Kategorie-Archiv: Aktuelles

„Eltern sind als Vorbilder wichtig“

Experte der Suchthilfe über Gefahren

Matthias Hundt

Lünen. 650 Lüner Schüler werden am 18. und 19. Mai im Hansesaal erwartet. Sie sehen das Theaterstück „Alkohölle“. Das Wittener Ensemble „theaterspiel“ zeigt darin, was Alkohol mit jungen Menschen machen kann. Wir sprachen im Vorfeld mit Organisator Matthias Hundt, bei der Suchthilfe im Kreis Unna für die Suchtvorbeugung zuständig.

Was erhoffen Sie sich von dem Stück?

Es will die Schüler über Emotionen erreichen. Anschließend erwarte ich eine kritische Reflektion. Lehrer sollen mit ihren Schülern, Eltern mit ihren Kindern sprechen.

Zielgruppe sind Acht- und Neuntklässler, also 13- bis 14-Jährige. Warum?

Weil es mit 13, 14 spannend wird. Für viele Jugendliche ist es dann cool, Alkohol zu trinken. Das hat mit Grenzüberschreitung zu tun, das hat damit zu tun, dass sie wie Erwachsene sein wollen.

Wo liegen die Gefahren?

Einmal im körperlichen Bereich. Dem jungen Organismus fehlt ein Enzym, um Alkohol abbauen zu können. Dieses Enzym ist erst mit 21 Jahren voll entwickelt. Außerdem muss man wissen, dass eine Alkoholvergiftung lebensbedrohlich sein kann.

Was passiert im Kopf eines Jugendlichen, der Alkohol trinkt?

Es kommt zu Enthemmungen, die moralische Instanz wird herabgesetzt. Mädchen sind möglicherweise nicht mehr in der Lage, sich vor sexuellen Übergriffen zu schützen. Mit der Zeit kann ein verhängnisvoller Effekt entstehen: ich trinke Alkohol, um subjektiv einen besseren Gefühlszustand zu erreichen.

Beginnt damit der Weg in die Abhängigkeit?

Wenn ein Mensch abhängig wird, liegt es am Menschen, nicht an der Droge. Häufig spielen Stress und Druck eine Rolle. Jugendliche mit starkem Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen können negative Situationen auf natürliche Weise verarbeiten. Bei anderen lernt das Gehirn: Ich kann entspannen, wenn ich trinke, ich kann ein paar schöne Stunden ohne Stress haben.

Was folgt daraus für die Eltern?

Sie sind gefordert. Denn die Basis für Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen wird in Kindheit und Jugend durch Erziehung und Vorbild gelegt.

Was bedeutet Vorbild konkret beim Thema Alkohol?

Wenn in einer Familie regelmäßig und viel getrunken wird, erkennt das Kind keinen Grund, warum es das nicht machen sollte. Eltern müssen sich dieser Vorbildrolle bewusst sein.

Sollten Eltern ihren Kindern den Alkoholkonsum verbieten?

Nein, dadurch kann Alkohol erst recht interessant werden. Ich bin gegen den erhobenen Zeigefinger. Aber Eltern sollten mit ihren Kindern über die Gefahren reden und ihnen klar machen,  warum sie mit ihnen darüber reden – weil sie nämlich ihre Kinder lieb haben, weil sie sich Sorgen um sie machen. Auf dieser Ebene sind Kinder und Jugendliche erreichbar.

Was sind Alarmsignale für gefährlichen Alkoholkonsum?

Regelmäßiger Alkoholkonsum, Rückzug, ein Freundeskreis, in dem Drogen üblich sind, können solche Signale sein. Am allermeisten sollten sich Eltern aber nach ihrem Bauchgefühl richten. Meine tiefste Überzeugung ist: Wenn ich zu meinem Kind einen Draht habe, dann fühle ich, wenn etwas mit ihnen nicht stimmt.


BVB-Stiftung trägt Kosten

  • Zum Theaterstück „Alkohölle“ sind alle Achtklässler der weiterführenden Schulen eingeladen worden.
  • Am 18. Mai gibt es zwei Vorstellungen im Hansesaal, am 19. Mai eine
  • Begleitend gibt es Veranstaltungen für Lehrer und Eltern
  • Die Stiftung „leuchte auf“ von Borussia Dortmund hat die Kosten von circa 2500 Euro komplett übernommen, wofür sich Matthias Hundt (Suchthilfe) ausdrücklich bedankt.
  • Die Suchthilfe im Kreis Unna, eine gemeinnützige Gesellschaft, hat ihr Lüner Büro im Lippezentrum, Münsterstr. 1 L. (www.suchthilfe-unna.de)

Peter.Fiedler@mdhl.de

Quelle: Ruhr Nachrichten 16.05.2017

Foto: RN-Foto Fiedler

Lebensnah über Sucht sprechen

Präventionstag für die Stufe Zehn am vom-Stein-Gymnasium
„Wir wollen über die reine Wissensvermittlung hinausgehen“, erklärt Matthias Hundt,
Präventionskraft der Suchthilfe GmbH im Kreis Unna. Deshalb versuchte er gestern,
gemeinsam mit den Schülern der Jahrgangsstufe Zehn des Freiherr-vom-Stein Gymnasiums (FSG) einen emotionalen Zugang zum Thema Alkohol- und Drogensucht zu finden. Gemeinsam mit seinem Kollegen Olaf Weißenborn, Sozialarbeiter in der Suchtberatungsstelle Lünen, zeigte er den Schülern einen Hollywoodfilm.
Anhand der Geschichte eines Mädchens, das Familienprobleme und Liebeskummer mit Alkohol und Drogen überdeckte, wird darin die Gefahr des Einstiegs in eine Sucht thematisiert. „Ich glaube, wir haben die Schüler erreicht, das ist in dieser Altersklasse gar nicht so einfach“, freute sich Hundt. Emotionaler Zugang In einer Diskussionsrunde konnten die Schüler im Anschluss ihre Eindrücke aus dem Film reflektieren. „Haben denn Menschen, die süchtig werden, meistens eine schlimme Vorgeschichte?“, fragte ein Schüler. Weißenborn bejahte dies und erklärte, man müsse andere Strategien als die Flucht in die Drogen finden, um mit solchen Lebenskrisen umzugehen. „Je früher man mit abhängig machenden Substanzen anfängt, umso schwerer ist es, davon loszukommen“, gab er den Schülern als Merksatz mit. Jugendliche seien besonders gefährdet, weil während der Pubertät neue Synapsen geknüpft werden. „Füttert man das Gehirn in dieser
Zeit mit Nikotin, setzt sich das als Verhaltensmuster fest“, so Weißenborn. Die Aktion
organisierte Wilhelm Böhm, der am FSG der Ansprechpartner für Suchtthemen ist. In drei
Jahrgangsstufen gibt es am FSG Programme zur Suchtprävention. Die Sechstklässler nehmenam Nichtraucherprojekt „Be smart-don‘t start“ teil, in den achten Klassen steht thematisch der Alkohol im Mittelpunkt. „Weil man in diesem Alter schon mit illegalen Drogen in Kontakt kommen könnte, wollen wir auch das ansprechen. Wir versuchen, an die Lebenswirklichkeit der Schüler anzuknüpfen“, erzählte Böhm. „Nachahmenswert“, lautete das Fazit von Ellen Pilzecker, Leiterin der Abteilung Präventiver Jugendschutz. Die Stadt unterstützte die Aktion durch den Erwerb der Vorführrechte. Die Suchtberater ermutigten die Schüler, sich bei Problemen an die Beratungsstelle im Lippezentrum zu wenden. Da dies pro Jahr circa 600 Lüner täten, empfahlen sie, einen Termin auszumachen unter Tel. 0 23 06 / 57 05 0 oder per E-Mail an brsl@suchthilfe-unna.de.
Quelle: Ruhrnachrichten Lünen 02.07.2016

Gute Argumente gegen das Rauchen

Sechstklässler der PWG für ihre Kampagne mit Fernsehauftritt belohnt

Unna. Besser als mit dem Rauchen aufzuhören ist es, gar nicht erst damit anzufangen. Das ist der Gedanke hinter dem Wettbewerb „Be Smart – Don’t Start“, der kreisweit Schüler dazu auffordert, sich mit dem Thema Nichtrauchen auseinander zusetzen. Bei diesem Wettbewerb hat die Klasse 6g der Peter-Weiss-Gesamtschule mit ihrer Kampagne gegen das Rauchen überzeugt. Am Montag wurden die Schülerinnen und Schüler für ihren Einsatz ausgezeichnet. Gesundheitsamt, AOK, die Suchthilfe und die Koordinatorin für Suchtprävention an Schulen veranstalten die Aktion, bei der Klassen aufgefordert werden, ein halbes Jahr rauchfrei zu bleiben. Dies gelang in der Auflage 2015/16 insgesamt 43 Klassen mit rund 1.200 Schülerinnen und Schülern. Darüber hinaus bot der Wettbewerb aber auch Anreiz, sich kreativ mit den Zielen des Wettbewerbs auseinanderzusetzen. Genau das haben die Schülerinnen und Schüler aus der 6g der PWG getan. Sie haben in der Zeit ihrer Rauchabstinenz nicht nur in Experimenten die schädlichen Stoffe aus einer Filterzigarette sichtbar gemacht oder die Untersuchung einer eingefärbten Schweinelunge dokumentiert, sondern mit Plakaten und guten Argumenten Werbung für das Nichtrauchen gemacht. „Einige haben sogar erreicht, das Familienmitglieder mit dem Rauchen aufgehört haben“, berichtete Lea Franke. Für die Zwölfjährige ist es ganz klar, dass es keinen Grund gibt, mit dem Rauchen anzufangen. „Die Klasse hat gewonnen, weil sie so enorm viel Werbung für das Nichtrauchen gemacht hat“, erklärte Jurymitglied Wolfgang Röller. Der große Nutzen der kreativen Aufarbeitung liegt für den AOK-Sprecher vor allem darin, dass durch die aktive Beschäftigung die Botschaft besser haften bleibt. Als Belohnung für ihren Einsatz gab es 200 Euro für die Klassenkasse. Zudem darf die Klasse auch in einer Kinder- Fernsehsendung über die Gefahren des Rauchens berichten.

Quelle : Hellweger Anzeiger 31.05.2016

Leicht und spielerisch Kompetenzen stärken

Jugendaktionstag steigt am kommenden Mittwoch
LÜNEN . Endspurt bei den Planungen für einen spannenden Tag:
Am Mittwoch, 27. Januar, findet von 8.30 bis 13.30 Uhr im Lükaz, Kurt-Schumacher-Straße 40-42, zum zweiten Mal der Lüner Jugendaktionstag statt. Über 300 Schülerinnen und Schüler der 7. Jahrgangsstufen aller Lüner Schulen werden erwartet. Organisiert wird das Programm von der städtischen Gleichstellungsstelle. 18 Einrichtungen aus der Jugend- und Beratungsarbeit sind in diesem Jahr mit dabei. Unter anderem präsentieren sich die AWO Schwangerschafts- beratung Lünen, die Streetworker, die Polizeiwache Lünen und das Multikulturelle Forum. Beim Jugendaktionstag sollen Mädchen und Jungen spielerisch in ihrer Alltags- und Lebenskompetenz gestärkt werden. Dabei sind die einzelnen Aktionen so gestalltet, dass sie sie unterschiedlichen Blickwinkel berücksichtigen.

Höhepunkt ist ein erlebnisreicher Aktionsparcours, in dem Mädchen und Jungen ihre persönlichen Stärken kennen lernen, ihre sportliche Fitness erproben und das Selbstbewusstsein trainieren können. Interessante Spiele zu Themen wie Liebe und Freundschaft gehören ebenso zum Programm wie Aktionen zum Thema „Rausch“, „Aids“ und „Cybermobbing“. Am Aktionspunkt „Perspektivwechsel“ setzen sich die Jugendlichen mit ihren Rollenbildern auseinander. Außerdem lernen sie die Beratungs- und Unterstüt- zungsstellen persönlich kennen. Im Lehrkräfte Café erhalten Lehrerinnen und Lehrer weitere Infos zu den angesprochenen Themen und Impulse für die Weiterarbeit im Rahmen des Schulunterrichts.

Quelle: Lünen Sonntagskurier 24.01.2016 / Foto: Archiv

Zertifiziert – 16 neue Drogenberater erhielten ihre Zertifikate

Schwerte.  16 Lehrer und Sozialarbeiter wurden jetzt erfolgreich von Matthias Hundt (gemeinnützige Gesellschaft für Suchthilfe im Kreis Unna mbH), Volker Timmerhoff (Kommissariat Kriminalprävention der Kreispolizei Unna), Thomas Schwengers (Präventionsfachkraft des Jugendamtes der Stadt Schwerte) und Peter Blaschke (Quarterback, VSI Schwerte e.V.) im roten Haus der Jägerstr. 5 zum Drogenberater ausgebildet. Von allen weiterführenden Schulen (bis auf die 2016 schließende Schule an der Ruhr) und dem Jugendamt Schwerte konnten folgende Personen als Drogenberater erfolgreich zertifiziert werden:

  • Eintrachtschule: Birgit Roll, Jochen Vierkötter
  • Friedrich-Bährens-Gymnasium: Sabine Benesch,Björn Bollermann, Christine Saitner
  • Gesamtschule: Bettina Daume, Conny Irle, Susann Krimpmann, Monika Walter
  • Jugendamt:Jonas Martinetz
  • Realschule am Bohlgarten: Gerda Dörschug, Eva Schriefer, Henry Vahl
  • Realschule am Stadtpark: Bettina Bauerle,Kerstin Tapken
  • Ruhrtal Gymnasium: Svenja Schöppner

 

Quelle: http://blickwinkel-schwerte.de/16-neue-drogenberater-erhielten-ihre-zertifkate/
09.12.2015

Kreativpreis fürs Nichtrauchen

Klasse 8 b der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule gewinnt bei „Be smart – don´t start“

LÜNEN-SÜD. Rauchen ist uncool und ungesund. Davon ist die Klasse 8 b der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule überzeugt. Für ihre Kreativität beim bundesweiten Wettbewerb für rauchfreie Klassen „Be-Smart – don´t start“ gewann die Klasse einen Kreativitätspreis in Höhe von 200 Euro.

Damit würdigte die Jury, bestehend aus Suchtexperten, Vertretern des Gesundeits- und Schulamtes sowie der AOK, eine der originellsten Ideen, sich mit dem Nichtrauchen auseinander zu setzten. Wie berichtet, hat die Klasse 8 b auf vielfältige Art auf die drastischen Folgen des Tabakkonsums hingewiesen und eine kreative Ausstellung konzipiert. Neben einer Pyramide aus Zigearettenschachteln wurden ein Nichtraucher-Mobile gebastelt und eine Bilderschau etwa mit Motiven eines Raucherbeins gezeigt. „64 Klassen mit rund 1800 Schülern beteiligten sich im Kreis Unna und blieben von November 2014 bis April 2015 rauchfrei“, erklärte AOK-Pressesprecher Wolfgang Röller bei der Preisverleihung und lobte die Klasse 8 b: „Wer so engangiert und kreativ auf die Gefahren des Rauchens hinweist, muss belohnt werden.“

Seit mehreren Jahren engagiert sich beim Projekt im Kreis Unna neben der AOK auch das Schulamt, das Gesundheitsamt und die Gemeinnützige Gesellschaft für Suchthilfe. „Rauchen gilt als Einstiegsdroge Nummer eins“, betonte Matthias Hundt, Suchthilfeexperte und Jurymitglied. Wissenschaftliche Studien würden belegen, so Hundt, dass Jugendliche, die früh mit dem Rauchen beginnen, auch als Erwachsene häufig dabei bleinen würden. Das Projekt sein eine gute Gelegenheit, gar nicht erst mit dem Rauchen anzufangen, zeigte sich auch die Ärztin Dr. Ute Stemplewski (Gesundheitsamt) von dem Wettbewerb überzeugt. Elisabeth Müller (Schulamt) lobte die Vielfalt  des Lüner Beitrages, der über den Klassenverbund hinaus wirken würde.

Rauchfrei bleiben

Die Klassensprecher der 8 b, Luca und Betül, freuten sich über den Preis und versicherten, dass sie auch im nächsten Schuljahr mit ihrer Klassen rauchfrei bleiben möchten.

17 Lüner Klassen dabei

17 Klassen aus 7 Lüner Schulen (Freiherr-vom-Stein-Gymnasium, Geschwister-Scholl Gesamtschule, KKG, Profilschule Lünen, die Realschulen Altlünen und Brambauer, Gymnasium Altlünen) beteiligten sich am Wettbewerb. Bundesweit sind es 7560 Klassen mit knapp 200 000 Schülern.

Quelle: Ruhrnachrichten/Lünen, Volker Beuckelmann, RN-Foto Beuckelmann

Schmeckt nicht und ist ungesund

Klasse 6.2 der Gesamtschule gewinnt Preis mit einer Anti-Raucherkampagne

Fröndenberg. Einmal probiert und angeekelt ausgespuckt – so erging es einer Schülerin der Klasse 6.2 der Gesamtschule bei ihrem bislang einzigen Rauchversuch. Schmeckt nicht und ist ungesund, das ist auch die Meinung der übrigen Mitschülerinnen und Mitschüler. Und diese haben sie eindrucksvoll auf zwei großen Plakaten sichtbar gemacht. Die Portraits der Jugendlichen sind mit Sprechblasen versehen, in denen weitere Argumente gegen das Rauchen („weil ich ein langes Leben will“) zu lesen sind. Außerdem haben die jungen Nichtraucher Unterschriften in der ganzen Schule und auch von einigen Lehrern gegen den Nikotinkonsum gesammelt. Bei ihren Recherchen zum Thema rückte nicht nur die medizinische Seite in den Mittelpunkt. Erstaunt waren die Schüler über die finanziellen Auswirkungen. Wer nicht raucht, spart etwa 4000 Euro im Jahr, erklärte ein Schüler – der Rechnung liegt ein durchschnittlicher Verbrauch von ein bis zwei Schachteln Zigaretten pro Tag zugrunde.

Gestern wurden die Schüler für ihre Nichtraucherkampagne belohnt. Denn sie hatten ihren Beitrag beim Wettbewerb „Be smart – Don’t start“ eingereicht, den die AOK alljährlich landesweit an Schulen veranstaltet. Die Gesamtschulklasse landete auf dem ersten Platz im Kreis Unna. 200 Euro in die Klassenkasse gab es dafür von AOK-Pressesprecher Wolfgang Röller. In der Jury saßen auch Vertreter des Kreises Unna und der Suchthilfe. Sie alle lobten gestern noch einmal den Einsatz der Schüler und wünschten ihnen, dass sie niemals mit dem Rauchen starten.  ho-

Quelle: Hellweger Anzeiger, 30.05.2015/ Foto: Hesses

Der Alkohol und seine Gefahren

Rund um das Thema Alkoholprävention dreht sich in den kommenden Wochen alles für die  Schüler der siebten und achten Klassen. Sie sehen nicht nur ein Theaterstück, sondern  beschäftigen sich auch im Unterricht mit den Gefahren der Gesellschaftsdroge.

Von Julia Bauer
Bergkamen. Auch wenn der Alkoholkonsum bundesweit zurückgegangen ist, artet er in Einzelfällen immer wieder aus. Auf die vielen Gefahren soll jetzt in einer Präventionsreihe aufmerksam gemacht werden. Denn etwa 8,2 Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren trinken Alkoholmengen, die auch für gesunde Erwachsene riskant oder gefährlich sind. Außerdem sind etwa elf Prozent aller Straftäter unter Alkoholeinfluss minderjährig. Und rund 100 000 Kinder und Jugendliche bis 25 Jahre, die in Deutschland leben, alkoholabhängig oder stark alkoholgefährdet. Diese und viele andere Zahlen hat das „Netzwerk Prävention im Kreis Unna“ zusammengetragen. Grund genug für das Netzwerk, um im Vorfeld der bundesweiten Suchtwoche eine Veranstaltungsreihe für Schüler der siebten und achten Klassen auszurichten. Dabei gibt es in Bergkamen eine Premiere. Denn alle weiterführenden Schulen der Stadt werden an dieser Aktion teilnehmen. Das bedeutet, dass damit rund 800 Schüler mit dem Thema konfrontiert werden.

Eltern und Lehrer machen mit
Allerdings werden die Schüler nicht nur das Theaterstück „Alkohölle“ auf der Bühne erleben, das die Schauspieler der Theatergruppe „Theaterspiel Beate Albrecht“ in Juni im studio theater aufführen. Es werden auch die Eltern und Lehrer mit ins Boot geholt. So steht bereits am Mittwoch, 20. Mai, ein Elternabend im Treffpunkt an der Lessingstraße auf dem Programm, bei dem die Eltern allerhand zu dem Thema Alkoholmissbrauch und Prävention erfahren. „Es ist wichtig, auch mit den Eltern ins Gespräch zukommen“, sagt Volker Timmermann von der Kreispolizeibehörde. Immerhin sei es immer häufiger der Fall,
dass Jugendliche ihre Eltern gegeneinander ausspielen. So würde zum Beispiel mitgeteilt, dass bei den Freunden Alkohol getrunken werden darf. „Meist ist das aber gar nicht der Fall“, sagt Timmermann und fügt hinzu: „Deshalb müssen die Elternin ihrer Rolle gestärkt  werden.“ Zusätzlich gibt es am Donnerstag, 21. Mai, eine Fortbildung für Lehrer. Sie haben dann die Möglichkeit, sich mit den Suchtberatern zu beraten und zu überlegen, wie sie das Thema im Unterricht angehen können. Für die Schüler selbst gibt es anschließend einen vorbereitenden Unterricht zu dem Theaterstück „Alkohölle“, das dann am 8. und 9. Juni in vier Vorstellungen im studio theater aufgeführt wird. Zusätzlich ist im Anschluss an die Aufführungen jeweils eine Diskussionsrunde geplant. Daran wird sich auch ein Laiendarsteller beteiligen, der im wahren Leben aber trockener Alkoholiker ist. „Er wird sich den vielen Fragen der Schüler stellen“, sagt Matthias Hundt von der Gemeinnützigen Gesellschaft für Suchthilfe im Kreis Unna. „Wir sind der Meinung, dass sich ein Theaterstück zur Alkoholprävention besser eignet als nur eine reine Informationsveranstaltung“, sagt Hundt. Das Theater wähle schließlich einen anderen Weg und behandele das Thema auf der emotionalen Ebene. „Damit können sich die Jugendlichen besser identifizieren“, sagt Hundt.

Spaß in der Disco ohne Alkohol
Doch mit dem Theaterstück endet die Präventionsreihe noch nicht. Denn am 12. Juni wird in der Teestube der Friedenskirche an der Schulstraße eine Disco für Jugendliche zwischen 12 und 15 Jahren ausgerichtet. Sie steht unter dem Motto „Null Promille – 100 Prozent Spaß“ und soll den Schülern zeigen, dass man auch ohne Alkohol Spaß haben kann. Zudem gibt es am 15. Juni auch noch den Sportaktionstag, der unter dem Motto „Alkoholfrei Sport genießen“.

Quelle: Hellweger Anzeiger 12.05.2015

Leben in der „Alkohölle“

(Beitragsbild: Volker Timmerhoff vom Kommissariat Kriminalprävention, Streetworker Arne Vogt, Matthias Hund (Gesellschaft für Suchthilfe KreisUnna), Streetworkerin Imke Vogt und David Hofmann von der Drogenberatung Kreis Unna (v.l.))

Ein Theaterstück für Siebt- und Achtklässler zeigt die Gefahren des Alkohols

BERGKAMEN  Alkohölle – der Titel des Theaterstücks macht den Jugendlichen sofort  klar, worum es geht: Alkohol ist kein Mittel, um Probleme zu lösen und das Leben schöner  zu machen.
Wer Alkohol exzessiv und vor allem zu häufig trinkt, verwandelt sein Leben in eine Hölle. Am 8. und 9. Juni ist das Theaterstück für Siebt- und Achtklässler in Bergkamen zu sehen.

Alkohölle2 WA 13.05.2015
INFOKASTEN

Je zweimal pro Tag (siehe Infokasten) erleben sie, wie die 19-Jährige Lena Gefahr läuft, dem „Verführer“ Alkohol zu verfallen. „Das Tolle ist, dass die Schüler sich mit Lena identifizieren können. Sie ist jung und lustig – aber hat auch eine traurige Seite“, sagt Matthias Hundt. Der Mitarbeiter der Gemeinnützigen Gesellschaft für Suchthilfe im Kreis Unna stellte die Aktionstage gestern mit Volker Timmerhoff (Kommissariat Kriminalprävention der Kreispolizeibehörde), sowie den Bergkamener Streetworkern Imke Vogt und Arne Vogt vor. Die Aufführungen im studio theater sind nur ein Baustein, die das Netzwerk Prävention des Kreises im Rahmen der bundesweiten Suchtwoche zum Thema Alkohol in Bergkamen plant.

Das Theaterstück „Alkohölle“ zeigt auf eindrückliche Weise, wozu der exzesive Alkoholkonsum führen kann.

„Nur ein Theaterstück zu zeigen, ist zu wenig. Die Jugendlichen schauen sich das an und gehen durchaus betroffennach Hause – aber präventiv hat das nicht genug Kraft.“ Darum wollen die Netzwerkpartner auch Eltern und Lehrer mit ins Boot holen. Für die Lehrer gibt es eine Fortbildung. Bei dem Elternabend soll es zum Beispiel um den Kontakt zwischen Eltern und Kindern gehen. „Aber es ist schwierig, die Eltern zu erreichen“, sagt Timmerhoff. „Ich habe 1996 angefangen, Elternabende zu machen – damals waren rund 90 Prozent der Eltern da“, erzählt er. Diese Zeiten sind vorbei. Er erinnert sich daran, dass mal zwei kreisweite Elternabende angeboten wurden – ein Termin war in Kamen, der andere in Unna. „Bei beiden waren jeweils vielleicht 60 Eltern da.“ Die Schulen für das Projekt zu begeistern war einfacher: „Es haben sich alle weiterführenden Bergkamener Schulen angemeldet. Wir erreichen so etwa 800 Schüler“, sagt Hundt. Ein Novum: Das Stück „Alkohölle“ wird seit Jahren im Kreis gezeigt – bisher waren aber nie alle weiterführenden Schulen einer Stadt mit dabei.

Dass die Netzwerker die Warnung vor dem „Verführer Alkohol“ über die Bühne an die Jugendlichen herangetragen, hat einen einfachen Grund: „Reine Infoveranstaltungen bleiben nicht so gut hängen“, sagt Hundt. Darum sei die emotionale Ebene wichtig. „Wenn man über Gefühle im Zusammenhang mit Alkohol spricht – dann redet man über das Wesentliche.“ Über Gefühle sprechen und Fragen stellen können die Schüler auch nach der  Aufführung: Die Schauspieler vom „Theaterspiel – Beate Albrecht“ und die Netzwerkpartner stehen bei einer Podiumsdiskussion Rede und Antwort. Besonders eindrücklich dabei seien immer, so Hundt, die Erzählungen des einzigen Laienschauspielers in der Truppe. Er spielt Lenas Vater und ist selbst trockener Alkoholiker.
Dass sie die Jugendlichen so nicht völlig vom Alkoholkonsum abhalten können, ist ihnen klar. Aber je später sie damit in Berührung kommen und je verantwortungsbewusster sie damit umgehen – desto besser.

Quelle: Westfälischer Anzeiger 12.05.2015/    Fotos: Erhardt/ pr

„Ein Katz und Maus Spiel hat begonnen“

Im Kreis sind die „Legal Highs“ bislang noch ein Randproblem

Von Leonie Prym
Unna. In ihren bunten Verpackungen sehen Legal Highs wie Spaßprodukte aus. Warum die Drogen aber so gefährlich sind, erklärt Gerhard Klöpper, Leiter der  Geschäftsstelle der Gemeinnützigen Gesellschaft für Suchthilfe Kreis Unna mbH, im Interview.

Der Bundesgerichtshof hat mit einem Urteil die Gefährlichkeit von sogenannten Legal Highs unterstrichen. Was genau sind Legal Highs und wie schätzen Sie die Gefahren der Drogen ein?
Designerdrogen sind nichts Neues. Der Versuch, Drogen bei der Herstellung so zu verändern, dass sie den bestehenden rechtlichen Beschränkungen nicht mehr unterliegen, war und ist ein oft praktizierter Weg. Konsumentinnen und Konsumenten der neuen Substanzen machen sich zum Versuchskaninchen für Substanzen, über deren Gefahren noch viel zu wenig bekannt ist. Die Drogen werden unteranderem als Kräutermischungen, Badesalze, Lufterfrischer oder Pflanzendünger verkauft, ohne die wirklichen Inhaltsstoffe genau anzugeben. Also es werden gefährliche Mogelpackungen, die über sogenannte Head- und Onlineshops vertrieben und werden legal den Markt zugeführt.

Wo liegen die Unterschiede zu anderen Drogen beispielsweise zu Cannabis?
Als „Research Chemicals“ werden Substanzenbeschrieben, die eine psychoaktive Wirkung besitzen, bisher aber weder medizinisch genutzt werden, noch pharmakologisch untersucht wurden. Im Klartext: Research Chemicals sind „designte“ Substanzen, die eine berauschende Wirkung besitzen, über deren Auswirkungen und Gefahren aber bisher nur sehr wenig bekannt ist. Ein Großteil der unter dem Namen „Research Chemicals“ zusammengefassten Substanzen unterliegt in Deutschland noch nicht dem Betäubungsmittelgesetz, obwohl sie in Ihrer Wirkung Substanzen wie Cannabis, Amphetamin oder Ecstasy sehr ähnlich sind.

Der Name „Legal“ suggeriert dem Konsumenten, die Mittel seien legal. Sind sie das wirklich? Und wieso wird das Gefahrenpotenzial dieser Drogen unterschätzt?
Im Internet werden diese Substanzen oft unter Begriffen wie „Kräutermischungen“, „Räuchermischungen“, „Badesalz“ oder als „Dünger“ angeboten. Welcher Wirkstoff in welcher Menge dann wirklich in welchem Produkt enthalten ist, entzieht sich den Konsumenten zumeist. Unklar ist auch, ob ein über das Internet angebotenes Produkt immer dieselbe Substanz in gleichbleibender Menge enthält. Die Möglichkeit der Hersteller mit der Entwicklung neuer Substanzen auf Verbote zu reagieren, scheint grenzenlos! Ein Katz und Maus Spiel zwischen Herstellern und Verbotspolitik hat begonnen.

Welche Erfahrungen haben Sie in der Beratungsstelle bisher mit diesem Thema gemacht?
Insgesamt nimmt der Konsum „harter Drogen“ wie Opiate (Heroin) in Deutschland seit Jahren ab. Der Trend steigt für sogenannte Party Drogen und somit auch für die Legal Highs. In der Drogen- und Suchtberatung sind sie noch ein „Randproblem“.

Quelle: Hellweger Anzeiger, Ausgabe vom 18.01.2015

Schüler simulieren ihren ersten Alkoholrausch

Alkohol-Parcours in der Anne-Frank Realschule

Königsborn. Wie fühlt es sich an, wenn sich der Körper im Alkoholrausch befindet? Was wird zur echten Herausforderung, wenn zu viel Alkohol im Blut ist? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Schüler des 7. Jahrgangs der Anne-Frank-Realschule innerhalb eines zweitägigen Schulprojektes.

In der Aula bauten die Mitarbeiter der Suchthilfe im Kreis Unna und des Kinder- und Jungendbüros der Stadt Unna gemeinsam mit Lehrern und älteren Schülern einen  speziellen Alkohol-Parcours auf. Dieser umfasste insgesamt fünf verschiedene Stationen, welche die Jugendlichen dazu anregten, sich mit Alkoholmissbrauch und dessen Folgen im Jugendalter auseinanderzusetzen.

Der ALK-Parcours ist von der Ginko-Stiftung für Prävention im Rahmen der NRW-Landeskampagne „Sucht hat immer eine Geschichte“ entwickelt worden. Ziel des Projektes ist es, dass die Jugendlichen möglichst ganz auf den Konsum von Alkohol  verzichten und verantwortungsvoll und kritisch mit alkoholhaltigen Getränken umgehen.

Rund 90 Schüler stellten sich den verschiedenen Aufgaben des ALK-Parcours. Hier waren  viele interaktive Elemente eingebaut, die den Schülern einen realistischen Eindruck über  körperliche Folgen des übermäßigen Alkoholkonsums aufzeigten. Als kleiner Anreiz  konnten die Schüler Punkte sammeln und am Ende des Parcours kleine Preise gewinnen.

Quelle: Hellweger Anzeiger, Ausgabe vom 26.11.2014

Elternkreis Lünen

Schuld, Angst und Scham sind schlechte Verbündete der Sucht

»Warum wir? Warum gerade unser Kind? Was mögen wir bloß falsch gemacht haben?« Das  sind Fragen, die sich wohl jedes Elternpaar eines drogenabhängigen Kindes schon gestellt hat. Auch Familie Köster (Name geändert) ging es nicht anders. Sie wissen aus Erfahrung, wie belastend das Leben mit einem suchtkranken Kind ist. Schwer zu akzeptieren war es für sie auch lange, dass die Familie eigentlich nichts bewirken konnte, den Sohn vom Drogenkonsum abzuhalten. Hilfe hat das Paar im Elternkreis drogengefährdeter und drogenabhängiger Kinder Lünen gesucht und gefunden. Und das ist schon über zehn Jahre her. Ihr Sohn ist mittlerweile über 30 Jahre alt und längst aus dem Haus. Die Sucht-Problematik ist aber geblieben und aus diesem Grunde sind die Kösters dem Elternkreis nach wie vor treu verbunden.
In der Selbsthilfegruppe helfen sich Eltern gegenseitig, in dem sie aus ihren eigenen Erfahrungen erzählen und dem anderen zuhören. »Hier kann man seine Sorgen offen aussprechen und Verständnis finden. Ein schnell wirkendes Rezept gibt es auch nicht im Elternkreis, aber es werden gangbare Wege aufgezeigt. Wir erkennen, dass wir uns auf uns selber besinnen müssen, und dass wir nicht unsere Kinder ändern können, wohl aber uns selber. Das ist ein steiniger Weg und er gelingt nur mit dauernder gegenseitiger Stützung«, sagt Ulla, die Mutter.
Ein großes Problem für die Eltern sei auch immer die Frage nach der Schuld, die sich die Eltern oft selbst geben, so Ulla. Man grübele über die Vergangenheit nach und suche hier nach der Ursache für die Drogensucht des Kindes. Doch das sei falsch und helfe auch weder den Eltern noch dem Kind. Mittlerweile wissen die Kösters, dass Sucht eine Krankheit ist und in jeder Familie vorkommen kann. So grausam und so schwierig das manchmal sei: Nur das Kind allein kann beschließen, von den Drogen wegzukommen und dann selbstverständlich auch Hilfe erhalten. Die Angst und die Scham vor Nachbarn und Freunden ist ebenfalls ein gefährlicher Verbündeter der Sucht. »Da wird dann schon gern mal hinter vorgehaltener Hand getuschelt. Und eigentlich weiß man, dass alle es wissen, aber niemand spricht die Familie direkt an.« Neben der Angst um das Kind spielen handfeste Probleme im Alltag eine große Rolle: Beispielsweise wird Geld entwendet oder Schmuck landet im Pfandhaus, damit der Drogenkonsum finanziert werden kann.
Wichtig sei, nichts zu tun, was die Sucht unterstützt oder die unbequemen Folgen des Suchtverhaltens aus dem Weg räumt. Verantwortungsübernahme für das Handeln des Jugendlichen sei ein Verstärker der Abhängigkeit. Besser sei es, dem Kind vorzuleben, dass ein Leben ohne die Krücke Droge lebenswert ist und dass auch er/sie es schaffen kann. Doch auch dies ist nicht immer ein wirksames Rezept, denn selbst, wenn ein Abhängiger clean ist, droht immer wieder ein Rückfall. »Im letzten Jahr hatten wir einen Todesfall. Ein junger Mann ist an seiner Sucht verstorben. Das war nicht nur für die Eltern, sondern auch für unsere Gruppenmitglieder schrecklich«, sagt Ulla. Zwischen 15 und 20 Mitglieder hat der Elternkreis, der sich 14-tägig, dienstags von 18.30 Uhr bis 21.30 Uhr in den Räumlichkeiten der Drogenberatungsstelle Lünen trifft. Da sich die Termine aber auch verschieben können, sollten neue interessierte Eltern, die sehr willkommen sind, vorher bei einer der Ansprechpartnerinnen oder in der Beratungsstelle nachfragen. Die drogensüchtigen Kinder bzw. jungen Erwachsenen sind zwischen 18 und 35 Jahre alt. Sie sind Konsumenten illegaler Drogen, die Bandbreite reicht von Cannabis, Kokain über so genannte Modedrogen wie Ecstasy und Amphetamine bis Heroin. Als fachlich kompetenter
Experte und Koordinator steht Olaf Weißenborn, Diplom-Sozialarbeiter und Mitarbeiter der Drogenberatungsstelle Lünen, der Gruppe bei Bedarf mit Rat und Tat zur Seite.

Kontakt
über die beiden Ansprechpartnerinnen der Gruppe:
Ulla 0157 57058903
Ulla 0152 2663826

oder die

Drogenberatungsstelle Lünen
Suchthilfe im Kreis Unna GmbH
Münsterstraße 1 L
44534 Lünen (im Lippezentrum)
Fon 02306 57050
E-Mail brsl@suchthilfe-unna.de

Quelle: SELBST UND VERSTÄNDLICH-DAS SELBSTHILFEMAGAZIN IM KREIS UNNA –   Ausgabe August 2014

Hier können Sie die gesamte Ausgabe der „Selbst und Verständlich“ lesen

Sucht auf der Leinwand

Insgesamt 700 Lüner Jugendliche sind beim bundesweiten Projekt dabei

Lünen Bei Popcorn und Cola über die Gefahren von Alkohol oder Nikotin informieren. Das stand gestern im Cineworld auf dem Programm und wird auch heute für viele Lüner Schüler Thema sein. Insgesamt 700 Jugendliche zwischen 12 bis 19 Jahren sind bei den Jugendfilmtagen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Bzga) dabei.

Das bundesweite Projekt bietet neben der Auswahl von sechs Filmen rund um das Thema Alkohol- und Nikotinkonsum, auch diverse Mitmach-Aktionen im Kinofoyer an. Hier geht es auch mal wackelig zu, wie auf dem – bei den Schülern sehr begehrten – „Promille-Run“. Die Jugendlichen können sich Rauschbrillen aufsetzen, die simulieren, wie groß die körperliche Beeinträchtigung von etwa 1,0 Promille Blut-Alkohol ist.

Eine ebenso große Nachfrage kann die „Raucherlounge“ vorweisen. Hier informieren sich auch die drei Neuntklässlerinnen Lisa Marie (17), Jessica (15) und Jacqueline (14). Alle Drei rauchen regelmäßig. „Ich habe mit dem Rauchen angefangen, weil es jeder in unserer Klasse gemacht hat. Jetzt kann ich nicht mehr aufhören“, stellt die Älteste der Gruppe fest. Jacqueline erzählt, sie habe bereits mit 13 begonnen zu rauchen. Sie hofft, durch das Präventionsangebot ihren Nikotionkonsum zumindest zu reduzieren. „Ich trinke zwar kaum Alkohol“, so Jessica, „aber in meinem Freundeskreis gab es schon oft Probleme. Viele werden schnell aggressiv, das ist gruselig“. Nach der Filmvorführung sind sich die Drei sicher: Die Mitmachaktionen sind zwar spaßig, aber wirklich zum Nachdenken gebracht hat sie erst der Film „Elefantenherz“. „Mit Alkoholtrinken halte ich mich weiter zurück“, sagt die 15-Jährige. Ob das auch die anderen 700 Schüler so sehen, wird in den Nachbereitungen in den Klassen zu sehen sein.

Weg von reiner Info – 3 Fragen an…
Matthias Hundt, Präventionsfachkraft bei der Suchthilfe Unna

Was erhoffen Sie sich von den Jugendfilmtagen?
Dass präventive Arbeit wichtig ist, zeigen aktuelle Studien. Die Zahl der Jugendlichen, die rauchen und Alkohol trinken, sinkt. Jetzt kommt es vor allem darauf an, dass die Lehrer noch einmal eine intensive Nachbesprechung vornehmen.

Wie bewerten Sie das Programm der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung?
Ich denke, gerade die Fime sind super. Weg von der reinen Informationsvermittlung. Der emotionale Zugang setzt sich viel tiefer in Herz und Hirn fest. Die Schüler wissen in der Theorie meist, was Alkohol und Nikotin verursachen. Dabei sollte man nicht wie beim Extremfall „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ abgeschreckt werden. Sondern näher am Leben der Jugendlichen herangegangen werden.

Aber so ein großes Projekt ist sicherlich nicht alleine stemmbar?
Das stimmt. Besonderer Dank geht daher an die Stadt Lünen und die vielen Kooperationspartner. Ohne das ganze Netz, hätte das Projekt nicht funktioniert.

Jennifer Meina

Quelle: Ruhrnachrichten Lünen vom 19.09.2014

JugendFilmTage der BZgA in Lünen

Nikotin- und Alkoholprävention: JugendFilmTage der BZgA laden 1000 Schüler ins Kino ein – Anmeldungen ab sofort möglich

Unter dem Motto „Nikotin und Alkohol – Alltagsdrogen im Visier“ finden am 18. und 19. September im Lüner Cineworld die JugendFilmTage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) statt. Organisiert wird die Veranstaltung gemeinsam mit den Bereichen Jugendschutz der Stadt, den städtischen Streetworkern und der Gemeinnützigen Gesellschaft für Suchthilfe im Kreis Unna mbh.

Ziel der JugendFilmTage ist es, Schulen spielerisch und unterhaltsam darin zu unterstützen, Jugendliche über die gesundheitlichen Folgen und das Abhängigkeitspotenzial des Rauchens zu informieren, Nichtrauchende weiter zu stärken und Raucherinnen und Raucher beim Aufhören zu begleiten. Zudem soll über gesundheitsschädigende Wirkungen von Alkohol informiert und zu einem risikobewussten und konsummindernden Umgang mit Alkohol motiviert werden.

Rund 1.000 Lüner Schülerinnen und Schüler von 12 bis 19 Jahren sollen angesprochen werden. Die Jugendlichen werden zu 6 spannenden Spielfilmen ins Kino eingeladen. Gezeigt werden die Filme „Blöde Mütze!“, „Das Jahr der ersten Küsse“, „Elefantenherz“, „Verrückt/Schön“, „Smashed“ und „Thank You For Smoking!“. Der Eintritt kostet lediglich 2 Euro. Vor und nach den Filmvorführungen motivieren interessante Mitmach-Aktionen wie zum Beispiel der „Promille-Run“, das Fragenduell „Denk mit und zeig, was du drauf hast“ oder die Lounge „Rauchfrei bleiben & werden“, sich mit den Themen Nikotin und Alkohol auseinanderzusetzen.

Neben den Aktionen für Schülerinnen und Schüler findet für Lehrkräfte am 18. September 2014 von 14 bis 16 Uhr eine Fortbildung zur Vor- und Nachbereitung der Kinotage in der Schule statt. Anmeldungen für die Fortbildung und die Kinotage können ab sofort bei der Stadt Lünen, Kinder- und Jugendschutz, Ansprechpartnerin Ellen Pilzecker, E-Mail: ellen.pilzecker.21@luenen.de, Tel.: 02306 104-1704, erfolgen. Auch Programmflyer zu den JugendFilmTagen sind hier erhältlich. Weitere Informationen finden sich auf der städtischen Internetseite unter www.luenen.de/jugendschutz/jugendfilmtage.php

Quelle: http://www.luenen.de/jugendschutz/jugendfilmtage.php

Für weitere Infos zu den Jugendfilmtagen einfach auf die folgenden Links klicken…

JugendFilmTage_Lünen_Flyer_Formular

JugendFilmTage_Lünen_Plakat

„Man geht durch die Hölle“

Ein Besuch beim Lüner Elternkreis drogengefährdeter und abhängiger Kinder.

LÜNEN. Als Lisa* die erste Spritze im Bad fand, hatte ihr Sohn eine simple Erklärung. Mama, sagte er, das ist eine Spritze, mit der man Wärmeleitpaste auf Computer-Bauteile aufträgt. Lisas Sohn arbeitete im IT-Bereich. Die Zuhörer lachen über Lisas Anekdote mit der skurrilen Ausrede. Ja, im Lüner Elternkreis drogengefährdeter und drogenabhängiger Kinder wird auch gelacht. Ein Besuch.

Es ist Dienstagabend. In der hellen Küche der Drogenberatungsstelle Lünen sitzen zwölf Erwachsene am Tisch. Man blickt in freundliche Gesichter. Christian schenkt allen Tee oder Kaffee ein. Als säße hier ein Verein beim munteren Kaffeekränzchen. Ehe das Gelächter verhallt über Lisas Sohn, der nicht Computer-Bauteilen Wärmeleitpaste, sondern sich selbst Heroin injizierte, sagt Anna: „Ja, jetzt lacht man darüber.“ Dabei ist das Leben für Eltern drogengefährdeter oder abhängiger Kinder alles, nur bestimmt nicht lustig.

„Ich habe Nächte durchgeheult“, bekennt Sabine. Sie ist Mutter zweier Söhne Ende 30, Anfang 40. Beide haben Probleme mit Drogen, der Ältere ist vielfach abhängig.

Iris erzählt, sie sei kurze Zeit drauf und dran gewesen, die Drogen ihres Sohnes auszuprobieren. „Du willst wissen, was in deinem Kind vorgeht.“ Einige in der Runde nicken verständnisvoll. „Man verliert die Unbeschwertheit“, sagt Lisa leise. „Es ist alles scheiße. Man geht durch die Hölle.“ Ihr 42-jähriger Sohn erhält heute Polamidon als Ersatzstoff für Heroin. „Manchmal hat man keine Lust mehr zu lachen“, sagt mit eindringlichem Blick Petra. Ihr 29-jähriger Sohn hat so lange gekifft, bis er starke Psychosen bekam und nicht mehr schlief. „Man hat einen völlig durchgeknallten Menschen zu Hause, für den man nichts mehr tun kann.“

Der Sohn von Wolfgang und Elke fing mit 15, 16 an, Cannabis zu rauchen. Er schmiss zwei Lehren, „es waren heftige Zeiten, wo er nichts mehr auf die Reihe gekriegt hat“, erzählt Elke. „Die Kifferei wird runtergespielt“, sagt Wolfgang. In der Forschung kursiert dazu passend die Gateway-Hypothese, nach der Cannabis eine Einstiegsdroge für härtere Drogen wie Heroin ist. Zuletzt hat die Zahl der behandlungsbedürftigen Cannabis-Konsumenten in der Region zugenommen. Die Lüner Drogenberatungsstelle betreute 2013 im Nordkreis 72 Klienten regelmäßig (2011: 61).

Das Thema Drogen ist medial präsent. Regelmäßig laufen im Fernsehen Dokumentationen über den Alltag Abhängiger, füllen Reportagen Zeitungsseiten. Die Frage, wie es den Eltern, den Familien der Abhängigen geht, wird oft ausgespart. Also dann, wie geht es den Eltern?

Wenn Petra im Supermarkt von Bekannten diese Frage hört, sagt sie: „Super! Klasse!“ Obwohl es ihr beschissen geht. Und obwohl die meisten in ihrem Ort inoffiziell von der Drogensucht ihres Sohnes wissen. Die sorgenfreie Fassade wird gewahrt. Petra lacht selbst über diese Unehrlichkeit, die nicht ihre Art sei. So wie die Drogen ihren Sohn verändert haben, hat ihr Wesen sich mit verändert.

Auch andere in der Gruppe klammern die Sucht ihrer Kinder selbst im Gespräch mit guten Freunden aus. Ratschläge wie „Den müsst ihr rausschmeißen“ oder „Der muss ohne euch klarkommen“ können die Eltern nicht mehr hören. „Und du willst nicht mehr hören, wie toll die Kinder von anderen sind“, sagt Lisa. „Man sitzt da und wird immer kleiner. Das Selbstbewusstsein leidet.“ Christian nickt. „Die Freunde unseres Sohnes heiraten, kriegen Kinder und führen ein ganz normales Leben.“ Der Satz bleibt im Raum hängen. Normales Leben.
Christian setzt neuen Kaffee auf, kocht Tee-Wasser. Zwei, drei andere drängen zur Zigarettenpause.
Die Gespräche in der Gruppe tun den Eltern gut, sie wühlen aber auch auf.

Entstanden ist der Elternkreis Lünen im Jahr 1988. Damals siedelte sich die 1982 in Kamen gegründete anonyme Drogenberatung zusätzlich in Lünen an. Wie in Kamen gründete sich auch in Lünen ein Elternkreis. Seitdem haben sich viele Eltern hier gegenseitig zugehört, ausgeheult, einander Mut gemacht, auch zusammen gelacht. Ihre Kinder waren mal in Therapie, mal wieder zu Hause; mal hatten sie Arbeit, mal nicht. So ist es bis heute.

Viele kommen schon lange zum Elternkreis, 15, 20 Jahre und länger. So lange, dass sie wissen, dass die Sucht nicht weggeht. „Wir werden die Krankheit unserer Söhne mit ins Grab nehmen“, sagt Sabine. Man bekommt nur eine leise Ahnung davon, was sie durchgemacht hat, wenn sie erzählt, dass einer ihrer Söhne eine Zeit lang auf der Straße gelebt hat. Dass sie zu ihm fuhr, ihm Geld gab, damit er Stoff kaufen konnte. Heute versucht Sabine, „das nicht mehr so sehr an mich heran zu lassen.“ Sie geht ihren Hobbys nach, zieht eine Grenze bei der Fürsorge.

Das klingt abgeklärt. Und doch stellen sich die Eltern hier immer wieder dieselben Fragen. Warum unser Kind? Was haben wir falsch gemacht? Waren wir nicht genug für unsere Kinder da? Gegen diese schlimmen Selbstzweifel, sagt Eva, sei die Gruppe eine Art Strohhalm: „Hier sind Berufstätige, nicht Berufstätige, Reiche, weniger Reiche. Das ist ein Trost. Wir können es ja nicht alle falsch gemacht haben.“

Die Treffen des Elternkreises Lünen finden alle 14 Tage, immer dienstags von 18.30 bis 21.30 Uhr, statt. Die Eltern kommen in den Räumen der Drogenberatungsstelle Lünen, die zur Suchthilfe im Kreis Unna GmbH gehört, zusammen: Münsterstraße 1L (im Lippezentrum).
Kontakt zum Elternkreis (vorherige Kontaktaufnahme erwünscht) gibt es unter:
Tel. (01575) 7 05 89 03
und (0152) 26 66 38 26

Michael.Schnitzler@mdhl.de

* Alle Namen und Altersangaben geändert

Quelle: Ruhr Nachrichten, Lokalausgabe Lünen, 22. Juli 2014.

Die unterschätzte Gefahr

…Gerhard Klöpper von der Drogenberatung im Interview über die Folgen der Volksdroge

Von Maximilian Löchter
KREIS UNNA Der Drogen und Suchtbericht der Bundesregierung für das Jahr 2014 unterstreicht erneut, dass synthetische Drogen weiter auf dem Vormarsch sind. Während sie sich schnell  ausbreiten, vermehrt sich auch das Suchtpotenzial durch zu hohen Alkoholgenuss. Im Interview Gerhard Klöpper, Geschäftsstellenleiter der Drogenberatung Unna, wie er diese Phänomene einschätzt.

„Ein Gläschen Wein am Abend schadet nicht“, sagt man. Doch ab wie vielen Gläschen spricht man von Alkoholismus?

Gerhard Klöpper: Für Erwachsene bestehen Grenzwerten für einen risikoarmen Konsum. Als klar gesundheitsschädlich würde es für Frauen ab etwa 13 Gramm reinem Alkohol täglich und für Männer ab 25 Gramm täglich gefährlich werden.

Umgerechnet in gängige Getränke, wie Bier oder Wein bedeutet das dann was?

Klöpper: Ein 0,3-Bier enthält etwa 13 Gramm reinen Alkohol, ein 0,2-Liter-Glas Wein hat 16 Gramm und eine 0,3-Literflasche Alkopop hat 15 Gramm.

Stichwort Alkopops, wie gefährdet sind Jugendliche in Sachen Alkoholismus?

Klöpper: Jugendliche sind organisch noch anfälliger als Erwachsene. Alkohol ist ein Zellgift, das schon in geringen Mengen Körperorgane und Nervenzellen schädigt. Insbesondere wird bei Jugendlichen die Reifung des Gehirns durch Alkohol in Mitleidenschaft gezogen. Alkoholismus kann nur durch eine ausführliche Krankengeschichte erkannt werden (Anamnese). Das Alkoholentzugssyndrom (erster Indikator) ist durch Tremor (zittern), Unruhe, starkes Schwitzen, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen gekennzeichnet.

Sind Betroffene in der Lage, selbst die Reißleine zu ziehen?

Klöpper: Nein, aber Ausnahmen bestätigen die Regel.

Wie sollten Verwandte/Freunde reagieren, wenn sie glauben, dass jemand aus ihrer Umgebung ein Alkoholproblem hat? Schließlich möchte man niemanden zu Unrecht verdächtigen.

Klöpper: Ruhe bewahren und überlegen, wie Sie die betroffene Person ansprechen können. Suchen Sie eine ruhige Gesprächssituation und bleiben Sie im Gespräch.

Und wenn sich der Verdacht bestätigt, wie verhalte ich mich dann?
Klöpper: Suchen Sie Rat und Hilfe. Wenn Sie Unterstützung benötigen, rufen Sie eine Suchtberatungsstelle an. Hier haben Sie die Möglichkeit, vertrauensvoll über Ihre Sorgen und Ängste mit kompetenten Fachkräften zu reden. Die Beratung ist kostenlos. Selbstverständlich wird Ihr Anliegen vertraulich behandelt. Es gilt die Schweigepflicht.

In den Medien ist immer wieder über das so genannte „Koma-Saufen“ zu lesen. Wann müssen Eltern bei ihrem Kind hellhörig werden?

Klöpper: Häufig geben konkrete Anlässe Grund zur Sorge: Ihr Kind kommt angetrunken nach Hause, riecht nach Cannabis. Hinzu kommen weitere Alarmsignale wie massive Stimmungsschwankungen und impulsives Verhalten, was Sie nur schwer nachvollziehen können.

Wie vermitteln Eltern ihren Kindern überhaupt einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol?

Klöpper: Kinder lernen im Elternhaus grundlegende Verhaltensweisen. Sie beobachten, wie Erwachsene mit Alkohol und anderen Rauschmitteln umgehen. Es geht nicht darum, sich immer perfekt und tadellos zu verhalten. Vorbild sein bedeutet, aufrichtig über das eigene Verhalten zu reden, damit sich Ihr Kind mit Ihnen identifizieren kann.

Durch den Konsum von Alkohol sterben jährlich mehr Menschen als durch den Konsum illegaler Drogen. Ist ein Verbot von Alkohol eine Lösung?

Klöpper: Anlässlich des Weltdrogentages veröffentlichte das Statistische Bundesamt die Zahl der Alkoholtoten im Jahr 2012, gezählt wurden 14 551 Fälle. Damit sind fast viermal mehr Menschen durch die legale Droge Alkohol als durch einen Verkehrsunfall in Deutschland ums Leben gekommen. Dazu kommt noch, dass bei 3,5 Prozent der Fälle von schwerer und gefährlicher Körperverletzung Alkohol eine Rolle spielt. Angesichts von knapp 15 000 Toten sollte jeder bereit sein, darüber zu sprechen, wie man diese Zahl verringern kann.

Welche Lösungsansätze kann es geben?

Klöpper: Suchtexperten zufolge gelten Werbeverbot, ein besserer Jugendschutz sowie Einschränkungen der Verfügbarkeit als wirksam. Eine wichtige Stellschraube bleibt aber der Preis. In Deutschland kann man sich gegenwärtig für ein „Taschengeld“ tottrinken. Eine vernünftige Lösung liegt zwischen einem totalen Alkoholverbot und dem freien Konsum und der freien Verfügbarkeit von Alkohol in Deutschland.

Man spricht von Marihuana üblicherweise als Einstiegsdroge. Gilt Gleiches für Alkohol?

Klöpper: Ja. Es gilt für legale Einstiegsdrogen wie Tabak oder Nikotin.

Abseits vom Alkohol: Welche Drogen sind derzeit immer mehr auf dem Vormarsch? Gibt es Mittel die nicht mehr so stark konsumiert werden?

Klöpper: Nach dem Bericht 2013 der „Deutsch Beobachtungsstelle für Drogen- und Drogensucht haben 4,5 Prozent der Erwachsenen in Deutschland in der Altersgruppe der 18 bis 64 jährigen Personen einen Missbrauch (ca. 283 000) und ca. 319 000 Erwachsene eine Abhängigkeit im Zusammenhang mit dem Konsum der illegalen Droge Cannabis in Deutschland entwickelt. Der Konsum aller anderen untersuchten illegalen Drogenkonsumenten war weit wenigen verbreitet. Alle illegalen Drogen werden mehr von Männern als von Frauen konsumiert.

Auf dem Vormarsch befinden sich die „ Legal Highs“.

Klöpper: In bunten Tüten verpackt und als Kräutermischung, oder Badesalz getarnt, werden sogenannte „ Legal Highs“ meist öffentlich in Online Shops angeboten. Die genauen Inhaltsstoffe und deren Zusammensetzung bleiben meistens unbekannt, die Konsumenten dieser „Wundertüten“ gehen damit ein schwer zu kalkulierendes Gesundheitsrisiko ein.

Wie sieht es mit der Medikamentensucht aus? Aufputschmittel für den Joballtag oder das Studium scheint es immer häufiger zu geben?

Klöpper: Die Schätzungen zur Medikamentenabhängigkeit in Deutschland schwanken zwischen 700 000 und 1,9 Millionen Personen. 4 Prozent aller Befragten im Alter von 18 und 64 Jahren gaben 2010 einen problematischen Arzneimittelkonsum an. Trotz der hohen Zahlen wird die hohe Medikamentenabhängigkeit – stille Sucht – in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Medikamentenabhängigkeit betrifft häufig alte Menschen und Frauen. Darüber hinaus Jugendliche und Erwachsene mit psychischen Erkrankungen und Opiatabhängige, die Medikamente als Wirkungsmodulatoren für Drogen missbrauchen. Im Trend ist außerdem der missbräuchliche Konsum von Antidepressiva oder der Konsum von leistungssteigernden Medikamenten, wie etwa Ritalin.

Und das Doping am Arbeitsplatz?

Klöpper: Doping am Arbeitsplatz hat sich in den letzten Jahren als neueres Phänomen entwickelt. Schätzungen gehen davon aus, dass mehr als 2 Millionen Menschen in Deutschland schon einmal zu Leistungsverbesserung zu Medikamenten am Arbeitsplatz gegriffen haben. „Hirndoping“ während des Studiums haben 4 Prozent der befragten Studierenden an deutschen Universitäten zugegeben.

Wie hat sich die Therapie von Abhängigen in den letzten Jahren verändert?

Klöpper: Die Theapiezeit wurde verkürzt auf 4 bis 6 Monate. Handys und PCs wurden unter Einhaltung von Regeln erlaubt.

Gibt es Unterschiede in der Therapie von Alkohol-, Medikamenten- oder Heroinsüchtigen?

Klöpper: Ja. Spezielle Einrichtungen und Therapieverfahren, sowie in der Therapiedauer.

Hellweger Anzeiger, Ausgabe vom 13. Juli 2014

Cannabis hat Konjunktur

…Modedrogen wie Crystal Meth sind in Lünen und Umgebung wenig verbreitet

Lünen: Vor einigen Wochen haben die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler und der Präsident des Bundeskriminalamts, Jörg Ziercke, ihren aktuellen Drogenbericht vorgestellt. Danach sind  synthetische Drogen wie Crystal Meth und Ecstasy deutschlandweit auf dem Vormarsch. Wir haben die Experten der Lüner Drogenberatungsstelle nach der Lage vor Ort gefragt.Olaf Weißenborn, Gabriele Schmidt und Matthias Hundt von der Drogenberatungsstelle sind für Lünen, Werne, Selm und Bergkamen zuständig und geben Auskunft.

Werden Crystal Meth und Ecstasy in der Umgebung auch so häufig konsumiert?
Der Konsum von Cannabis hat in Lünen und im nördlichen Kreis Unna derzeit Konjunktur, sagen die Experten der Lüner Drogenberatugnsstelle Crystal Meth ist nach den Erfahrungen der Drogenberatungsstelle sowohl in Lünen, als auch im Kreis Unna und in ganz NRW kaum verbreitet. Im vergangenen Jahr gab es in Lünen nicht einen  Konsumenten in der Beratung.

Gilt das auch für Ecstasy?
Die Beratungsstelle Lünen hat keine Klienten, die hauptsächlich von Ecstasy abhängig sind. Insgesamt ist in Lünen und im gesamten Nordkreis der Konsum von Cannabis weitaus häufiger.

Hat die Zahl der Konsumenten in den vergangenen Jahren zugenommen?
Die Anzahl der behandlungsbedürftigen Cannabiskonsumenten hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Für die Statistik ist zu unterscheiden zwischen denjenigen, die regelmäßig betreut werden und denjenigen, die nur einmal oder wenige Male zur Beratung kommen und etwas zu Cannabis wissen wollen. Diese so genannten Einmalkontakte stiegen von 95 in 2011 auf 124
im Jahr 2013. Wegen Cannabis-Konsums wurden 2011 im gesamten Nordkreis noch 61 Klienten betreut, 2013 waren es 72.

Sind bei dieser Personengruppe auch andere Drogen im Spiel?
Hier ist immer häufiger ein Mischkonsum mit Amphetaminen zu beobachten. Früher war diese Kombination nicht so verbreitet, weil das unterschiedliche Konsumentengruppen sind. Heute, so  beobachten es die Experten der Drogenberatungsstelle, „pushen“ sich viele Konsumenten erst mit Amphetaminen hoch, um sich dann wieder mit Cannabis zu entspannen.

Die gemeinnützige Gesellschaft für Suchthilfe arbeitet auch präventiv an Schulen. Ist Cannabis unter Jugendlichen angesagt?
Die Jugendlichen fangen schon sehr früh – teils mit 14 Jahren – an, Cannabis zu konsumieren. Sie informieren sich über das Internet und glauben, alles über Drogen zu wissen, sind aber zum  großteil völlig falsch informiert. Sie denken zum Beispiel, eine geringe Menge Cannabis zu besitzen, sei legal. Da ist dann auch Aufklärungsarbeit nötig.

Erlaubt scheinen auch die so genannten „Legal Highs“ zu sein, synthetische Drogen, die als Räuchermischungen deklariert werden. Ist das ein neuer Trend?
Die Legal Highs sind leicht im Internet zu bestellen. Oft kann der Konsument aber gar nicht einschätzen, wie gefährlich die Droge tatsächlich ist. Es werden so schnell neue Drogen kreiert, dass der Gesetzgeber mit den Verboten kaum nachkommt. In der Beratungsstelle sind Fälle von Krampfanfällen und anderen Komplikationen nach dem Konsum bekannt.

Wie alt sind die Klienten der Beratungsstelle?
Zwischen 18 und 25, viele aber auch über 40 und älter.

Kommen mehr Menschen in die Beratungsstelle?
Insgesamt haben wir seit 2011 einen leichten Anstieg zu verzeichnen.

Bernadette Winter

Quelle: Westfälische Rundschau Lünen, Ausgabe vom 28.05.2014