bei einem Injektions-Milzbrand aber nur dann verhindern können, wenn die richtige Diagnose frühzeitig gestellt wird. Da das klinische Bild zu Beginn der Erkrankung jedoch nicht unbedingt eine Unterscheidung zwischen Milzbrand und einer anderen Haut- oder Weichteilinfektion zulässt, sollten Ärzte bei der Behandlung und Betreuung von Personen, die sich Drogen injizieren, differenzialdiagnostisch frühzeitig an Milzbrand denken und eine gezielte mikrobiologische Diagnostik veranlassen.

Die Infektion beim sogenannten Injektionsmilzbrand erfolgt durch die Injektion einer mit Milzbrandsporen verunreinigten Substanz. Theoretisch ist auch eine Übertragung durch kontaminierte Injektionsutensilien vorstellbar. Typisch ist dabei die Entwicklung einer schweren entzündlichen Weichteilinfektion mit Kompartmentsyndrom und einer nekrotisierenden Fasziitis in der Region der Injektionsstelle.

Bei begründetem Verdacht bietet das Robert Koch-Institut Unterstützung bei der Untersuchung von klinischem Material oder potenziellen Infektionsquellen an. Zusätzlich kann auch eine Beratung zur Gewinnung und zum Versand der Proben erfolgen.

Der Erreger von Anthrax oder Milzbrand, Bacillus anthracis, ist ein stäbchenförmiges Bakterium, das in der Lage ist, Dauerformen, sogenannte Sporen, auszubilden. Er kommt vor allem in Tierbeständen in einigen Gebieten Afrikas und Asiens vor. Menschen in industrialisierten Ländern sind äußerst selten betroffen. Die Milzbrandsporen sind jahrelang überlebensfähig und keimen zu Bakterien aus, sobald sie sich in einer geeigneten Umgebung, zum Beispiel Blut, befinden.

Weitere Informationen, darunter ein RKI-Merkblatt für Ärzte und ein Informations-blatt für Drogenkonsumenten, sind auf den RKI-Milzbrandseiten (www.rki.de > Infek-tionskrankheiten A-Z) abrufbar und direkt auf der Startseite: www.rki.de.

Quelle: Pressemitteilung , Robert Koch Institut, 22.06.12

Cannabis, die Nachwuchsdroge

Kreis Unna. Die Sucht reißt jedes Jahr Hunderte, vielleicht sogar Tausende Menschen im Kreis in den Drogensumpf. Doch immer seltener versinken sie auch darin: 2011 gab es im Kreisgebiet 16 Drogentote.

Der Leiter der Suchtberatungsstelle in Unna, Gerhard Klöpper, sieht den Bundestrend bestätigt. Zwar endet die Drogenkarriere seltener im Tod als in den Vorjahren. Doch die Zahl der Abhängigen bewegt sich nach wie vor auf einem sehr hohen Niveau. Gerade auch die Zahl der Cannabiskonsumenten ist rapide gestiegen. Deshalb könne keineswegs Entwarnung gegeben werden, so Klöpper. Das Konsumverhalten habe sich schlichtweg verändert.

Konkret spiegelt sich das beispielsweise in der Altersstruktur wieder. Jeder zweite Klient der Suchthilfe ist älter als 30 – für Klöpper ein Erfolg von Substitutionsprogrammen für Opiatabhängige. War der Drogentod einst sehr häufig das traurige und frühe Ende eines Leidensweges, ist die Lebenserwartung Süchtiger heute weitaus größer. Zum Beispiel dank des Methadonprogrammes.  Konsumenten werden älter, und letztendlich sinkt auch der Konsum. „Diese Programme wirken“, bilanziert Klöpper.

Sorgen bereitet indes aber das andere Ende des Altersspektrums. Experten geCannabis, die Nachwuchsdrogehen davon aus, dass bundesweit 1,1 Prozent der Jugendlichen im Alter von zwölf bis 17 Jahren regelmäßig Cannabis konsumieren. Erweitert auf die Altersspanne bis 25 steigt der Anteil regelmäßiger Cannabiskonsumenten auf 2,3 Prozent. Das spiegelt sich auch im Kreis wieder: „Fanden bis vor fünf Jahren nur verhältnismäßig wenige Cannabiskonsumenten den Weg in die Beratungsstellen, so ist in den letzten Jahren ein stetiger Anstieg von immer jüngeren Konsumenten illegaler Drogen zu verzeichnen“, heißt es dazu in einem Bericht der Suchthilfe.

In der Statistik für 2011 sieht das konkret so aus: vier Klienten im Alter bis 13 Jahre, 93 zwischen 14 und 17 sowie 267 zwischen 18 und 25: Jeder dritte Klient der Suchthilfe war demnach jünger als 26. „Die jüngere Generation wächst nach“, ist Gerhard Klöpper besorgt, zumal seiner Einschätzung nach 28 Prozent dieser Klienten als Problemfälle einzustufen sind. Hauptsächlich Cannabiskonsumenten, die schon sehr früh angefangen haben. „Es gibt natürlich sehr viele, die probieren mal, hören wieder auf und entwickeln keine Probleme.“ Doch es gibt eben auch jene, die in die berüchtigte Abwärtsspirale geraten – und dann wird es problematisch. „Das sind Leute, die sehr früh angefangen haben, wo sich gesundheitliche Folgen bemerkbar machen.“

Am Anfang stehen oftmals Auffälligkeiten in der Schule, dann kommt irgendwann der Jugendrichter ins Spiel. Und wenn Maßnahmen wie etwa Frühinterventionskurse (nebenstehender Artikel) nicht greifen, droht das Leben aus den Fugen zu geraten. Es folgt der Mischkonsum von Cannabis, Alkohol und härteren Drogen. Eine typische Drogenkarriere.

Insgesamt 1057 Klienten zählte die Suchtberatung im Kreis Unna im vergangenen Jahr. Drogensüch-tige dürfte es im Kreisgebiet allerdings weit mehr geben. „Ich gehe davon aus, dass wir vielleicht 50 Prozent erreichen“, schätzt Klöpper. „Im illegalen Drogenbereich kommen die Leute ja nicht freiwillig – sondern erst, wenn sie mit der Polizei zu tun haben.“

Übrigens: Mit 16 Drogentoten innerhalb 2011 liegt der Kreis über dem Landesdurchschnitt. Allerdings fließen auch Auswärtige in die Statistik mit ein: In der Einrichtung „Lüsa“ in der Stadt Unna leben schließlich über 30 schwer drogenabhängige Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet.

Ausweg führt über „FreD“

Früh eingreifen, wo sich bereits früh Probleme abzeichnen: „FreD“ ebnet für viele junge Drogenkonsumenten den Ausweg aus der Sucht. Auch die Suchthilfe im Kreis Unna hat dieses speziell auf junge Erstkonsumenten zugeschnittene Beratungsangebot im Repertoire. „FreD“ – das heißt Frühintervention bei erstauffälligen Drogenkonsumenten. Der Name ist Programm. Das Angebot richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 14 bis 21 Jahren, die als Konsumenten mit illegalen Drogen experimentieren oder Drogen missbrauchen und auffällig geworden sind. In den „FreD-Kursen“ wird ihnen im Rahmen von sozialer Gruppenarbeit die Möglichkeit geboten, sich mit ihrem eigenen Konsum und den sich daraus ergebenden Konsequenzen kritisch-konstruktiv auseinanderzusetzen. Hauptschwerpunkte sind etwa rechtliche Aspekte des Konsums, Informationen über die Substanzen, Sucht- und Suchtentstehungsprozesse und – gerade bei Heranwachsenden besonders wichtig -, die Selbstwahrnehmung, der Umgang mit Konflikten und Problemen sowie Lebensperspektiven.

Die Kurse sind kostenlos.

Informationen zur Teilnahme bei: David Hofmann, Tel. 02303/ 26 02 oder Matthias Hundt und Gabriele Schmidt, Tel. 02306/ 57 05 0.

Quelle: Alexander Heine, Hellweger Anzeiger, 07.04.12

Drogen- und Suchtbericht 2012

Mechthild Dyckmans, Drogenbeauftragte der Bundesregierung
Mechthild Dyckmans, Drogenbeauftragte der Bundesregierung

Am 22. Mai wurde in Berlin von der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, der Drogen- und Suchtbericht 2012 vorgestellt.

Anlässlich dieser Veröffentlichung erklärte Frau Dyckmans: „In vielen Bereichen zeigen die Maßnahmen zur Verringerung des Drogen- und Suchtmittelkonsums Wirkung. Dennoch gibt es weiterhin Gruppen mit besonders hohem oder riskantem Konsum, die noch besser erreicht werden müssen.“

Der Tabakkonsum von Jugendlichen hat im Jahr 2011 einen erneuten Tiefststand erreicht. Die Zahl der rauchenden Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren ist 2011 auf unter 12 % gesunken. Auch beim regelmäßigen Alkoholkonsum Jugendlicher gibt es einen rückläufigen Trend (2001: 17,9 %; 2011: 14,2 %). Beim Cannabiskonsum geht der Anteil Jugendlicher und junger Erwachsener, die mindestens einmal im Leben Cannabis probiert haben, ebenfalls weiter zurück. Er fiel von 15,1 % im Jahr 2004 auf 6,7 % im Jahr 2011.

Dagegen ist das Rauschtrinken bei älteren Jugendlichen und jungen Erwachsenen immer noch weit verbreitet. Die alkoholbedingten Krankenhauseinweisungen sind weiter gestiegen. Auch der regelmäßige Alkoholkonsum von jungen Erwachsenen (18-25 Jahre) ist unverändert hoch und lag 2001 wie 2011 bei knapp 40 %.

Es zeigt sich zudem, dass das gewerbliche Glücksspiel bei Jugendlichen (16-17 Jahre) und bei jungen Erwachsenen (18-20 Jahre) stark zugenommen hat. Dies ist mit einem höheren Suchtrisiko für diese Altersgruppe verbunden. Zunehmend verbreitet ist auch der exzessive oder pathologische Computerspiel und Internetgebrauch bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Etwa 250.000 der 14- bis 24- Jährigen gelten als internetabhängig, 1,4 Mio. als problematische Internetnutzer.

Quelle: Pressemitteilung der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, 22. Mai 2012

Hintergrund:

Der jährlich von der Drogenbeauftragten veröffentlichte Drogen – und Suchtbericht gibt einen Überblick  über die Aktivitäten der Bundesregierung  im Bereich Drogen und Sucht des vergangenen Jahres auf nationaler und internationaler Ebene.

Den aktuellen Drogen – und Suchtbericht sowie weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter:

www.drogenbeauftragte.de

Zahl der Drogentoten 2011 stark gesunken

Mechthild Dyckmans, Drogenbeauftragte der Bundesregierung
Mechthild Dyckmans, Drogenbeauftragte der Bundesregierung

Die Zahl der Drogentoten ist im Jahr 2011 auf 986 um 20 Prozent im Vergleich zumVorjahr (1.237) stark gesunken – damit hat die Zahl der Drogentoten den niedrigsten Stand seit 1988 erreicht. Das Durchschnittsalter der Drogentoten ist weiter angestiegen und liegt bei 37 Jahren.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Mechthild Dyckmans erklärt dazu:„Dieser starke Rückgang ist ein erfreulicher Trend und zeigt, dass die bestehenden Hilfs- und Behandlungsangebote erfolgreich sind und daher fortgesetzt werden müssen. Angebote wie die qualitätsgestützte Substitutionsbehandlung mit Methadon oder Buprenorphin, die diamorphingestützte Behandlung, Drogenkonsumräume, Spritzentauschangebote, Beratung sowie medizinische und soziale Hilfsangebote tragen maßgeblich dazu bei, dass Drogenabhängige überleben können und gesundheitlich stabilisiert werden.”

Die Zahl der polizeilich erstauffälligen Konsumenten harter Drogen ist im Jahr 2011 um 14 Prozent auf insgesamt 21.315 angestiegen. Die erfolgreichen Anstrengungen in der Drogen- und Suchtpolitik schlagen sich auch bei der Sicherstellung illegaler Substanzen nieder. Die Gesamtsicherstellungsmenge von Amphetamin und Methamphetamin ist auf ein Rekordniveau von rund 1,4 Tonnen angestiegen. Insbesondere bei kristallinem Methamphetamin (so genanntes„Crystal“) konnten die Strafverfolgungsbehörden 2011 deutlich größere Mengen sicherstellen als im Jahr zuvor. Darüber hinaus wurden in Deutschland 717 Cannabis-Anbauplantagen sichergestellt, davon 34 so genannte „Profiplantagen“ mit Anbaukapazitäten von über 1.000 Pflanzen.

BKA-Präsident Jörg Ziercke: „Wir müssen der Betäubungsmittelkriminalität weiterhin mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln – präventiv wie repressiv – entgegentreten. Dies zeigen etwa die hohen Sicherstellungsmengen von Amphetamin und Methamphetamin, die überwiegend aus unseren Nachbarländern eingeschmuggelt und für den deutschen Konsummarkt bestimmt waren. Aber auch die Entwicklungen im Bereich der neuen psychoaktiven Substanzen müssen wir weiterhin im Auge behalten. So genannte „Legal High“ – Produkte, die beispielsweise als Kräutermischungen oder Badesalze verkauft werden, enthalten Betäubungsmittel oder ähnlich wirkende chemische Inhaltsstoffe, deren Wirkung nicht abschätzbar ist und von schwersten Vergiftungen bis hin zum Tod führen kann.Von Cannabis, das durch die zunehmende Züchtung in Indoor-Plantagen häufig eine deutlich höhere Wirkstoffkonzentration aufweist, geht ebenfalls ein nicht zu unterschätzendes Gesundheitsrisiko aus.

Quelle: Pressemittleilung der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, 26.03.2012.

Weitere Zahlen und Fakten zur Rauschgiftlage 2011 können über die Homepage des BKA unter www.bka.de und unter www.drogenbeauftragte.de abgerufen werden.

Drogen statt Koma-Saufen

Zahl der Klienten hat sich in der Beratungsstelle Schwerte in zehn Jahren verdoppelt

Schwerte. In den vergangen zehn Jahren haben sich die Klientenzahlen der Drogenberatung Schwerte mehr als verdoppelt. Über 150 Fälle verzeichnet die Statistik für das vergangene Jahr. Neben jungen Erwachsenen sind vor allem Senioren zunehmend betroffen.

Hinter jeder der Zahlen liegt eine Geschichte. Meist sind es Probleme mit Opiaten, die überwiegend Männer in die Drogenberatungsstelle treiben. Aber auch der Cannabiskonsum ist ein ernstes Thema in der Ruhrstadt. Kokain, Stimulanzien und Halluzinogene spielten in der Beratung vor Ort kaum eine Rolle. Dabei gibt es nach Angaben von Drogenberater André Palm zwei Hauptaltersgruppen, die in sein Büro an der Kötterbachstraße kommen. Entweder sind die Menschen zwischen 18 und 25 Jahren oder zwischen 31 und 40 Jahren alt. Gut ein Drittel der Klienten meldeten sich selber bei der Drogenberatung an.

Kooperationspartner

Ein weiteres Drittel wurde vom Arzt oder Psychotherapeuten zur Beratung geschickt. Auch Familien, Jugendamt und Arbeitgeber waren Anlass für Menschen, die Beratungsstelle aufzusuchen. Demzufolge ist auch die Familie ein wichtiger Kooperationspartner für Palm.

Denn obwohl die Zahl der jugendlichen Koma-Säufer zurückgegangen ist – in den Krankenhäusern wurden 2010 fast doppelt so viele junge Menschen wegen Drogenmissbrauchs behandelt wie vor fünf Jahren. „Der Mischkonsum nimmt zu“, sagt Gerd Klöpper von der Suchtberatung in Unna. In drei Viertel aller Fälle führe der Weg vom Alkohol zu so genannten weichen Drogen wie Cannabis. Deren Konsum sei für viele Jugendliche zur einer „Alltagserfahrung“ geworden. „Diese Drogen sind leicht verfügbar und werden zunehmend akzeptiert“, so Klöpper.

Senioren greifen zu

Und auch bei Menschen über 45 verzeichnet die Drogenberatung einen deutlichen Anstieg der Fallzahlen. Das sei zum einen dadurch bedingt, dass Ex-Drogenabhängige im Methadonprogramm eine höhere Lebenserwartung hätten. „Es gibt aber auch Senioren, die im Alter plötzlich zu Alkohol und Medikamenten greifen“, sagt Gerd Klöpper. Das liege wohl auch daran, dass immer mehr Menschen von Altersarmut und bedrückenden Lebensumständen betroffen seien.

Quelle: Heiko Mühlbauer, Anne Petersohn, Ruhrnachrichten, 15.02.12

Neue FreD – Kurse 2012

Die neuen Termine für die Frühinterventionskurse bei erstauffälligen Drogenkonsumenten (FreD) in unseren Beratungsstellen Unna und Lünen für das Jahr 2012 stehen fest.

Die Kurse finden an folgenden Terminen statt:

In der Beratungsstelle Unna:

1.    Kurs: 06.03.12; 08.03.12 und am 13.03.12

2.    Kurs: 25.09.12; 27.09.12 und am 02.10.12

In der Beratungsstelle Lünen:

1.    Kurs: 12.06.12; 14.06.12 und am 19.06.12

2.    Kurs: 04.12.12; 06.12.12 und am 11.12.12

 

Anmeldungen sind ab sofort über die Drogenberatungen Unna und Lünen möglich.

Mehr zu FreD erfahren Sie hier.

Zahl der Krankenhausbehandlungen

…durch Alkoholvergiftungen von Kindern rückläufig, weiterhin leichter Anstieg bei Jugendlichen

Zu den heute vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten aktuellen Zahlen der Krankenhauseinweisungen von Kindern und Jugendlichen sowie der jungen Erwachsenen erklärt die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans: „Der Rückgang der Krankenhauseinlieferungen wegen einer Alkoholvergiftung um 5,5% bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 10 bis 15 Jahren ist eine gute Nachricht. Jedoch ist die Zahl bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 15 bis 20 Jahren – bezogen auf 100.000 Personen dieser Altersgruppe – weiter um 2,9% leicht angestiegen. Die Anzahl der eingelieferten Kinder und Jugendlichen ist mit 25.995 leider insgesamt immer noch viel zu hoch. Der Trend zum Rauschtrinken bei einem Teil der jungen Menschen besteht weiterhin und muss durch stärkere Präventionsanstrengungen, eine größere Beachtung des Themas in der Öffentlichkeit und die konsequente Einhaltung des Jugendschutzes umgekehrt werden.“ Die Krankenhausdiagnosestatistik zeigt außerdem: Psychische und verhaltensbedingte Störungen durch Alkohol liegen insgesamt auf Platz 2 der Statistik. Dazu erklärt die Drogenbeauftragte: „Wir haben ein gesellschaftliches Problem mit dem riskanten und missbräuchlichen Alkoholkonsum. Das heißt, wir brauchen mehr Aufklärung über die Risiken des Alkoholmissbrauchs, verstärkte Präventionsanstrengungen und frühzeitige Behandlung, um hier eine Trendwende zu erreichen.“

Hintergrund:

Im Jahr 2010 wurden insgesamt 25.995 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 10 und 20 Jahren wegen einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert; 2009 waren es 26.428 Personen. Damit ist die absolute Zahl der Krankenhauseinweisungen bei Kindern und Jugendlichen zwar leicht zurückgegangen. Bezogen auf 100.000 Personen dieser Altersgruppe ist dies jedoch eine Steigerung um 0,3% im Vergleich zu 2009. Die Zahl der 10- bis 15-jährigen Kinder und Jugendlichen ist mit 5,5% rückläufig (von 108,7 auf 102,8 pro 100.000 Personen), die Zahl der 15- bis 20-jährigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit 2,9% weiter angestiegen (von 499 auf 513,3). Am deutlichsten ging die Zahl der betrunkenen Jungen zwischen 10 und 15 Jahren um 7,3% zurück (von 102,6 auf 95,1).

Quelle: Pressemitteilung der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, 13.12.11

Dank an die Säulen des Zusammenlebens

Foto: Sarad / Hellweger-Anzeiger
Foto: Sarad / Hellweger-Anzeiger

Ohne das Engagement aktiver Vereine wäre die Stadt ärmer. Deswegen hat die Sparkasse eine Reihe von Vereinen in diesem Jahr mit 30 000 Euro unterstützt. Primär kamen die Spenden Kindern und Jugendlichen zugute. Die Vereine konnten unter anderem eine Kletteranlage für Kindergartenkinder anschaffen, den Instrumentalunterricht fördern oder die Suchthilfe unterstützen. Gestern übergaben Sparkassen – Vorstandsvorsitzender Klaus Moßmeier und der Verwaltungsratsvorsitzende Michael Hoffmann die Spenden symbolisch an Vertreter dieser Vereine und Institutionen: Förderverein der Peter-Weiss-Gesamtschule, Suchthilfe im Kreis Unna, Kleingärtnerverein Königsborn, Mensa und Bistroverein in Königsborn, Motor-Sport-Club Heeren-Werve, Musikverein Unna, jüdischer kulturell-integrativer Verein Stern, THW-Helfervereinigung Unna, Vereinigung Akustikus Neurinom, Verein Kurparkwichtel.

Quelle: Hellweger-Anzeiger, 30.11.11

Gute Aufklärung über Konsequenzen des Qualmens

Lünen. Der Erfolgsfall liegt sanft schlummernd in einem kleinen Bettchen des St.-Marien-Hospitals und trägt den Namen Aaliyah. Aaliyah ist zwei Tage alt, sie ist das neugeborene Kind von Bianca Gehrke. Einer Mutter, die sich vor der Schwangerschaft das Rauchen abgewöhnt hat:“ Man macht sich ja doch Gedanken über die Gefahren für das Kind“, sagt sie.

Damit ist sie zwar keine Ausnahme, doch noch sorgen sich zu wenige Mütter und werdende Mütter um Folgeschäden durch Alkohol-, Nikotin-, und Drogenkonsum für ihren Nachwuchs. Dem wollte die Kampagne „Ich hab Dich lieb…deshalb rauche und trinke ich nicht!“ entgegenwirken. Gestern wurde nun ein gemeinsames Resümee der Beteiligten von elf sozialen Einrichtungen gezogen, die im Zeitraum von März bis November 2011 in Lünen informiert und sensibilisiert hatten

Persönliche Ansprache

Laut Auskunft von Ellen Pilzecker vom Familienbüro der Stadt, ging es einerseits darum, die breite Öffentlichkeit auf die Gefahren hinzuweisen und andererseits konkret, durch persönliche Ansprache, (werdende) Mütter aufzuklären.“ Hier haben wir insgesamt etwa 1800 Personen erreicht“, so Pilzecker. Auch deshalb wurde die Aufklärungskampagne als Erfolg eingestuft. Anja Wolsza von der Schwangerenberatungsstelle Hamm-Werne konnte von „mindestens drei Fällen“ berichten, bei denen es gelungen sei, werdenden Müttern durch Akupunktur das Rauchen zu entwöhnen.

Mütter mit Schamgefühl

Die Unterstützer der Kampagne waren sich darin einig, dass zahlreichen  Raucher-Müttern zwar bewusst ist, dass sie etwas falsch machen. Allerdings:“ Viele haben Hemmungen oder Schamgefühle, auch darüber zu sprechen“, erklärte Christine Windfuhr-Koch von der Beratungsstelle für Schwangerschaftsprobleme und Familienplanung der AWO. Gerade deshalb sei es wichtig, dass sie mit der Kampagne „wertfreie Unterstützung“ erhalten haben, so Wolsza. Dr. Donat Romann, Chefarzt der Gynäkologischen und Geburtshilflichen Abteilung schätzt, dass aktuell etwa 60 Prozent der von ihm behandelten Frauen Raucherinnen seien. Ein Blick in friedliche Gesichter von Neugeborenen wie das der gesunden  Aaliyah sollte Grund genug sein, um diese Quote künftig zu reduzieren. Eigentlich.

Quelle: Ruhrnachrichten,mm,18.11.2011

Eltern zerstören den Lebensplan ihrer Kinder

Lünen. Wenn Schwangere Alkohol trinken, illegale Drogen nehmen, rauchen und Eltern ihre Kinder zuqualmen, sind die gesundheitlichen Risiken riesengroß. Eine breit angelegte Präventionskampagne  mit elf beteiligten Einrichtungen hat neun Monate lang viele Eltern erreicht und sie für die Probleme sensibilisiert.

„Ich habe Dich lieb, deshalb rauche und trinke ich nicht“ hieß es auf Flyern, in Vorträgen, auf Informationsabenden, bei vielen Begegnungen und es wurden rund 1800 Personen in persönlichen Gesprächen und 170 Mitarbeiter/-innen aus Einrichtungen erreicht, bilanzierte gestern Ellen Pilzecker vom Lüner Familienbüro im Rückblick. Heute wird ab 16 Uhr im Pfarrheim von St. Marien eine Abschlussfeier geben.

Wir haben werdende Eltern angesprochen und Raucherentwöhnungs-Akupunktur angeboten“, berichtete Anja Wolsza von der katholischen Schwangerenberatung. Dreimal sprach das Familienbüro im Rathaus Passantinnen an und verteilte Info-Material. Das Elternbegleitbuch sei um das Kampagne-Thema erweitert worden, teilte Ellen Pilzecker mit. Die Ärztin Susanne Hann vom Gesundheitsamt hielt Vorträge über das hohe Risiko für Kinder, auch die AWO-Beratungsstelle habe das in vielen Gesprächen thematisiert, betonte Christine Windfuhr-Koch.

Besonders problematisch sind Schwangerschaften und der Konsum illegaler Drogen. Die Drogenberatungsstelle erreichte werdende Eltern in Kooperation mit dem Jugendamt. Manche würden befürchten, dass ihnen die Kinder weggenommen werden, weiß Olaf Weißenborn aus der Arbeit mit Abhängigen.

Über die Elternschule war auch das Marienhospital beteiligt. Geburtsklinik – Chefarzt Dr. Donat Romann:“ Wir wissen, wie dramatisch gefährlich die Drogen Nikotin und Alkohol sind und haben zusammen mit der Kinderklinik ein Alkohol-Beispiel durchgespielt, das sehr beeindruckt hat.“Eltern würden eine regelrechte Lebensplanungszerstörung betreiben. 60 Prozent der Schwangeren, die in die Geburtsklinik kommen, sind oder waren Raucherinnen.

Jede Zigarette verringere die Durchblutung der Gebärmutter, die Zahl der Fehlgeburten steige. Hinzu kämen die Atemwegserkrankungen der kleinen Passivraucher, sagt der Mediziner. Und nicht zuletzt sinke die Fruchtbarkeit.

Quelle: Westfälische Rundschau, Gerd Kestermann, 18.11.2011

Der Stoff aus dem Chemielabor. Speed, Spice und Co.

Mechthild Dyckmans, Drogenbeauftragte der Bundesregierung
Mechthild Dyckmans, Drogenbeauftragte der Bundesregierung

Synthetische Drogen sind nach Cannabis die am häufigsten konsumierten illegalen Substanzen in Deutschland. Etwa 2 Mio. Erwachsene im Alter von 18 bis 64 Jahren haben bereits irgendwann einmal in ihrem Leben Amphetamine (Speed) konsumiert. Etwa 150.000 Erwachsene dieser Altersgruppe nehmen regelmäßig Amphetamine. Etwa 400.000 Erwachsene haben schon einmal neue synthetische Substanzen, d.h. Spice-ähnliche Produkte, wie Räuchermischungen oder auch Badesalze probiert.

Dazu erklärt die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans: „Vor besondere Herausforderungen stellen uns derzeit synthetische Substanzen, von denen immer wieder neue auf den Markt kommen. Diese Substanzen bergen unkalkulierbare gesundheitliche Risiken für die Konsumenten. Wir müssen uns deshalb sowohl in unseren Präventionsbemühungen als auch bei der strafrechtlichen Bekämpfung dieser Stoffe auf die neuen Herausforderungen einstellen.“

Ein Verbot neuer synthetischer Drogen kann derzeit erst nach einem aufwändigen Verfahren durch Unterstellung unter das Betäubungsmittelgesetz erreicht werden. Händler bewerben diese Substanzen bis zu ihrer Unterstellung gezielt als angeblich legale Alternative. Deshalb hat das Bundesministerium für Gesundheit ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben, um Wege aufzuzeigen, wie effektiver auf diese Entwicklungen reagiert werden kann. Das Gutachten der Professoren Dr. Dieter Rössner und Dr. Wolfgang Voit von der Philipps-Universität Marburg zeigt auf, welche rechtlichen Möglichkeiten für ein schnelleres und wirkungsvolleres strafrechtliches Verbot bestehen. „Ich werde mich dafür einsetzen,“ so die Drogenbeauftragte, „dass wir auf Grundlage dieses Gutachtens das Betäubungsmittelrecht an die Herausforderungen des sich schnell verändernden Marktes synthetischer Drogen anpassen.“

Hinsichtlich der notwendigen Präventionsangebote stellt die Drogenbeauftragte fest: „Wir brauchen zielgruppenspezifische Präventionsangebote, um die Konsumenten über die Gefahren der neuen synthetischen Drogen aufzuklären. Bislang sind die Kenntnisse über die Konsumenten der neuen synthetischen Drogen noch gering.“ Deshalb hat das Bundesministerium für Gesundheit beim Centre for Drug Research, Frankfurt a.M. eine Konsumentenbefragung in Auftrag gegeben. Die nicht repräsentative Online-Befragung unter der Leitung von Dr. Bernd Werse, schafft eine erste Grundlage für eine gezielte Ausrichtung der Präventionsangebote in diesem Bereich. Die Umfrage ergab, dass 89% der Konsumenten männlich und im Schnitt 24 Jahre alt sind. Nahezu alle Befragten hatten Erfahrungen mit Cannabis, 80% auch mit anderen illegalen Drogen. Das deutet darauf hin, dass durch die neuen Substanzen in der Regel keine neue Konsumentengruppe für psychoaktive Substanzen angesprochen wird. Auffällig ist auch, dass die Konsumenten über eine deutlich überdurchschnittliche Schulbildung verfügen.

Drogenkonsum in Deutschland unverändert

…Vorstellung der Jahresberichte der deutschen und europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht

Berlin, 15. November 2011

Der heute in Lissabon vorgestellte Jahresbericht der EBDD weist darauf hin, dass der Gesamtkonsum illegaler Drogen in Europa relativ stabil ist. Einige positive Anzeichen sind ein Rückgang des Konsums von Cannabis insbesondere unter jüngeren Menschen und der Umstand, dass der Höhepunkt des Konsums von Kokain wohl überschritten ist.

Dagegen stellen neue Phänomene die Mitgliedsstaaten vor Herausforderungen. Dazu gehören insbesondere Entwicklungen im Bereich synthetischer Drogen und Konsummuster, bei denen zahlreiche Substanzen parallel konsumiert werden (so genannter polyvalenter Konsum). „Wir müssen uns gleichermaßen den ‚alten’ Drogen wie auch den sich rasant verändernden Märkten neuer synthetischer Substanzen widmen. Wir wissen noch zu wenig über mögliche Risiken des Konsums vieler der neuen Drogen und stehen noch am Anfang bei der Entwicklung von politischen und therapeutischen Lösungen zum Umgang mit diesen Phänomenen. Gleichzeitig müssen wir unsere Bemühungen verstärken, Angebote für diejenigen Menschen (weiter) zu entwickeln, die in vielerlei Hinsicht mit den Folgen des Konsums klassischer Drogen wie Heroin zu kämpfen haben,“ so Tim Pfeiffer-Gerschel vom IFT München.

Kinder aus suchtbelasteten Familien noch besser unterstützen

Ein besonderes Thema des deutschen Jahresberichts (Reitox-Berichts) ist die Situation der Kinder von suchtkranken Eltern. Schätzungen zufolge leben in Deutschland 30.000 bis 60.000 Kinder von drogenabhängigen Eltern. Diese Kinder sind besonders häufig von Armut und sozialer Benachteiligung betroffen. Einige dieser Kinder sind bereits im Mutterleib durch den Drogenkonsum ihrer Mütter gesundheitlich geschädigt worden. Häufig leiden sie unter Entwicklungsverzögerungen oder Missbildungen.

„Kinder aus suchtbelasteten Familien und deren Eltern erhalten in unserem Land häufig noch nicht die Unterstützung, die sie benötigen,“ so die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Mechthild Dyckmans. „Es ist unsere Aufgabe, den betroffenen Personen Hilfen zur Seite zu stellen. Ich setze mich daher für eine Verbesserung ihrer Situation ein. Ein erster erfolgreicher Schritt ist uns durch das neue Bundeskinderschutzgesetz gelungen. Die öffentliche Jugendhilfe wird nun durch das Gesetz verpflichtet, bei einer von Sucht betroffenen Familie mit den örtlichen Suchtberatungsstellen zusammenzuarbeiten.“

Quelle: Pressemitteilung der DBDD vom 15.11.2011

Zur Deutschen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht

Zur Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht

Neue Selbsthilfegruppe in Schwerte

Schwerte. In Schwerte gründet sich eine neue Selbsthilfegruppe für Substituierte.  Die Gruppentreffen sollen einmal wöchentlich stattfinden. Der Erfahrungsaustausch in der Gruppe soll helfen, die eigene Lebenssituation zu stabilisieren. Geplant sind zukünftig neben der Information und Begleitung bei arbeitsbetreffenden und rechtlichen Angelegenheiten und dem Austausch mit anderen Selbsthilfegruppen, die gemeinsame Freizeitgestaltung.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an: K.I.S.S., Kontakt und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen, Kleppingstraße 4, 58239 Schwerte. Ansprechpartnerin: Frau Anette Engelhardt, Tel.: 02304.240 70  22.

Suchthilfe warnt vor neuer Droge „Krokodil“

Am zurückliegenden Wochenende wurden in Bochum die ersten Fälle von Desomorphinkonsum bekannt. Die aus Russland stammende Droge, die zunächst im Raum Frankfurt angeboten wurde, wird von Insidern auch „Krokodil“ oder „Krok“ genannt. Sie gilt als Heroinersatz, ist allerdings wesentlich gefährlicher. Die körperliche Abhängigkeit kann bereits nach einer sehr kurzen Konsumzeit beginnen. Außerdem muss das Desomorphin häufiger gespritzt werden, da der Rausch nur ca. zwei Stunden anhält.

Innerhalb weniger Stunden verfärbt sich die Haut an den Einspritzstellen grün-grau (daher „Krokodil“) und stirbt ab. Nicht selten kommt es danach zu großflächigen Haut- und Gewebeschäden, evt. sogar zu Amputation von Körperteilen, zum Leberversagen und zu platzenden Blutgefäßen.

Eine in Bochum betroffene Person ging davon aus, dass sie ausschließlich Heroin erworben und anschließend gespritzt habe. Es ist daher davonauszugehen, dass im Raum Bochum zurzeit Heroin verkauft wird, dem das lebensgefährliche Desomorphin beigemischt wurde. Mittlerweile haben sich vier Personen gemeldet, bei denen die Hautverfärbungen aufgetreten sind.

Alle glaubten, Heroin erworben zu haben. Die Bochumer Krisenhilfe und die Bochumer Polizei warnen ausdrücklich vor dem Konsum dieser Droge! Das Kennzeichen des Konsums vom „Krokodil“ sind ungewöhnliche/außerordentliche Gewebeschäden bzw. Abszesse im Zusammenhang mit einem Opiatkonsum.

Quelle: Polizeipräsidium Bochum, Uhlandstr. 35, 44791 Bochum, Tel.: +49 234 909 – 1023

Neueröffnung der Beratungsstelle Unna

Schwerer Weg: Entgiftung– Entwöhnung – Nachsorge Gemeinnützige Gesellschaft für Suchthilfe eröffnet eigene Beratungsstelle Unna „Die Zahl der Drogenabhängigen steigt und die Art der illegalen Drogen hat sich verändert.“ Es ist eine erschreckende Aussage, die Gerd Klöpper macht.

Doch es besteht Hoffnung – für alle Betroffenen. Insbesondere durch die gestern an der Bahnhofstraße 3 eröffnete Drogenberatungsstelle der Gemeinnützigen Gesellschaft für Suchthilfe, dessen Leitung der Diplom-Sozialpädagoge Klöpper inne hat. Und auch wenn die Geschichte der Suchtkrankenhilfe in Unna eine lange Geschichte hat, ist die der Gemeinnützigen Gesellschaft Suchthilfe im Kreis Unna mbH eine sehr junge.

Angefangen hat alles bereits 1982 mit der Gründungsversammlung der Anonymen Drogenberatung (ADU). Gründungsmitglieder waren die Städte und Gemeinden des Kreises Unna und der Kreis Unna selbst. Nur Schwerte war damals nicht dabei. In der Zwischenzeit bis heute passierte so manches, so wurde die erste Beratungsstelle in Kamen eröffnet, die dann nach Unna umzog, die zweite Beratungsstelle in Lünen kam hinzu. 1992 wurde bereits der Kontaktladen in Unna eröffnet – als erstes und einziges Angebot für Drogenabhängige im Kreisgebiet.

2001 trat auch Schwerte der ADU bei, trat dann aber 2006 wieder aus – es folgte der Austritt weitere Städte und Gemeinden. Und so wurde am 1. Januar 2011 die Gemeinnützige Gesellschaft für Suchthilfe in einhundertprozentiger Kreisträgerschaft gegründet. Gestern ist die Beratungs- und Geschäftsstelle an der Bahnhofstraße 3 offiziell ihrer Bestimmung übergeben worden. Landrat Michael Makiolla lobte diese Einrichtung, mahnte zugleich aber auch, dass sie die Suchthilfe nicht allein wahrnehmen könne. Er richtete einen Appell an die Kooperationspartner wie die Aids-Hilfe, die Caritas, den Kreissportbund oder auch die Polizei, gemeinsam im Dienst der Sache zu arbeiten. Der Kreis jedenfalls stehe immer zur Seite.

Die Klienten der Beratungsstelle sind allesamt abhängig von sogenannten illegalen Drogen, nehmen Opiate, Cannabis oder Hasch zu sich. Und gerade diese Klienten sind es, die es einer Einrichtung wie dieser Beratungsstelle schwer macht, geeignete Räume zu finden. Nicht jeder Vermieter, so erklärte gestern Geschäftsführer Josef Merfels, möchte Drogenabhängige in seinem Haus haben. „Das ist das ’Kino im Kopf‘“, fügt Gerd Klöpper an, dass die Vermieter und Hausbewohner befürchten, die Klienten würden Ärger machen oder randalieren – und das sei nur schwer aus den Köpfen der Menschen herauszubekommen.

Nun hat die Gemeinnützige Gesellschaft für Suchthilfe auch eigens im Treppenhaus der neuen Bleibe Überwachungskameras anbringen lassen –das aber nur vorsorglich. Der Weg eines Suchtkranken ist kein Leichter, wenn er von den Drogen loskommen und mit seinem eigenen Leben klarkommen möchte. In der Drogenberatung spricht man von der Entgiftung (mithilfe der Medizin), der Entwöhnung und der Nachsorge. Und da steht die Beratungsstelle mit ihren Therapeuten den Drogenabhängigen zur Seite.

Die Gemeinnützige Gesellschaft für Suchthilfe beschäftigt Diplom-Sozialarbeiter, Diplom-Sozialpädagogen unter anderem mit anerkannter Suchttherapieausbildung, Verwaltungs- und Hauswirtschaftskräfte. An Klienten wird es nicht mangeln, denn laut Gerd Klöpper zählt der Kreis Unna 1200 Drogenkonsumenten und 420 Substituierte. Die Gemeinnützige Gesellschaft für Suchthilfe wird sich noch in diesem Jahr einem weiteren Thema annehmen, dem Thema der alkoholisierten Jugendlichen und der Prävention. Eigens für diesen Bereich wird eine Präventionsfachkraft zuständig sein. Dieser Mitarbeiter „holt“ die Jugend sozusagen bereits in den Schulen ab, klärt auf und arbeitet eng zum Beispiel mit den Ordnungsdiensten oder den Streetworkern zusammen. Ein Aufgabenbereich ist die Beratung der Eltern.

v.l..: Dirk Kolar, Renate Nick, Matthias Hundt, Michael Makiolla, David Hofmann, Wilfried Bartmann, Gerd Klöpper, Josef Mehrfels und Ulrike Schmidt.
v.l..: Dirk Kolar, Renate Nick, Matthias Hundt, Michael Makiolla, David Hofmann, Wilfried Bartmann, Gerd Klöpper, Josef Mehrfels und Ulrike Schmidt.

Quelle: Hellweger Anzeiger; von Yvonne Schütze-Fürst